Für Dynamos Dixie Dörner ist klare Distanzierung von Ultras wichtig

Hans-Jürgen "Dixie" Dörner (66) schaut noch einmal genau auf die vergangene Saison.
Hans-Jürgen "Dixie" Dörner (66) schaut noch einmal genau auf die vergangene Saison.

Dresden - 66 Jahre ist Dynamo-Idol Hans-Jürgen Dörner mittlerweile, aber als Aufsichtsratsmitglied nach wie vor nah dran am Geschehen.

TAG24 sprach mit „Dixie“ über die beendete Saison, Aussichten für die neue und die Probleme mit den Ultras.

TAG24: Als Aufsteiger Platz fünf - hätten Sie das für möglich gehalten?

Dörner: „Nein. Wohl niemand in Dresden hat erwartet, dass die Mannschaft so souverän durch die 2. Liga zieht - trotz der zuvor überragenden Saison in Liga 3.“

TAG24: Was waren die Haupttrümpfe und -tugenden der Mannschaft?

Dörner: „Der Zusammenhalt und die Eingespieltheit waren eine gute Ausgangsposition für den Erfolg. Dazu kamen ein sehr solides Abwehrverhalten und vorn mit Stefan Kutschke ein torgefährlicher Mann, der die herausgespielten Chancen genutzt hat.“

Die tolle Entwicklung von Niklas Hauptmann war für „Dixie“ die größte 
Überraschung der Saison.
Die tolle Entwicklung von Niklas Hauptmann war für „Dixie“ die größte Überraschung der Saison.

TAG24: Wer hat Sie am meisten überrascht?

Dörner: „Niklas Hauptmann, von dem ich nach der Vorbereitung im Sommer nicht erwartet hatte, dass er so mithalten, sich sogar festsetzen, die Mannschaft mit prägen kann. Akaki Gogia hat bis zu seiner Verletzung überragend gespielt, auch Kapitän Marco Hartmann war stark. Gleiches trifft in der Abwehr auf Florian Ballas und Philip Heise zu, die ihre Positionen sehr gut ausgefüllt haben.“

TAG24: Von wem hatten Sie mehr erwartet?

Dörner: „Das ist nach so einer Saison der Mannschaft immer schwer zu sagen. Aber bei Marvin Stefaniak hatte ich den Eindruck, dass er nach dem feststehenden Wechsel zum VfL Wolfsburg ein kleines Tief hatte. Klar, er ist noch jung, aber insgesamt hätte von ihm mehr kommen müssen.“

TAG24: Ein Wort zu Trainer Uwe Neuhaus.

Dörner: „Er hat tolle Arbeit geleistet, die Mannschaft auf einzelnen Positionen gut verstärkt, seine Führungsqualitäten unterstrichen. Er passt zu Dynamo.“

Von Marvin Stefaniak (l.) hatte Dörner insgesamt mehr erwartet.
Von Marvin Stefaniak (l.) hatte Dörner insgesamt mehr erwartet.  © Lutz Hentschel

TAG24: Mit Stefaniak und Gogia kehren zwei wichtige Stützen Dynamo den Rücken. Sind beide adäquat zu ersetzen

Dörner: „Im Fußball ist jeder zu ersetzen. Natürlich ist es ein Verlust, aber ich glaube, dass die Mannschaft in der Lage ist, den zu kompensieren.“

TAG24: Trauen Sie Dynamo zu, das Ergebnis im zweiten Jahr 2. Liga noch zu toppen und um den Aufstieg mitzuspielen?

Dörner: „Die Euphorie in Dresden ist natürlich groß. Man muss sehen, welches Team Trainer Neuhaus letztlich zusammenstellt. Wichtig wäre wieder ein guter Start, um sich sofort Selbstvertrauen zu holen. Wenn das alles passt, kann Dynamo wieder im oberen Drittel mitspielen.“

TAG24: Der Verein hat aber auch für negative Schlagzeilen gesorgt. Wie ist Ihre Meinung zu Auftritten der Ultras wie in Karlsruhe?

Dörner: „Es tut dem Verein grundsätzlich nicht gut, wirft landesweit wieder ein schlechtes Licht auf Dresden. Schade, denn zuletzt hatte sich das Ganze stabilisiert, war Dynamo auf einem guten Weg. Aber das ist kein rein Dresdner Problem. Solche Gruppen gibt es in ganz Deutschland - und die tun dem Fußball und den echten Fans nicht gut.“

TAG24: Vom Verein kam erst spät ein Statement, die Mannschaft ist vor den Ultras im Stechschritt aufmarschiert, hat salutiert. Hätte man sich nicht an Ort und Stelle klar und deutlich von den Vorfällen distanzieren müssen?

Dörner: „Ja, das wäre richtig und wichtig gewesen. Ich glaube zwar, dass sich weder die Verantwortlichen noch die Spieler unmittelbar nach der Partie der Tragweite des Ganzen bewusst gewesen sind, dennoch muss man darauf achten, wie man reagiert.“

TAG24: Was muss passieren, um die ganze Problematik, die ja nicht nur ein Dresdner Problem ist, in den Griff zu bekommen?

Dörner: „Die Vereine selbst sind machtlos. Hier ist die Politik gefordert. Aber die ist sich selbst nicht einig, wie es gehen könnte. Die Unzufriedenheit in Deutschland ist riesengroß und einige leben die im Fußball aus. Es geht nur, wenn Politik und Vereine zusammenarbeiten, an einem Strang ziehen. Ständige Bestrafungen sind keine Lösung.“

Aktionen, die kein Mensch braucht! Die „Army Dynamo“ im „Camouflage“-Look sorgte in 
Karlsruhe für mächtige Randale.
Aktionen, die kein Mensch braucht! Die „Army Dynamo“ im „Camouflage“-Look sorgte in Karlsruhe für mächtige Randale.

WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0