Kommt bald der Zwangsdienst bei der Freiwilligen Feuerwehr?

Thüringen Was tun, wenn's brennt – aber niemand ist da, um zu löschen? Viele Freiwillige Feuerwehren klagen über Nachwuchsmangel. Eine mögliche Lösung wären Pflichtfeuerwehren.

Was unglaublich klingt, ist politisch schon in der Diskussion: Bürger könnten zum Feuerwehrdienst verpflichtet also gezwungen werden. Gesetzlich ist das möglich!

Vielen Gemeinden fehlen Freiwillige bei der Feuerwehr.
Vielen Gemeinden fehlen Freiwillige bei der Feuerwehr.  © dpa/Patrick Pleul

Wegen der weit verbreiteten Landflucht gehen vielen Gemeinden die Bewohner aus. Und damit fehlen auch freiwilligen Feuerwehrleute. Nachwuchs zu finden ist das große Problem der Wehren.

Fehlen die Freiwilligen, können Gemeinden in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen ihre Bürger zum Feuerwehrdienst verpflichten. So ist es in den Landesbrandschutz-Gesetzen dieser Bundesländer geregelt.

Demnach können Frauen und Männer von 18 bis 60 Jahren bei akuter Personalnot herangezogen werden.

Nach MDR-Informationen machen die Kommunen bisher noch selten Gebrauch von diesem Recht.

In ganz Deutschland gebe es aktuell lediglich fünf solcher Feuerwehren, etwa im Örtchen Grömitz in Schleswig-Holstein.

Pflichtfeuerwehren als "letztes Mittel"

In Ostdeutschland ist der Pflichtdienst also gegenwärtig noch kein Thema. So teilte der sächsische Städte- und Gemeindebund dem MDR auf seine Anfrage mit:

"Diese Maßnahme ist (…) nur das letzte Mittel, wenn ein wirksamer Brandschutz auf andere Art und Weise nicht ermöglicht wird. Nach unserer Kenntnis gab und gibt es bislang keine Pflichtfeuerwehr in Sachsen. Es ist zwar teilweise schwierig, die Tageseinsatzbereitschaft abzusichern. Die Probleme haben aber bislang nicht dazu geführt, dass eine Pflichtfeuerwehr gebildet werden muss."

Deutschlandweit gibt es etwa 23.000 Freiwillige Feuerwehren, mit knapp einer Million Mitglieder. Tendenz sinkend.

Feuerwehrmann sollte man mit Herz sein

"Die Kameraden sollen sich aufeinander verlassen können." Der Donndorfer Wehrleiter Maik Rahaus ist skeptisch, ob Zwangsverpflichtete diesen Teamgeist leben würden.
"Die Kameraden sollen sich aufeinander verlassen können." Der Donndorfer Wehrleiter Maik Rahaus ist skeptisch, ob Zwangsverpflichtete diesen Teamgeist leben würden.  © dpa/Daniel Bockwoldt (Symbolbild)

Ein Beispiel ist die 900-Seelen-Gemeinde Donndorf in Thüringen. Wehrleiter Maik Rahaus (31) findet dort keine Feuerwehrleute, denn die Jungen verlassen die Region wegen Studium oder Job.

Die Überlegung, Gemeindemitglieder für die Feuerwehr zwangszuverpflichten, habe es trotzdem nie gegeben. Grund:

"Die Kommune würde Leute verpflichten, die das Ehrenamt eigentlich gar nicht machen wollen, weil sie kein Interesse haben. Das ist schwierig, denn die Kameraden sollen sich aufeinander verlassen können", sagte Rahaus gegenüber dem MDR. "Nur jemand, der das freiwillig machen möchte, sollte dieses Ehrenamt ausüben."

Der 31-Jährige weiß wovon er spricht, ist selbst seit 23 Jahren Feuerwehr-Mitglied – aus Leidenschaft: "Es ist toll, anderen zu helfen, die in Not sind!"


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