Als die RB-Fans Kutschke beleidigten, drehte der Dynamo-Star auf

Hier zieht Stefan Kutschke zum 2:2-Ausgleich ab. Kurz zuvor beschimpften ihn die RB-Fans. 
Hier zieht Stefan Kutschke zum 2:2-Ausgleich ab. Kurz zuvor beschimpften ihn die RB-Fans.   © Lutz Hentschel

Dresden - Es war ein ohrenbetäubender Lärm, den die ganz in Gelb getauchten Dynamo-Fans am Sonnabend beim DFB-Pokalkracher gegen RB Leipzig (7:6 nach Elfmeterschießen) erzeugten. 

Und dennoch waren die Sprechchöre in der 77. Minute aus dem Gästeblock nicht zu überhören. "Kutschke, Du Arschloch", sangen die Anhänger des Vereins, für den der 27-Jährige zwischen 2010 und 2013 in 86 Partien 27 Tore schoss und 17 Vorlagen gab.

Und der den Klub vor allem 2013 in den beiden Aufstiegsrelegationsspielen mit einem Tor im Hinspiel gegen Lotte (2:0) und im Rückspiel mit dem 2:2-Ausgleich in der 110. Minute in die dritte Liga schoss, und damit ein Stück den Weg für die heutige Bundesliga-Zugehörigkeit des Brauseklubs ebnete. 

"Natürlich habe ich das mitbekommen. Es gab auch schon vor dem Spiel einige Nachrichten auf der Fanseite aus Leipziger Richtung", meinte Kutschke nach dem Spiel über die Rufe aus dem RB-Block. 

Der 27-Jährige zeigte nach beiden Toren: Das ist mein Verein, hier komme ich her und hier gehöre ich hin. 
Der 27-Jährige zeigte nach beiden Toren: Das ist mein Verein, hier komme ich her und hier gehöre ich hin. 

Auf dem Platz gab er die beste Antwort, die man nur geben konnte: Wenige Sekunden nach den Sprechchören schoss er das 2:2 und brachte Dynamo damit endgültig zurück ins Spiel. 

Aufgebracht haben könnte die Leipziger Fans, dass Kutschke nach seinem Tor zum 1:2 per Elfmeter demonstrativ vor die Kurve der Gäste lief und aufs Dynamo-Logo zeigte. Auch die Szene, in der Kutschke Diego Demme nach einem Zweikampf (vor dem 1:2) auf den Finger trat, sorgte für Aufregung. Aufgeregt hatten den Dresdner selbst offenbar die angesprochenen Meldungen zu seiner Person von Leipziger Seite vor der Partie. 

"Damals haben beide Seiten von der Zusammenarbeit profitiert, da gehört sich sowas nicht. Ex-Spieler, die in einem gewissen Maße etwas geleistet haben, sollte man schon mit Respekt behandeln", kommentierte er die Aktion seiner ehemaligen Anhänger. 

Doch die Rufe konnten Kutschke Gefühle nach diesem Pokalnachmittag nicht trüben. "Wir sind mit großer Mentalität, die vielleicht heute die Qualität geschlagen hat, zurückgekommen. Ich wusste zwei Tage vor dem Spiel, dass ich anfangen darf. Dann steigt die Vorfreude, Du hast so einige Szenarien im Kopf. Aber so, wie es heute abgelaufen ist, das war nicht dabei. Es freut mich umso mehr", sagte der Dresdner.

Kutschke zeigte unheimlichen Einsatz, absolvierte ein schier unglaubliches Laufpensum und blieb beim Elfmeter zum 1:2 und dem Ausgleich völlig cool. Zurecht wurde er vom DFB zum "Man of the match" gekürt. 

Hoffentlich muss Dynamo das aber nicht teuer bezahlen, denn der Stürmer zog sich eine Innenband-Dehnung im rechten Knie zu und musste deshalb in der 87. Minute vom Platz. Er signalisierte dem Trainer, dass es nicht mehr weiter geht. 

Stefan Kutschke war wohl einer der glücklichsten Menschen im Stadion. 
Stefan Kutschke war wohl einer der glücklichsten Menschen im Stadion.   © Dehli-News

Doch er hatte seinen riesigen Beitrag längst geleistet. Das Zittern auf der Bank war nicht minder anstrengend. 

"Die Verlängerung und das Elfmeterschießen können so lang sein. Man fiebert mit und guckt den Leuten auf der Tribüne ins Gesicht, wie sie dafür leben. Ein tolles Gefühl. Dass die Mannschaft dem Druck so standgehalten hat, Riesenkompliment", erklärte der Stürmer lange nach dem Spiel in der Mixed Zone. 

Seiner Meinung nach schauten am Sonnabend nicht nur die eigenen Fans auf ihr Team, sondern viele Menschen in Deutschland, die Mannschaft habe auch für die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle und alle im Verein beteiligten Personen gespielt. 

Allerdings musste er den Fans einen kleinen Dämpfer verpassen. "Sie haben gesagt, sie feiern bis Weihnachten, aber so viel Zeit wird leider nicht sein. Es gibt Auftrieb, einen Pluspunkt in der Moral, wie man wiederkommen kann und das kann für uns entscheidend sein. Dieser Sieg war extrem wichtig", weiß er. 

Feiern ging er dann aber trotzdem. "Wir werden uns zu einem Mannschaftsabend finden und unsere Neuen auf dem Stadtfest einweihen", blickte Kutschke für die Nacht voraus. 

Dass in der Liga bislang Pascal Testroet den Vorzug erhalten hat, dafür hat Kutschke absolutes Verständnis. "Er hatte eine Riesenanteil am Aufstieg und damit einen Bonus. Wenn man die Rollen tauschen würde, würde ich mir das auch wünschen. Von daher ist alles gut", erklärt der 27-Jährige. 

Seine Leistung am Sonnabend hat auf jeden Fall gezeigt, dass auf den Dresdner Verlass ist, wenn er gebraucht wird. Und das wird in dieser Saison sicher noch einige Male der Fall sein. 


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