Alarmstufe Rot beim Chemnitzer FC

Anton Fink (links) schoss das 1:1 - das war das einzige Erfolgserlebnis für den CFC an diesem Abend.
Anton Fink (links) schoss das 1:1 - das war das einzige Erfolgserlebnis für den CFC an diesem Abend.

Von Olaf Morgenstern

Dresden - Was hat Dresden, was Chemnitz nicht hat? Einen zweiten Anzug, der perfekt passt. Ohne zahlreiche Leistungsträger war Dynamo am Freitagabend angetreten.

Der CFC konnte diesen vermeintlichen Vorteil nicht für sich nutzen.

Sang- und klanglos verabschiedete sich der Pokalverteidiger aus dem diesjährigen Wettbewerb. Trainer Karsten Heine (60): „Das war ein verdienter Sieg.“

Für ihn blieb einmal mehr die Erkenntnis, dass es für seine Mannschaft momentan einfach nicht reicht. Erst recht nicht, wenn sie Grundtugenden wie Leidenschaft, Laufbereitschaft oder Aggressivität vermissen lässt.

Dieser Abend war für die Himmelblauen richtig bitter. Der CFC erhielt von Dresdens B-Elf Anschauungsunterricht in Sachen Ballsicherheit, Raumaufteilung, schnelles Spiel in die Spitze.

Es war einfach nur zum Verkriechen: Anton Fink hält sich das Trikot vor das Gesicht.
Es war einfach nur zum Verkriechen: Anton Fink hält sich das Trikot vor das Gesicht.

Die Heine-Elf kam - die Anfangsviertelstunde einmal ausgeklammert - überhaupt nicht in die Zweikämpfe. Selbst nach dem überraschenden Ausgleichstor von Anton Fink ging es im alten, viel zu behäbigen Trott weiter.

„Ich mag den Begriff Luxusproblem zwar nicht, aber ich glaube, ich habe eins“, strahlte Dynamo-Trainer Uwe Neuhaus (56) übers ganze Gesicht. „So wie meine Mannschaft aufgetreten ist und die acht Ausfälle kompensiert hat, war das schon beeindruckend.“

Heine konstatierte: „Wenn man gegen eine solche Truppe, die zurzeit sowieso in einer Superform ist, nicht elf Mann aufbringen kann, die alles und sogar noch ein bisschen mehr geben, dann steht man als Verlierer da.“

Das gilt zugleich für den Trainer. Dass er am Spieltag an seine Leistungsgrenze geht, sollte für einen gut bezahlten Profi eine Selbstverständlichkeit sein. Ihm das zu vermitteln, ist auch die Aufgabe eines Fußball-Lehrers!

Alarmstufe Rot

Ein Kommentar von Olaf Morgenstern

In Dresden kann man verlieren, keine Frage. Doch die Art und Weise, mit der sich der CFC aus dem Landespokal verabschiedete, war enttäuschend, frustrierend, erschreckend.

Die 90 Minuten vom Freitagabend werfen viele Fragen auf. Wollten die Chemnitzer nicht oder konnten sie nicht? Wie kann man sich in diesem prestigeträchtigen Duell derart leidenschaftslos geschlagen geben? Wird die Qualität der Mannschaft gnadenlos überschätzt?

Dass es besser geht, hat der CFC in dieser Saison schon bewiesen. Leider viel zu selten. Trainer Karsten Heine muss das Geschehen von Dresden gnadenlos analysieren und Konsequenzen ziehen. Schönmalerei nach dem Motto „Es war nicht alles schlecht“ hilft nicht weiter.

Mit derart leidenschaftslosen Auftritten wird bei den Fans weiterer Kredit verspielt, gerät das nächste Saisonziel, ein oberer Tabellenplatz, in Gefahr. Dessen sollten sich alle Akteure, die das himmelblaue Trikot tragen, bewusst sein. In Chemnitz herrscht seit Freitagabend Alarmstufe Rot!

Fotos: Picture Point/Kerstin Kummer


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