Fusion-Festival vor Sicherheits-Desaster? "Polizeipräsenz stellt Bedrohung dar!"

Berlin/Neubrandenburg - Seit Unglücken und Anschlägen bei Großveranstaltungen wird viel mehr auf die Sicherheit geschaut. Kulturfreunde in Mecklenburg-Vorpommern finden aber, dass es die Polizei beim "Fusion"-Festival nun übertreibt.

Auf der Fusion sollen erstmals Polizisten auf dem Festival-Gelände unterwegs sein.
Auf der Fusion sollen erstmals Polizisten auf dem Festival-Gelände unterwegs sein.

Trotz des anhaltenden Streits um das Sicherheitskonzept beim alternativen Kulturfestival "Fusion" in Mecklenburg-Vorpommern wollen die Veranstalter das Fest im Juni stattfinden lassen.

"Wir hoffen auf eine Einigung", sagte Martin Eulenhaupt für den Veranstalter Kulturkosmos am Mittwoch in Berlin.

Es könne aber sein, dass die Auseinandersetzung auf juristischer Ebene fortgesetzt werde. Entzündet hatte sich der Streit an Sicherheitsbedenken des Neubrandenburger Polizeipräsidenten. Der will erstmals eine Polizeiwache und Streifen auf dem privaten Festivalgelände in Lärz durchsetzen.

Bisher sei die Polizei allein an den Ein- und Ausgängen präsent und bei Zwischenfällen sofort erreichbar gewesen, erklärten die Veranstalter.

Dieses Konzept habe sich bewährt.

Sie sehen im neuen Vorstoß der Polizei einen Bruch mit der Philosophie des Festivals, das auf die Freiheit der Kunst und freie Entfaltung der Gäste baue. Polizeipräsenz werde als "Bedrohung" dieser Grundidee wahrgenommen. "Die Polizei muss abrüsten und ihre Pläne zurücknehmen", forderte Eulenhaupt.

Martin Eulenhaupt (Kulturkosmos) spricht auf einer Pressekonferenz zum Kultur- und Musikfestival "Fusion".
Martin Eulenhaupt (Kulturkosmos) spricht auf einer Pressekonferenz zum Kultur- und Musikfestival "Fusion".  © DPA

Das "Fusion"-Festival findet seit mehr als 20 Jahren statt und ist in dieser Zeit stetig gewachsen. Unter jungen Leuten ist es bundesweit als entspanntes Musikevent nahe der Müritz bekannt.

Traditionell zelten die Teilnehmer auf dem rund 100 Hektar großen Privatgelände auf einem ehemaligen Militärflugplatz. Zur Fusion vom 26. bis 30. Juni werden in diesem Jahr rund 70 000 Gäste erwartet.

Nach 21 Toten bei der Love Parade in Duisburg 2010 und dem Terroranschlag an der Berliner Gedächtniskirche 2016 mit 12 Toten werden Sicherheitskonzepte für Großveranstaltungen mit anderen Augen gesehen.

Nach Angaben einer Polizeisprecherin hat Mecklenburg-Vorpommern seit 2018 eine neue Versammlungsstättenverordnung.

Polizei und Landkreis hatten die Organisatoren zuletzt aufgefordert, Mängel im Konzept zu beheben und Kontrollen auf dem Gelände zuzulassen. Die Suche nach Kompromissen scheiterte bislang.

Mehr zum Thema Berlin Lokal:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0