Viele Baby-Seehunde brauchen jetzt Hilfe

Friedrichskoog - Große Kulleraugen und herzerweichendes Klagen: In der Seehundstation Friedrichskoog an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste ist Hochsaison.

Die Seehundbabys verlieren durch verschiedene Gründe Kontakt zu ihrer Mutter und müssen von Menschen betreut werden.
Die Seehundbabys verlieren durch verschiedene Gründe Kontakt zu ihrer Mutter und müssen von Menschen betreut werden.  © dpa/Wolfgang Runge

Dort werden verwaiste Robben-Babys gepflegt. Aktuell sind es mehr als 140 junge Seehunde, die betreut und gefüttert werden müssen.

"Letztes Jahr waren es um diese Zeit 50 mehr", sagte Stationsleiterin Tanja Rosenberger. Grund für den Rückgang ist das gute Wetter. "Dadurch konnten mehr Tiere bei der Mama bleiben."

Seehunde bringen ihren Nachwuchs in der Regel Anfang Juni bis Mitte Juli auf einer trockengefallenen Sandbank im Wattenmeer zur Welt. Nicht immer verläuft die Kindheit der kleinen Robben gut.

So kann es passieren, dass ein Tierbaby von seiner die Mutter getrennt wird. Zum Beispiel durch einen Sturm oder durch ein Sommergewitter. Hohe Wellen und starke Strömungen tragen dann dazu bei, dass die Mutter ihr Junges nicht mehr findet, erklärte Rosenberger.

Doch auch Menschen sind immer wieder Grund für ein schweres Seehund-Schicksal.

Seehundbaby "Primus" wurde auf Helgoland gefunden und ist nun in der Seehundstation.
Seehundbaby "Primus" wurde auf Helgoland gefunden und ist nun in der Seehundstation.

Denn viele wissen nicht: "Das Heulen ist ein normaler Kontakt-Laut, mit dem das Jungtier seine Mutter ruft, es ist kein Klagen", erklärt Rosenberger. Und wenn eine junge Robbe für ein, zwei Stunden alleine am Strand liege, sei dies kein Grund zur Sorge.

Kämen Menschen dem vermeintlich hilflosen Tier aber zu nahe, weil sie helfen oder mit ihrem Handy ein Selfie machen wollten, komme die Seehund-Mutter nicht mehr an ihren Nachwuchs heran - und schon seien sie getrennt.

Damit sie nicht verhungern, werden die Seehund-Waisen nach Friedrichskoog gebracht. Dort versuchen die Mitarbeiter, die Tier-Mutter ersetzen.

Seit diesem Jahr bekommen die Seehund-Babys in Friedrichskoog in den ersten Tagen eine "Lachs-Emulsion" zu fressen. "Der Vorteil ist, sie hat einen sehr hohen Fettgehalt und ist komplett flüssig, so dass die Tiere es einfach schlucken können."

Danach werde auf Fisch umgestellt. Zuerst gebe es ganze kleine Fische. "Später bekommen sie 300 Gramm schwere Heringe, bis sie das für eine Auswilderung nötige Mindestgewicht von 25 Kilogramm erreicht haben."

Die Robben-Waisen blieben bis zu ihrer Auswilderung meist zwei bis drei Monate in der Obhut der Tierschützer.

Die Kosten dafür summieren sich den Angaben zufolge für jedes Tier auf mindestens 1300 Euro. Bei kranken Robben könne es wegen zusätzlicher Tierarztkosten noch teurer werden, sagte Rosenberger.


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