"Fridays for Future": Sollte Luisa Neubauer von Siemens nur benutzt werden?

München - Siemens-Chef Joe Kaeser (62) setzt sich gegen entsprechende Kritiker zur Wehr, die dem Konzernboss eine versuchte Instrumentalisierung von Klimaaktivistin Luisa Neubauer (23) für eigene Image-Zwecke vorwerfen.

Klimaaktivistin Luisa Neubauer ist mit der Linie von Siemens nicht einverstanden.
Klimaaktivistin Luisa Neubauer ist mit der Linie von Siemens nicht einverstanden.  © Kay Nietfeld/dpa

Kaeser hatte der Aktivistin von "Fridays for Future" vor knapp zwei Wochen einen Sitz in einem Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy angeboten - was Neubauer ablehnte, weil sie Siemens dann in der Folge nicht mehr komplett unabhängig kommentieren könne.

"Der Protest auf der Straße allein ist keine Lösung. Deswegen habe ich versucht, Luisa Neubauer einzubinden, das war überhaupt kein PR-Gag", sagte Kaeser nun im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zum Thema.

Ihn treibe die entsprechende Frage um, wie es überhaupt gelingen könne, die Konflikte zwischen Jung und Alt zu entschärfen.

Hintergrund ist ein geplantes Bergbau-Projekt des indischen Industriekonzerns Adani. Umwelt- und Klimaschützer - darunter die "Fridays for Future"-Bewegung - protestieren vehement gegen eine Siemens-Zulieferung für das riesige Kohlebergwerk, das in Australien entstehen soll.

Kaeser hatte mit Neubauer über eben jenes Projekt gesprochen, sie fordert einen Ausstieg des Münchner Unternehmens. Er sagte der Zeitung, schon vor längerem habe sich abgezeichnet, dass das Projekt dem Konzern Schwierigkeiten bereiten dürfte.

"Am 10. Dezember haben wir den Vertrag in Australien unterzeichnet, tags drauf wurde das vor Ort durch Adani bekannt gegeben, und direkt danach ging es los mit den Protestmails an mich. Hunderte, Tausende. Ich habe sofort gespürt: Wir haben ein Problem." Dabei habe der Auftrag vergleichsweise geringe wirtschaftliche Bedeutung für Siemens. "Das Projekt hat ein Auftragsvolumen von 18 Millionen, Siemens macht etwa 50 Millionen Geschäft pro Stunde, das sind die Größenverhältnisse."

Den Auftrag nachträglich zu kündigen sei unmöglich gewesen: "Wir haben einen rechtsgültigen Vertrag, der bei einseitiger und willkürlicher Kündigung ohne wichtigen Grund eine unbeschränkte Haftung vorsieht. Mit diesen Realitäten muss man umgehen. Da hilft es auch nichts, wenn uns Klimaaktivisten drohen."

Siemens-Chef Joe Kaeser wehrt sich gegen Kritik an seinem Angebot an Luisa Neubauer.
Siemens-Chef Joe Kaeser wehrt sich gegen Kritik an seinem Angebot an Luisa Neubauer.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Titelfoto: Montage: Kay Nietfeld/dpa, Sebastian Kahnert/dpa-Z

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