Saudi-Prinz lockt Dynamo-Kapitän Hartmann in den Mittleren Osten

Die enttäuschende Niederlage vom Sonntag müssen die Spieler erst einmal wegstecken.
Die enttäuschende Niederlage vom Sonntag müssen die Spieler erst einmal wegstecken.  © Lutz Hentschel

Dresden - Auswerten, abhaken, Wunden lecken - nach dem bitteren 1:2 gegen Hannover trifft das bei Dynamo vor allem auf den Kapitän zu.

Marco Hartmann ging mal wieder sichtlich lädiert aus einem Spiel. Nach einem Eckball in der ersten Halbzeit rasselten der 1,90-m-Mann und der 96-Hüne Salif Sané mit den Köpfen zusammen. Bei „Harti“, der schon zuletzt bei St. Pauli eine Platzwunde davontrug, lief sofort das Blut - klassischer Cut über der linken Augenbraue.

Der 28-Jährige ließ sich behandeln und einen „Turban“ verpassen. Mittlerweile so etwas wie sein Markenzeichen. Am Ende schmerzte die Niederlage aber mehr als die Verletzung.

„Wir werden uns in den Arsch beißen, weil wir die Dinger nicht gemacht haben“, meinte er angesichts vieler vergebener Chancen und der bevorstehenden Videoanalyse.

Hartmann, der wieder einmal bis zum Umfallen kämpfte, war indirekt an allen drei Toren beteiligt.

Nach einem fiesen Zusammenstoß mit Salif Sané lief der Kapitän die restliche Zeit mit bandagiertem Kopf rum.
Nach einem fiesen Zusammenstoß mit Salif Sané lief der Kapitän die restliche Zeit mit bandagiertem Kopf rum.  © Lutz Hentschel

Vor dem 0:1 hatte er zunächst zur Ecke gerettet, um danach das entscheidende Kopfball-Duell mit - natürlich - Sané zu verlieren.

Den Ausgleich durch Stefan Kutschke leitete Hartmann dann mit einem „tödlichen“ Pass in die Tiefe auf Pascal Testroet vor. Anschließend gab der Kapitän das Kommando zum Angriff. „Lass uns nach vorne spielen, lass uns versuchen zu gewinnen“, habe er zu Giuliano Modica gesagt.

Im Nachhinein wohl die falsche Entscheidung, weil Dynamo beim 1:2 dann hinten zu offen war. „Mir ist es lieber, wir versuchen, mutig zu sein. Wir sind nicht in der Situation, uns einmauern zu müssen“, meinte der „Sechser“.

Recht hat er: Dieser Mut wurde in dieser Saison schließlich schon mehrmals belohnt, auch wenn Trainer Uwe Neuhaus von „Lehrgeld“ sprach, das seine Mannschaft gegen die cleveren Hannoveraner bezahlt hätte.

Beim SemperOpernball kam es zum Treffen von Hartmann, seiner Freundin und dem Prinzen.
Beim SemperOpernball kam es zum Treffen von Hartmann, seiner Freundin und dem Prinzen.

Apropos Geld: Obwohl Hartmann lukrative Angebote aus dem Ausland, unter anderem aus England, vorlagen, entschied er sich für die Schwarz-Gelben und verlängerte seinen Vertrag bis 2020.

„Natürlich ist auch die finanzielle Seite als Fußballer wichtig, aber ist es allein das, was einen am Ende glücklich macht?“, begründet er im Stadionmagazin seine Entscheidung. Dem „Kreisel“ verriet er übrigens auch von einem nicht alltäglichen Angebot, das er beim SemperOpernball, zu dem er mit seiner schwangeren Freundin Jule eingeladen war, bekam.

„Beim Essen saß ich dem saudi-arabischen Prinzen Salman al Saud direkt auf einem Meter gegenüber. Wir haben uns die ganze Zeit angeschaut und ich habe krampfhaft überlegt, wie man eine königliche Hoheit anspricht.“ Schließlich sei man auf Englisch doch in eine lockere Unterhaltung gekommen, auch wenn der Prinz kein Fußball-Experte sei.

„Am Ende des Gesprächs hat er mich dann noch gefragt, ob ich gern im Mittleren Osten meine Karriere fortsetzen möchte. Ich habe dann kurz meine Freundin angeschaut und danach dankend abgelehnt. Unsere gemeinsame Zukunftsplanung sieht dann doch etwas anders aus.“

Lukrativ wäre ein Job bei den Scheichs allemal. Die Saudis nehmen mit ihrem Öl schließlich eine schlappe Milliarde Euro ein - und zwar täglich. Aber Geld ist ja nicht alles...


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