Mehr als 200 Heuler in Seehundstation wieder aufgepäppelt

Friedrichskoog/Büsum - Sie waren jung und hilflos! In diesem Jahr sind 204 Heuler in der Seehundstation Friedrichskoog im Kreis Dithmarschen eingeliefert worden. Ein Großteil der jungen Seehundwaisen ist schon wieder Freiheit.

Ein Peilsender ist auf dem Rücken eines Heulers angebracht.
Ein Peilsender ist auf dem Rücken eines Heulers angebracht.  © Carsten Rehder/dpa

153 wurden zurück ins Wattenmeer zu ihren Artgenossen gebracht, sagt Stationsleiterin Tanja Rosenberger.

Was sie dann machen, erforschen zurzeit Wissenschaftler der Uni Kiel. Denn jenseits ihrer Liegeplätze an Stränden und auf Sandbänken weiß man bislang wenig vom Verhalten der Seehunde.

Die Biologen hefteten deshalb 2017 acht jungen Seehunden kleine Sender ans Fell - sogenannte Datenlogger. Nach der Auswilderung konnten die Wissenschaftler verfolgen, wohin die Tiere schwammen.

"Zunächst blieben sie in der Nähe der Küsten", sagt Biologin Verena Peschko. Erst langsam wagten sie sich weiter hinaus. Der Rekord war "zehn Wochen nach der Auswilderung 350 Kilometer hinaus in die offene Nordsee."

Aktuell laufen die gleichen Untersuchungen bei Kegelrobben-Heulern. Drei Tiere aus der Station Friedrichskoog und drei aus dem niedersächsischen Norden-Norddeich haben Sender auf ihren Rücken.

Über Bord! Ein Heuler verlässt das Schiff und wird ausgewildert.
Über Bord! Ein Heuler verlässt das Schiff und wird ausgewildert.  © Wolfgang Runge/dpa

"Die Kegelrobben sind bislang etwas 'lokaler' unterwegs", berichtet Peschko. Einmal habe sich ein Jungtier jedoch schon rund 150 Kilometer vom Festland entfernt.

Doch wie orientiert sich ein Seehund auf dem offenen Meer, wie findet er zurück zu "seiner" Sandbank? Untersuchungen des Rostocker Marine Science Center haben gezeigt, dass ein Seehund magnetische Felder wahrnehmen kann. Er könnte sich also am Erdmagnetfeld orientieren.

Außerdem hat ein Seehund einen gut entwickelten Zeitsinn. So weiß er, wie weit er geschwommen ist. "In einem ersten Experiment zur Distanzabschätzung war ein Seehund in der Lage, zumindest eine Distanz abzuschätzen und zu reproduzieren", lautet das Fazit der Rostocker Forscher.

Und wie kann ein Seehund weit draußen auf dem Meer satt werden? Das haben Forscher der Ruhr-Universität Bochum schon vor Jahren herausbekommen. Die Robbe orientiert sich in trüben oder dunklen Gewässern mit ihren Barthaaren. Die sind so empfindlich, dass der Seehund winzige Wasserwirbel über Distanzen von bis zu 40 Metern verfolgen kann.

Weil Fische durch ihre Flossenbewegungen typische Wirbel im Wasser hinterlassen, wissen Seehunde genau, welche Beute sich in ihrer Nähe befindet.

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