Experte warnt: Der schöne Schein vom Voluntourismus

Köln - Nach dem Abitur zieht es viele junge Leute ins Ausland. Groß im Trend sind ehrenamtliche Reisen, ein Engagement als Volunteer am anderen Ende der Welt. Doch der sogenannte "Voluntourismus" hat seine Tücken.

Als Ehrenamtlicher im Ausland kann man viel lernen, aber die Sozialprojekte sollten gut ausgewählt sein. (Symbolbild)
Als Ehrenamtlicher im Ausland kann man viel lernen, aber die Sozialprojekte sollten gut ausgewählt sein. (Symbolbild)  © 123RF

Entstanden ist der Trend aus dem Ökotourismus, also dem nachhaltigen, sozialverantwortlichen Reisen.

Benjamin Haas ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sozialpolitik und Methoden der qualitativen Sozialforschung der Universität zu Köln. Er untersucht den Trend und warnt vor etlichen Tücken.

Im Tourismusmarkt steigt laut dem Kölner Wissenschaftler die Nachfrage nach Volunteer-Reisen, immer mehr junge Leute wollen ins Ausland und Gutes tun.

Doch nicht immer ist das Engagement hilfreich. In Sozialprojekten mit Kindern sieht Haas folgendes Problem: "Freiwillige, die für zwei Wochen oder wenige Monate kommen, sind neue Personen, an die sich die Kinder immer wieder gewöhnen müssen. Sie werden von Kindern ins Herz geschlossen. Der erneute Verlust des Kontaktes schadet der psychischen Entwicklung der Kinder mehr, als dass er nutzt."

Laut Haas erweisen die Volunteers aus aller Welt den Kindern in manchen Ländern einen Bärendienst. In Kambodscha oder Bangladesch wurde laut Haas nachgewiesen, dass es zu wenige Waisenkinder für die große Nachfrage von Voluntouristen gibt. In diesen Fällen sei eine ganze Industrie entstanden, die Menschenhandel begünstige.

Auch achten nur wenige Reiseanbieter auf Qualitätsstandards. Hier müssten Reisende sehr aufmerksam sein. Sein Fazit: "Die Einsätze sollten nicht komplett verteufelt oder verurteilt werden, es gibt viele gute Projekte, wo man sich auch sinnvoll in wenigen Wochen einsetzen kann."

Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Uni Köln möchte jedoch dafür sensibilisieren, sich die Anbieter genau anzuschauen und nachzufragen, wo das Geld hingeht.

Titelfoto: 123RF


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