So emotional ist Dynamos Aufstiegsfilm

Uwe Neuhaus mit Frau Britta und den beiden Hunden in der Dresdner Heide. Mit diesen Bildern startet der Film. 
Uwe Neuhaus mit Frau Britta und den beiden Hunden in der Dresdner Heide. Mit diesen Bildern startet der Film.  © Steffen Kuttner

Dresden – Der Saal wird abgedunkelt, die Mannschaft, das Trainerteam und geladene Gäste schauen gespannt auf die riesige Kinoleinwand.

Aufstiegsheld Michael Hefele grüßt aus seinem Garten in England, in dem er sich ein kleines Dynamo-Museum geschaffen hat. Leider kann er bei der Vorpremiere nicht dabei sein. Dafür sitzen mit Justin Eilers, Janis Blaswich und Robert Andrich ehemalige Spieler im Rund, die den Verein verlassen haben.

Die folgenden 125 Minuten wurde gestern bei der Vorpremiere im Rundkino gestaunt, herzlich gelacht und auch heimlich eine Träne verdrückt. Mit „Das ist unser Leben. Wir. Dynamo Dresden“ ist den Initiatoren Steffen Kuttner, Henry Buschmann und Jan Franke nach dem Film zum Karriereende von Cristian Fiel schon das zweite Meisterstück gelungen.

Der Streifen nimmt den Zuseher mit auf eine emotionale Reise, auf der jede nur denkbare Emotion mindestens ein Mal bedient wird. Nach mehr als zwei Stunden ist man mindestens genauso erschöpft wie nach einem Pokalspiel mit Verlängerung und anschießendem Elfmeterschießen.

Denn den Machern ist es gelungen, die komplette Saison dank sorgsam ausgewählter Szenen noch einmal revue passieren zu lassen. Jeder Fan wird seine ganz persönlichen Höhepunkte vor dem inneren Auge erneut ablaufen lassen. Ergänzt durch nie dagewesene tiefe Einblicke in das Innenleben der Mannschaft, in die Kabine und auch in das Privatleben von Trainer Uwe Neuhaus.

Giuliano Modica macht sich im Hotelzimmer fertig, kämmt seinen Bart und hört spanische Musik für die gute Laune. 
Giuliano Modica macht sich im Hotelzimmer fertig, kämmt seinen Bart und hört spanische Musik für die gute Laune.  © Steffen Kuttner

So beginnt die Dokumentation mit einem Ausflug des Erfolgsschmiedes gemeinsam mit Frau Britta und den beiden Hunden Kenzo und Patch in der Dresdner Heide. Solche stillen Momente werden immer wieder durch laute, emotionale Passagen unterbrochen. Der Film hat keinen Hintergrundsprecher, das ermöglicht dem Zuseher ein noch intensiveres, noch emotionaleres Erlebnis.

Dafür werden im Hintergrund immer wieder Stimmen von Spielern, Ralf Minge, Radiokommentatoren oder auch Ex-Dynamo Ansgar Brinkmann eingespielt, der sich nach dem 3:0-Sieg am 2. März 2016 beim VfL Osnabrück sicher ist: „Die Jungs gehen durch. Und womit? Mit Recht!“

Einen Monat später steht Uwe Neuhaus im Besprechungsraum eines Hotels in Cottbus. Er schaut den Spielern beim Hineingehen ganz genau ins Gesicht und macht sie anschließend heiß: „Denen steht das Wasser bis zum Hals. Da wird heute gerannt und gepflastert. Bisschen schnicki, schnacki – vergesst es, streicht es aus euren Köpfen. Es ist ein Endspiel. Es kann ein genialer Schritt werden. Wenn wir heute einfahren, werden die nächsten leichter“, beschwört Neuhaus. Dynamo gewinnt dank der Tore von Eilers und Testroet mit 2:0 und marschiert weiter unaufhaltsam in Richtung zweite Liga.

Auf dem Weg dahin werden auch unschöne Szenen gezeigt, wie der Ausraster von Aias Aosman im Heimspiel gegen Holstein Kiel und der anschließenden Kabinenpredigt an ihn von Neuhaus. Oder die Szenen vor dem Stadion in Magdeburg beim Aufstiegsspiel.

Die Köpfe hinter dem Filmprojekt: Jan Franke, Steffen Kuttner und Henry Buschmann (v.l.n.r.). 
Die Köpfe hinter dem Filmprojekt: Jan Franke, Steffen Kuttner und Henry Buschmann (v.l.n.r.).  © Steffen Kuttner

Einen imposanten Einblick liefert die Dokumentation der Herstellung der größten Blockfahne Europas, die in zwei Jahren Arbeit hergestellt wurde. „Capo“ Stefan Lehmann kommt zu Wort: „Wir hatten einen Geistesgestörten und dann noch einen. In seiner Bude konnte man nicht mehr treten vor Stoff, die Schrankwand hat man nicht mehr gesehen“, erklärt er liebevoll und fügt mit Blick auf seine SGD an: „Hier ist ein ständiges Wechselspiel zwischen Genie und Wahnsinn. Wir haben zwei Seiten der Medaille. Eine, die glänzt utopisch hell und die andere ist pechschwarz.“

Und dann ist da noch Ralf Minge. Alle, die im Film zu Wort kommen, machen klar, welch einen großen Anteil der Sportchef an dem Erfolg hat und wie er tickt. „Es ist schön zu sehen, dass in so einem Geschäft, das mit viel geld, Macht und Gier bestimmt wird, auch noch Menschlichkeit zu sehen ist und das rechne ich ihm hoch an“, sagt Kapitän Marco Hartmann. Auch Eilers, Hefele, Testroet und Lehman beschreiben ihn als Mentor, Vorbild, einen außergewöhnlichen Menschen.

Am Ende weint Michael Hefele bei seinem Abschied bittere Tränen in seiner Küche, zuvor sieht man einige mal Ansprachen in der Kabine, in der es auch mal knallte. Der Film schließt mit Ralf Minge und seinem kleinen Enkel beim Fußballspielen und findet damit ein tolles Ende. 

125 Minuten, die ein Muss für jeden Fan sind. Für die Vorstellung am Sonntagabend (20 Uhr) sind noch Restkarten vorhanden, zur familienfreundlichen Kinozeit am Samstagmittag (12 Uhr) gibt es ebenfalls noch Tickets, online oder direkt an der Kasse im Rundkino Dresden (Kartenpreis 10 Euro).

Hier wird die größte Blockfahne Europas aus einem Wohnhaus in Dresden herabgelassen. 
Hier wird die größte Blockfahne Europas aus einem Wohnhaus in Dresden herabgelassen.  © Steffen Kuttner
Der Saal war zur nicht öffentlichen Premiere am Freitagabend richtig gut gefüllt. 
Der Saal war zur nicht öffentlichen Premiere am Freitagabend richtig gut gefüllt.  © Thomas Türpe
Filmemacher Steffen Kuttner. 
Filmemacher Steffen Kuttner.  © Thomas Türpe
Pascal Testroet kam mit seiner Frau Michelle. 
Pascal Testroet kam mit seiner Frau Michelle.  © Thomas Türpe

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