Deshalb läuft der FSV dem CFC den Rang ab!

Seit Wochen in bestechender Form: Torjäger Ronny König. Ihn wollten die 
Chemnitzer im Sommer nicht mehr haben. In Zwickau beweist der Stürmer, dass er 
kein Auslaufmodell ist.
Seit Wochen in bestechender Form: Torjäger Ronny König. Ihn wollten die Chemnitzer im Sommer nicht mehr haben. In Zwickau beweist der Stürmer, dass er kein Auslaufmodell ist.  © Picture Point/Kerstin Kummer

Chemnitz - Die Fußballanhänger reiben sich seit Wochen verwundert die Augen! Nicht der von vielen ganz oben erwartete CFC ist die Mannschaft der Stunde, sondern der Aufsteiger aus Zwickau. Der FSV führt die separate Rückrundentabelle mit 23 Punkten souverän an. Der aktuelle Spitzenreiter Duisburg holte 18, der CFC gar nur magere elf Zähler aus den letzten zehn Spielen. Was läuft in Zwickau besser als in Chemnitz? Die TAG24-Analyse:

Saisonziel

Für Zwickau zählt nach wie vor nur der Klassenerhalt! Eine nachträgliche Korrektur wäre angesichts der sportlichen Probleme in der Hinrunde und der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vermessen.

Der Aufsteiger ging das "Abenteuer 3. Liga" mit einem schmalen Gesamtetat von 5,3 Millionen Euro an. Torsten Ziegner machte neben seinem Trainerjob die Ausbildung zum Fußballlehrer. Dass sein Team schon 40 Punkte eingefahren hat, ist beachtlich, darf die Zwickauer aber nicht in falscher Sicherheit wiegen. Der Abstand nach unten beträgt neun Zähler, noch werden 27 Punkte vergeben.

Beim CFC hält man intern am Ziel "Aufstieg" fest. Selbst wenn nach außen hin immer das Erreichen der 45-Punkte-Marke postuliert wird, sind die Erinnerungen an die letzte Frühjahrsrunde noch frisch. Ein ähnlicher Lauf wie damals (acht Siege aus den letzten neun Spielen) könnte die Himmelblauen noch auf den Aufstiegs-Relegationsplatz hochspülen. Der ist trotz der aktuell miserablen Ausbeute nur fünf Punkte weg. Das ist machbar! Trainer Sven Köhler hält den Ball flach, denkt von Woche zu Woche: "Ich konzentriere mich nur auf das nächste Spiel. Und das gebe ich meiner Mannschaft auch so mit."

Beim Torjäger a. D.
geht der Kopf runter
- Anton Fink traf zuletzt
im Dezember für
den CFC.
Beim Torjäger a. D. geht der Kopf runter - Anton Fink traf zuletzt im Dezember für den CFC.  © Picture Point/Kerstin Kummer

Kader

Köhler steht ein kleiner, aber feiner (und teurer) Kader zur Verfügung. Nicht umsonst zählte der CFC bei den meisten Drittligatrainern zum engsten Favoritenkreis in Sachen Aufstieg. Im Marktwertvergleich liegt der CFC mit 6,10 Mio. Euro deutlich vor den Westsachsen (4,68 Mio. Euro). Ebenfalls beachtlich: die Zahl an absolvierten Zweit- und Drittligaspielen. Hier kommen die Chemnitzer auf insgesamt 2636 Einsätze (457/2179), die Rot-Weißen "nur" auf 1887 (593/1294).

Doch wie wird aus einer Auswahl von starken Einzelspielern eine funktionierende Einheit; wie entsteht eine Hackordnung, der sich jeder Einzelne unterordnet, egal, wie viele Einsätze er in seiner Laufbahn absolviert hat?

Hier hat das Chemnitzer Trainerteam offenbar nicht die richtigen Antworten gefunden. FSV-Coach Ziegner legt großen Wert darauf, dass sich jeder Einzelne dem großen Ziel unterordnet. Der "Aufstiegsbonus" war schon nach der Hälfte der Hinrunde aufgebraucht. Selbst Publikumsliebling Marc-Philipp Zimmermann (jetzt Auerbach) fand sich schnell auf der Bank wieder. Wer diese Herangehensweise nicht akzeptiert, fliegt! Siehe Marcel Gebers, der inzwischen für Meppen spielt.

Ein Bild mit Symbolcharakter: Während die Zwickauer jubeln, hocken die 
Chemnitzer Tim Danneberg (l.) und Berkay Dabanli (r.) enttäuscht am Boden. Der 
Aufsteiger feierte in der Rückrunde nicht nur den 1:0-Derbysieg gegen den CFC, sondern sechs weitere Si
Ein Bild mit Symbolcharakter: Während die Zwickauer jubeln, hocken die Chemnitzer Tim Danneberg (l.) und Berkay Dabanli (r.) enttäuscht am Boden. Der Aufsteiger feierte in der Rückrunde nicht nur den 1:0-Derbysieg gegen den CFC, sondern sechs weitere Si  © Frank Kruczynski

Konstanz

Die Formkurve des CFC gleicht einem Zick-Zack-Kurs. Die längste Erfolgsserie startete die Köhler-Truppe in der Hinrunde nach dem 0:1 in Duisburg. Vom 11. bis 16. Spieltag holte Chemnitz 14 Punkte. Daniel Frahn erzielte in diesem Zeitraum sieben seiner acht Treffer. Seitdem ist Ebbe angesagt - auch bei Sturmpartner Anton Fink. Er netzte zuletzt im Dezember in Rostock ein.

Die Flaute des F&F-Angriffs ist nur ein Problem. Noch schwerer wiegt die Defensivschwäche. Die Abwehrzentrale geriet durch die Ausfälle von Marc Endres und Jamil Dem zum personellen Flickenteppich. Junge Spieler wie Emmanuel Mbende oder Jan Koch wurden nicht konsequent genug aufgebaut. Julius Reinhardt taugte für diese Position nicht.

Dass eine stabile Abwehr die Grundvoraussetzung für das Bestehen in der 3. Liga ist, zeigen die Zwickauer. Ziegners Dreierkette erwies sich als taktischer Fehlgriff. Der Coach erkannte das und stellte nach dem 10. Spieltag auf Viererkette um. Der Erfolg war nicht auf Anhieb in Form von Ergebnissen ablesbar, doch zumindest halbierte sich die Zahl der Gegentreffer.

Mit der Rückrunde gelang der Befreiungsschlag. In zehn Spielen gab es sieben Siege bei nur einer Niederlage. Pikant: Für Ronny König, mit zehn Toren längst die Lebensversicherung des FSV, war im vergangenen Sommer beim CFC kein Platz mehr.


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