Zwei Traditionsvereine, ein Schicksal: Das verbindet den VfB und Hannover 96

Stuttgart - Es könnte ein Top-Duell zweier Vereine sein, die jede Menge Tradition und eine emotionale wie große Fanbase haben, doch am Sonntag steigt in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena der Abstiegsgipfel zwischen dem VfB und Hanover 96 (15.30 Uhr/Sky).

War mit seinen getätigten Transfers eins der vielen Teile in einer langen Problemkette: Ex-VfB-Sportvorstand Michael Reschke
War mit seinen getätigten Transfers eins der vielen Teile in einer langen Problemkette: Ex-VfB-Sportvorstand Michael Reschke

Dass beide am Abgrund der Bundesliga neben dem 1. FC Nürnberg den Blick nicht nach Europa, sondern Richtung zweite Liga richten, hat vielschichtige Gründe, die einige Parallelen beider Klubs aufweisen.

Beide Kader wurden vor der laufenden Saison gnadenlos überschätzt. Der VfB ließ sich durch die starke Rückrunde 2017/18 blenden, als nur der FC Bayern München stärker war.

Mit dem Abstieg werde der VfB nichts zu tun haben, tönte Sportvorstand Michael Reschke noch. Mittlerweile ist nicht nur seine Aussagen Schall und Rauch, sondern er auch nicht mehr im Amt.

Die Transfers von Gonzalo Castro und Pablo Maffeo wurden gelobt. Doch: Castro wirkt immer noch wie ein Fremdkörper und Maffeo - nun ja, der hat mit mehr negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht als mit sportlichen Beiträgen (TAG24 berichtete).

Bei Hannover sieht es auch nicht besser aus. Im Sommer verlor man mit Salif Sané, Felix Klaus und Martin Harnik gestandene Größen innerhalb der Mannschaft, sowie Qualität. Die Neuzugänge Kevin Wimmer, Bobby Wood und Takuma Asano (vom VfB gekommen!) enttäuschten bislang.

Und im Verlauf der Hinrunde kam dann auch noch Pech dazu: Die Topspieler in der Offensive, Niklas Füllkrug, Ihlas Bebou und Talent Linton Maina verletzten sich teilweise schwer. Das ist für die Hannoveraner fast nicht zu kompensieren.

Dennoch sind es lediglich zwei Punkte Rückstand auf den VfB und mit einem Sieg könnten die Rot-Schwarzen mit den Schwaben die Plätze tauschen und erstmals seit dem 12. Spieltag nicht mehr auf einem direkten Abstiegsplatz stehen.

Trotzdem könnte es am Ende wieder beide erwischen - wie schon vor vier Jahren!

Rückblick: Die letzten vier Jahre verliefen fast parallel

7. Mai 2016: Der VfB Stuttgart verliert am 33. Spieltag zuhause gegen den FSV Mainz 05 und steigt in die 2. Bundesliga ab. Kapitän Christian Gentner entschuldigt sich bei den Fans.
7. Mai 2016: Der VfB Stuttgart verliert am 33. Spieltag zuhause gegen den FSV Mainz 05 und steigt in die 2. Bundesliga ab. Kapitän Christian Gentner entschuldigt sich bei den Fans.  © DPA

Wer sich an die Saison 2015/16 zurückerinnert, dem wird das dunkle Jahr aus Stuttgarter Sicht einfallen: Der VfB belegte mit 33 Punkten den 17. Platz und stieg in die 2. Bundesliga ab.

Wütende und enttäuschte Fans stürmten den Rasen nach der letzten Heimspielniederlage gegen den FSV Mainz 05 in der Mercedes-Benz Arena.

Das Bild, auf dem Christian Gentner versuchte, die Anhänger zu beschwichtigen, brannte sich in die Vereinshistorie ein. In die Historie eines Bundesliga-Traditionsvereins.

Knapp 400 Kilometer Luftlinie weiter nördlich war zu diesem Zeitpunkt in Niedersachsen bereits längst der Abstieg besiegelt. Hannover 96, ebenfalls ein Traditionsverein, trat mit den Schwaben zusammen den Gang in die 2. Liga an.

Beide Clubs verbindet seit da an eine fast schon kuriose Parallelität.

Hannover 96 und den VfB Stuttgart verbindet vor allem in den vergangenen Jahren dasselbe schwere Schicksal. (Bildmontage)
Hannover 96 und den VfB Stuttgart verbindet vor allem in den vergangenen Jahren dasselbe schwere Schicksal. (Bildmontage)

Denn ein Jahr später schaffen Stuttgart und Hannover den direkten Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga und spielten 2017/18 eine passable (Hannover), sogar sehr gute (Stuttgart) Saison.

Am Sonntag kommt es in der Mercedes-Benz Arena also wieder zum Aufeinandertreffen und sowohl die Niedersachsen als auch die Schwaben stecken erneut tief im Abstiegskampf.

Und nicht nur das vereint die Traditionsclubs. Beide haben in der Not schon den Trainer gewechselt, die jeweiligen Präsidenten Wolfgang Dietrich (VfB) und Martin Kind (Hannover) stehen im Zentrum der Fan-Kritik. Und 15 Niederlagen nach 23 Partien bedeuten zum heutigen Zeitpunkt für die zwei Vereine die historisch schlechteste Bundesliga-Saison.

Im Mai könnte sich nach dem Abpfiff am 34. Spieltag die Geschichte wiederholen und es erwischt beide Vereine wie schon vor vier Jahren.

Dann wird vielleicht das ständige Auf und Ab, gepaart mit systematischen Fehlern - sprich: die Unkonstanz - auch noch zur Tradition.

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