Solidarität der anderen Vereine: Wie will der DFB Dynamo bestrafen?

„Krieg dem DFB“ in Wild-West-Schrift. Dortmund-Fans ließen den Spruch zum Pokalfinale hell erleuchten.
„Krieg dem DFB“ in Wild-West-Schrift. Dortmund-Fans ließen den Spruch zum Pokalfinale hell erleuchten.

Dresden - Dynamo hat sein Alleinstellungsmerkmal verloren. „Krieg dem DFB“ mit viel Feuer unterm Hintern macht jetzt jeder.

Dresden hat in Karlsruhe angefangen, andere Bundesligisten haben nachgezogen.

Selbst zum Pokalfinale haben es Frankfurter und Dortmunder Anhänger getan: Es krachte, leuchtete und plakatierte. DFB-Präsident Reinhard Grindel will hart durchgreifen. Aber wie und für was will er eigentlich bestrafen?

Der Army-Auftritt in Karlsruhe ist umstritten, aber nicht verboten. Den Einlass zu stürmen, Imbissstände zu überfallen, Menschen zu verletzen und massiv Pyros abzufackeln schon.

Das gehört außerordentlich hart bestraft - ohne Wenn und Aber. Gern dürfen die Übeltäter auch mal Gitter vor den Augen sehen. Aber sonst? Wofür sonst?

Gerade zu Spielbeginn wurde beim Pokalfinale von beiden Fanlagern viel gezündelt.
Gerade zu Spielbeginn wurde beim Pokalfinale von beiden Fanlagern viel gezündelt.

Die alten Herren des DFB mit Grindel an der Spitze hatten vor, an Dynamo ein Exempel zu statuieren. Aber so richtig mal drauf auf die Sachsen.

Dumm nur: Mit der Solidarität der anderen Vereine haben sie nicht gerechnet. Erst recht nicht zu ihrem Möchtegern-Superbowl-Pokalfinale in Berlin. Was also tun jetzt? Sie können ja Dresden nicht anders bestrafen als die Endspiel-Teilnehmer!

Während des Finals gab es schließlich ausgiebige Gesänge gegen den Verband, Anti-DFB-Spruchbänder, Bengalos, außerdem natürlich das epische Pfeifkonzert gegen Helene Fischer. Der Verband sollte spüren, was die Fans davon halten. Über die Form lässt sich streiten, aber angekommen ist es.

So wie bei Dynamo in Karlsruhe. Überzeichnet, überspitzt wie in einem Tarantino-Streifen, aber wirksam.

Reinhard Grindel.
Reinhard Grindel.  © DPA

„Das Verhalten der Fans lässt den Schluss zu, dass sich die radikale Szene beider Vereine schon im Vorfeld abgesprochen hat, das Pokal-Finale massiv zu stören“, erklärte ein sichtlich geschockt wirkender Grindel nach dem Finale und drohte sogleich harte Konsequenzen an.

Dabei hätte Grindel spätestens nach dem Finale die einmalige Chance gehabt, selbst Einsicht zu zeigen. Weil, dumm ist er ja nicht. Wenn innerhalb von zwei Wochen massiv die Fans auf die Barrikaden gehen, zum Finale zwei Fanlager, die sich ansonsten spinnefeind sind, spontan den Schulterschluss üben und im Wechselgesang „Scheiß DFB“ rufen, sollte sich Grindel mal mit seinen Männern hinterfragen, was bei ihnen schief läuft. Statt durchzugreifen, sollten sie die Hand der Fans ergreifen, zum Dialog einladen.

Was läuft schief? Was gefällt nicht? Wo kann die Zusammenarbeit verbessert werden? Worum geht es den Fans überhaupt? Welche Wünsche haben die Fans im immer kommerzieller werdenden Showgeschäft Fußball? Das wären zumindest einige Fragen, mit denen ein Dialog beginnen könnte. Doch die Herren sitzen auf einem derart hohen Ross, das 200 Meter überm Boden schwebt - und damit über der Realität. Das ist ganz nach dem Motto: Wer die Macht hat, muss nicht fragen, der kann handeln. Obwohl das nicht das Ansinnen einer Demokratie ist.

Also wird es Strafen über Strafen hageln, verbunden mit einer letzten Frage von TAG24: Welche Strafe hat eigentlich jemals etwas gebracht, außer den Verband bereichert? Keine! Daher müssen andere Lösungen her.


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