Premier-League-Profi Chris Löwe kehrt in die Heimat zurück

Plauen - Die Ostvorstadt ist nicht der nobelste Ort von Plauen. Aber schmuck ist das Wohngebiet, die alten Backsteinhäuser leuchten in der Sonne, die Vorgärten sind gepflegt. Arbeiterviertel nennen es die Einheimischen. Hier hilft man sich gegenseitig, hier lässt es sich gut leben. Neben der Kemmler-Oberschule liegt die Anlage des 1. FC Wacker Plauen. Auf dem Platz unternahm 1996 ein kleiner Junge namens Chris Löwe seine ersten Gehversuche.

Seit zwei Jahren Teamkameraden: Chris Löw (r.) und Michael Hefele (M.). Löwe kam aus Kaiserslautern zu Huddersfield, Hefele von Dynamo.
Seit zwei Jahren Teamkameraden: Chris Löw (r.) und Michael Hefele (M.). Löwe kam aus Kaiserslautern zu Huddersfield, Hefele von Dynamo.  © Imago

Heute ist er Profi bei Huddersfield Town in der englischen Premier League - und Wacker ist stolz auf seinen Sohn.

Löwe steht auf dem Rasen, schaut der ersten Mannschaft beim Training zu.

Hin und wieder kommen Spieler auf ihn zu, klatschen mit dem 29-Jährigen ab. Jungs, mit denen er einst begonnen hat. Sie sind beim Verein geblieben, Chris zog hinaus in die weite Welt: Chemnitzer FC, Meister und Pokalsieger 2012 mit Borussia Dortmund, drei Jahre Kaiserslautern in der 2. Liga und dann Huddersfield Town.

Im ersten Jahr stieg er mit seinem Klub in die "beste Liga der Welt", wie Löwe selbst sagt, auf, dann hielt er sensationell die Klasse.

Die Wackeraner sprechen gern darüber und sie freuen sich: Chris ist einer von ihnen geblieben.

Natürlich holten sich die Knirpse alle ein Autogramm von Chris Löwe. Er unterschrieb nicht nur in Alben, sondern auch auf den Fußballschuhen und Trikots der Kleinen.
Natürlich holten sich die Knirpse alle ein Autogramm von Chris Löwe. Er unterschrieb nicht nur in Alben, sondern auch auf den Fußballschuhen und Trikots der Kleinen.  © Picture Point / Kerstin Dölitzsch

Star-Kult, abgehoben, weit weg von der Realität, Glamourwelt, Ganzkörpertattoos, Medienrummel? Nicht mit ihm!

Ein Fußballer, der sich abhebt von vielen seiner Kollegen, weil er sich nicht in Szene setzt. Auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram ist Chris nicht zu finden.

"Da bin ich nicht der Typ für. Mein Essen fotografieren, ins Netz stellen und die ganze Welt daran teilhaben lassen, das bin ich nicht, das brauche ich nicht. Das ist eine Fakewelt. Das kann jeder gern machen, ich nicht", sagt er. Bodenständig eben. "Ich spiele lieber Fußball und fahre danach heim zu meiner Familie."

Apropos Familie: Chris Löwe kommt gern zurück nach Plauen, "back to the roots", lächelt er. Wenn er es schafft, schaut er bei seinen Eltern vorbei, die noch in der Nähe des Sportplatzes wohnen. "Das ist leider nicht so oft. Meine Frau und mein Sohn fliegen alle zwei, drei Monate mal her, bleiben paar Tage. Ich genieße die Zeit, wenn es mal klappt." Wie jetzt eben in diesen Tagen.

Wacker hat ihn eingeladen vorbeizukommen, mit dem Nachwuchs zu reden. Dem zu zeigen, das es auch von einem kleinen Verein in die Welt hinaus gehen kann. Sechs Jahre hat Löwe von 1996 an hier gespielt. Er brauchte aber zwei Anläufe, um bei seinem Heimatverein Fuß zu fassen. "Wie ich gehört habe, wurde ich erstmal wieder weggeschickt, weil ich zu klein und schmächtig war", grinst er.

Das ist er bis heute geblieben, aber Löwe hat sich durchgesetzt. "Ich kam ein Jahr später wieder. Damals nach einem Fußbruch mit dem Bein im Gips. Den habe ich mir paar mal zerschossen. Meine Mutter war sechsmal mit mir im Krankenhaus, um ihn erneuern zu lassen", lacht Chris.

Auf dem Sportplatz von Wacker hat Chris Löwe 1996 erstmals mit dem Ball jongliert. 2002 wechselte er nach Chemnitz.
Auf dem Sportplatz von Wacker hat Chris Löwe 1996 erstmals mit dem Ball jongliert. 2002 wechselte er nach Chemnitz.  © Picture Point / Kerstin Dölitzsch

Es hat sich gelohnt.

Die nächsten Schritte unternahm er ab 2002 beim Chemnitzer FC, bei den Herren angekommen, stieg 2011 unter Gerd Schädlich in die 3. Liga auf. Jetzt ist der CFC wieder in der 4. Liga abgestürzt. "Das tut schon weh, das aus der Ferne zu verfolgen. Ich habe dort meine entscheidenden Jahre verbracht, habe dem Klub viel zu verdanken. Ich hoffe, dass der Verein aus den Fehlern gelernt hat und schnell wieder nach oben kommt", rümpft Löwe die Nase. "Eigentlich würde ich in einigen Jahren gern nochmal für den CFC spielen, aber nicht in der Regionalliga."

Das ist Zukunftsmusik, jetzt kickt er noch mindestens zwei Jahre in Huddersfield. "Ich muss mich da schon manchmal kneifen. Gerade wenn wir bei Chelsea, Arsenal oder Liverpool im Stadion ankommen und du weißt, da spielst du gleich, das ist schon Wahnsinn, ein Traum." Der Traum eines kleinen Plauener Jungen.

Chris Löwe (r.) im Gespräch mit TAG24-Sportredakteur Thomas Nahrendorf bei seinem Heimatbesuch in Plauen.
Chris Löwe (r.) im Gespräch mit TAG24-Sportredakteur Thomas Nahrendorf bei seinem Heimatbesuch in Plauen.  © Picture Point / Kerstin Dölitzsch

Löwe hat in Deutschland 1. und 2. Bundesliga gespielt.

"Der Unterschied zu Deutschland ist mit die Stimmung, die ist gigantisch. Und: Sie ist friedlich. In England kannst du mit der Familie ins Stadion gehen ohne Angst, dass etwas passiert. Da rastet kein Fan aus."

Noch zwei Wochen bleibt Chris Löwe in seiner Heimat. Dann geht es zurück, Anfang Juli ist Trainingsauftakt im Verein nahe Manchester. Dann sieht er auch Michael Hefele wieder. Mit ihm ging er vor zwei Jahren auf die Abenteuerreise nach Huddersfield. "Ein irrer Typ", schmunzelt er über den Ex-Dynamo. "Er ist der Lauteste in der Kabine, positiv verrückt. Micha zieht einen mit - wenn er da ist." Das war jetzt nicht der Fall. Hefele war fast ein Jahr verletzt. "Wenn er wieder fit ist, brauchen wir ihn. Er ist wichtig für uns, auf und neben dem Platz."

Doch jetzt schaltet Chris erst einmal ab. Fährt noch in den Urlaub, um Kraft zu tanken für eine lange Saison. Das Ziel ist nicht die Karibik, die Malediven oder ein anderer nobler Urlaubsort. "Wir fahren mit meinen Schwiegereltern campen." Bodenständig eben.

Der 1. FC Wacker Plauen ist der Heimatverein von Chris Löwe. Hier begann er mit Fußball spielen. Seine Herkunft hat er nicht vergessen. Der heutige Nachwuchs ist stolz auf ihn.
Der 1. FC Wacker Plauen ist der Heimatverein von Chris Löwe. Hier begann er mit Fußball spielen. Seine Herkunft hat er nicht vergessen. Der heutige Nachwuchs ist stolz auf ihn.  © Picture Point / Kerstin Dölitzsch

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