Ex-EU-Ratspräsident Donald Tusk nennt Fridays for Future verrückt

Hamburg - Mit dem Nobelpreis für Greta Thunberg wurde es bekanntlich nichts, doch nun hat die von ihr ausgelöste Jugendbewegung eine Auszeichnung gewonnen.

Donald Tusk wurde für seine Verdienste in der EU geehrt.
Donald Tusk wurde für seine Verdienste in der EU geehrt.  © Daniel Bockwoldt/dpa

Fridays for Future erhielt am Sonntag bei der Marion-Dönhoff-Preisverleihung 2019 den Förderpreis.

Außerdem wurde Donald Tusk zwei Tage nach seinem Abschied als EU-Ratspräsident mit dem Hauptpreis für internationale Verständigung und Versöhnung geehrt.

Beide Preise sind mit 20.000 Euro dotiert.

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Altbundespräsident Joachim Gauck würdigte in seiner Laudatio im Hamburger Schauspielhaus Tusks Kampf für die Freiheit in Polen und für die Einheit der Europäischen Union.

Er gratulierte dem Preisträger zugleich zur Übernahme des Vorsitzes der Fraktion der Europäischen Volkspartei im Europaparlament: "Ich bin sicher, er wird weiter als alter Danziger stolz, frech und frei für Europa brennen und alles dafür tun, dass Europa der beste Platz auf Erden bleibt."

Gauck hob die starke Verbundenheit der ostdeutschen und polnischen Bürgerrechtler hervor. Bei den Akteuren von 1989 gebe es ein starkes Wir-Gefühl.

"Deshalb ist Donald Tusk einer von uns, die wir Freiheit und Demokratie oft mehr schätzen als diejenigen, die nie auf Freiheit und Demokratie verzichten mussten."

Tusk zieht Parallelen zur eigenen Vergangenheit

Joachim Gauck, Bundespräsident a.D., spricht während der Verleihung des Marion Dönhoff-Preises.
Joachim Gauck, Bundespräsident a.D., spricht während der Verleihung des Marion Dönhoff-Preises.

Der Altbundespräsident erinnerte an die Skepsis, mit der manche Beobachter 2014 auf die Wahl von Tusk zum EU-Ratspräsidenten reagiert hätten. Sein Englisch sei verbesserungswürdig, habe es damals geheißen.

Tatsächlich seien die Menschen hinter dem Eisernen Vorhang von der übrigen Welt abgeschnitten gewesen. Aber, fügte Gauck hinzu: "Westeuropäer sind nicht im Prinzip klüger." Es gebe auch keine "Charaktermauer" zwischen Ost und West.

Tusk habe gezeigt, wie schnell Veränderungen möglich seien, wenn man sich von einem inneren "Yes I can" leiten lasse. Er habe selbstironisch erklärt: "I will Polish my English (Ich werde mein Englisch aufpolieren/polnischer machen)."

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In seiner Dankesrede sprach Tusk die anwesenden Vertreter von Fridays for Future an. "You are crazy (Ihr seid verrückt)", sagte er in seiner auf Englisch gehaltenen Rede.

Aber seine deutschstämmige Oma habe auch ihn damals gefragt, als er sich im Alter von 23 Jahren der Solidarnosc-Bewegung anschloss: "Krümelchen, bist du verrückt?" Sie habe Recht gehabt, "Wir waren verrückt".

Mit Blick auf die Geschichte fügte er hinzu: "Ihr seid auch verrückt und ihr werdet gewinnen."

Großes Lob für Fridays for Future

Vertreterinnen von Fridays for Future nehmen den Marion Dönhoff-Preis entgegen.
Vertreterinnen von Fridays for Future nehmen den Marion Dönhoff-Preis entgegen.

Die Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen, Maja Göpel, lobte die Umweltbewegung als "Fackeln der Aufklärung in dieser Gesellschaft".

Fridays for Future habe die Klima- und Umweltfrage in die Mitte der Gesellschaft getragen.

"Sie war fest in einer grünen Ecke verankert, sie war in der Politik ein weiches Thema und sicher nichts, womit sich die als besonders erfolgreich dastehenden Konzerne, Finanz- und Technologiefirmen profiliert hätten", sagte die Politökonomin.

Die Mitglieder der Bewegung von Fridays for Future seien zukunftsoffen und sähen der unbequemen Wahrheit direkt ins Gesicht.

"Wir ehren sie dafür (...), dass sie es schaffen, global und solidarisch zu denken in Zeiten, in denen der eigene Fuhrpark und das Schnitzel gar nicht groß und billig genug sein können", sagte die Laudatorin.

Der Marion-Dönhoff-Preis ist nach der ehemaligen Zeit-Herausgeberin benannt, die 1909 in Königsberg geboren wurde und 2002 in Hamburg starb.

Tusk will sein Preisgeld an eine liberal orientierte Zeitschrift spenden, die sich in seiner Heimatstadt Danzig für politische Bildung einsetzt.

Titelfoto: Daniel Bockwoldt/dpa

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