DFB-Boss: Pfiffe gegen Gündogan und Özil haben tiefere Ursachen

Watutinki/Moskau - DFB-Präsident Reinhard Grindel war sich auf der Pressekonferenz sicher, dass das Foto von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor allem wegen der aktuellen gesellschaftspolitischen Lage Thema ist.

Mesut Özil (Zweiter von links) und Ilkay Gündogan (Zweiter von rechts) sind weiterhin Streitthema.
Mesut Özil (Zweiter von links) und Ilkay Gündogan (Zweiter von rechts) sind weiterhin Streitthema.  © DPA

Wie hätte besseres Krisenmanagement denn aussehen sollen, fragte Grindel rhetorisch in die Runde. Die Verantwortlichen seien alle Möglichkeiten durchgegangen und hätten sich aus guten Gründen für die aktuelle Situation entschieden.

Er hätte in den Zeitungen zwar viel von schlechtem Krisenmanagement gelesen, aber nirgendwo einen Hinweis gefunden, wie es denn besser hätte aussehen können.

Der DFB-Vorsitzende ist sich sicher, dass die Pfiffe andere Ursachen haben müssten, denn Ilkay Gündogan habe mehrfach Stellung bezogen und sich geäußert und sei dennoch ausgebuht worden.

Deshalb schloss Grindel daraus: "Ich sage ihnen, da muss es etwas geben, das wesentlich tiefer liegt, was die Ursachen betrifft."

Nach der Willkommenskultur 2014 habe sich die Stimmung nach dem Flüchtlingsströmen zumindest teilweise gewandelt: "Die Menschen sehen Probleme und sie erwarten deshalb Klarheit", hielt Grindel fest.

Auch im Bekenntnis zu "unseren Werten" und "unserem Land." Dafür stehe der DFB und die Mannschaft. Da hätte man eine ganz klare Position bezogen, stellte Grindel klar und führte weiter aus: "Ich will betonen, dass wir es hier mit einem gesamtgesellschaftlichen Problem zu tun haben."

Man solle zusammenhalten. Das sei die "richtige Antwort", beendete der DFB-Präsident seine Ausführungen.

Laut DFB-Präsident Reinhard Grindel wurden 79.000 WM-Tickets nach Deutschland verkauft.
Laut DFB-Präsident Reinhard Grindel wurden 79.000 WM-Tickets nach Deutschland verkauft.

Pfiffe würden die Mannschaft nicht weiterbringen, schloss auch Löw, der zum Spiel gegen Saudi-Arabien anmerkte: "Der Ilkay hat auch jeder gesehen, war nach dem Spiel geknickt. Man musste ihn aufrichten", verdeutlichte Löw die schwierige Situation.

"Ich habe mit den Spielern mehrmals gesprochen." In der Öffentlichkeit sei alles darüber gesagt. Beide Spieler hätten unter dieser Situation gelitten. "Meine Aufgabe ist, mit diesen beiden Spielern so zu arbeiten, dass sie in den Flow kommen und dass sie unserer Mannschaft helfen", merkte Löw an.

Der Bundestrainer wurde wie viele andere völlig vom Rauswurf des spanischen Trainers Julen Lopetegui überrascht: "Es kam für mich völlig unerwartet. Dass es so eine Entscheidung gibt, zwei Tage vor dem Spiel der Mannschaft, ist ein Hammer. Da gibt es auch unnötige Unruhe innerhalb des Verbandes und innerhalb der Mannschaft."

Löw äußerte sich auch zu RB Leipzigs Stürmer Timo Werner: "Ich sehe ihn gut, gefährlich und schnell. Er hat immer überzeugt. Ich erhoffe mir von ihm ein gutes Turnier. Er ist ein Spieler, der besondere Fähigkeiten hat und ist für unser Spiel durch seine Schnelligkeit und seine Laufwege sehr, sehr wertvoll."

Der 22-Jährige dürfte seinen Stammplatz im Sturm damit vorerst sicher haben. Mario Gómez wird sich wohl hinten anstellen müssen.

Bei Boateng sieht es ebenfalls gut aus: "Der Jérôme hat unglaublich hart an seiner Fitness gearbeitet. Er ist sehr, sehr präsent und hat eine sehr gute Verfassung. Von seiner Verletzung ist nichts zu spüren. Er ist ein Pfeiler und ein Leader in unserer Mannschaft", schloss Löw.


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