Zimmi und Häfner: Abschied von einem Freund

Gert "Zimmi" Zimmermann im Gespräch mit seinem Freund Reinhard Häfner.
Gert "Zimmi" Zimmermann im Gespräch mit seinem Freund Reinhard Häfner.  © Lutz Hentschel

Kommentar von Gert "Zimmi" Zimmermann

Der Tod von Reinhard Häfner ging an allen, die ihn kannten, nicht spurlos vorüber. Einige meinten: „Der sah doch so gut aus!“ Die ahnten zwar sein Schicksal, kannten es aber nicht wirklich.

Ich habe Jahrzehnte mit ihm Freud‘ und Leid erlebt und geteilt. Reinhard Häfner wurde zu einem meiner besten Freunde.

Wir haben uns lange und oft gestritten. Ich denke da an eine lange Nacht Mitte der Achtziger nach dem Polterabend von Dirk Losert in meinem Wartburg am Nürnberger Ei. Der Dynamo-Regisseur gab mir die Order: „Dynamo Dresden wird hierzulande immer die Nummer eins sein, auch wenn wir ab und zu mal schwächeln. Merk dir das für alle Zeiten!“ Das hatte gesessen.

Auf meinen Freund konnte ich immer zählen. Mit ihm begann meine Laufbahn als Journalist. Ein Exklusiv-Interview nach seinem 3:1-Tor in Montreal war der erste Artikel in der „Union“. Häfner fuhr direkt am Montag nach Olympia mit seiner Familie in den Urlaub und nahm sich trotzdem während des Mittagessens Zeit - nur für mich.

Zimmi hat seinem Freund Häfner einiges zu verdanken.
Zimmi hat seinem Freund Häfner einiges zu verdanken.  © Picture Point/S. Sonntag

Auch bei meiner Disko-Einstufung 1978 spielte er eine Hauptrolle.

Er ließ sich - jetzt kann man‘s ja verraten - beim FDGB-Pokal-Spiel an einem Mittwoch gegen FSV Lok Dresden von Walter Fritzsch auswechseln, damit er pünktlich 19.30 Uhr auf der Bühne im Tanzcafé „Am Zwinger“ stehen konnte.

Dort plauderten wir über die Schwarz-Gelben und das beeindruckte die Einstufungs-Kommission nachhaltig. Ich bekam als Schallplatten-Unterhalter auf Anhieb die Oberstufe. Aber irgendwann konnte ich ihm auch etwas zurückgeben.

Am 13. August 1988 organisierte ich zusammen mit dem späteren Dynamo-Präsidenten Wolf-Rüdiger Ziegenbalg das erste Abschiedsspiel überhaupt in der DDR für einen Kicker. Prominente aus Funk und Fernsehen waren am Ball.

Bei der 35-Jahr-Feier der SGD hatten wir zu später Stunde an der Bar einen führenden Funktionär des DDR-Fußball-Verbandes überzeugt. Der setzte dann sogar Häfners Heimatverein Rot-Weiß Erfurt zur Saison-Eröffnung im Rudolf-Harbig-Stadion an. 25.000 feierten davor euphorisch den Abschied ihrer legendären Nummer 6.

Von da an war ich Stadionsprecher und ich konnte so auch dem Dynamo-Trainer Häfner noch einmal helfen. Dynamo lag im entscheidenden Meisterschafts-Spiel im Mai 1990 gegen Lok Leipzig 0:1 zurück. Die Halbzeit-Ergebnisse kannte nur der Stadionsprecher über die Stand-Leitung des DDR-Rundfunks.

Dynamo musste zu Hause gewinnen, um Meister zu werden. Ein Unentschieden hätte gereicht, wenn auch die Partie in Chemnitz gegen Magdeburg remis ausgegangen wäre. Dort stand es 0:0, aber ich verkündete ein 2:0 der Chemnitzer. Häfner setzte auf totale Offensive, brachte Stürmer Sven Ratke für einen Verteidiger - Dynamo gewann 3:1 und den Titel. Ohne meine Ergebnis-Mogelei wäre es vielleicht anders gekommen.

In Reinhard Häfners letztem Kampf konnte ich ihm leider nicht mehr helfen.