Nach Randale in Karlsruhe: Innenminister fordert Knast für Dynamo-Fans

Im Militär-Look und grün vernebelt trat der Dresdner Anhang in Karlsruhe in Erscheinung.
Im Militär-Look und grün vernebelt trat der Dresdner Anhang in Karlsruhe in Erscheinung.

Dresden/Karlsruhe - Diese Zweitliga-Saison hätte für Dynamo so positiv enden können. Doch die eigenen Problem-Fans, die eigenen Mitglieder (!) haben ihrem Verein mit dem martialischen Auftritt und den Randalen in Karlsruhe einmal mehr einen deutschlandweiten Imageschaden beschert.

Und es könnte noch schlimmer kommen. Etwa 2000 in Militär-Outfits hatten vor, während und nach der Partie im Wildparkstadion nicht nur für Stimmung, sondern vor allem für neuerliche Ausschreitungen gesorgt.

15 Polizeibeamte und 21 Ordner wurden verletzt, Imbiss-Stände geplündert. Zudem hatten die Dresdner Fans auf einem riesigen Plakat dem DFB den Krieg erklärt. Fraglich, wer da am Ende auf der Strecke bleibt.

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes leitete am Montag jedenfalls ein Ermittlungsverfahren gegen die SGD ein und reagierte in ungewohnter Schärfe auf die Krawalle und das bisherige Krisenmanagement des Vereins.

Stecken eigentlich mitten in den Planungen für die neue Saison: Dynamos Geschäftsführer Michael Born (l.) 
und Ralf Minge.
Stecken eigentlich mitten in den Planungen für die neue Saison: Dynamos Geschäftsführer Michael Born (l.) und Ralf Minge.  © Matthias Rietschel

„Wegen der neuen Qualität der Vorfälle werden wir die Lage am kommenden Freitag im DFB-Präsidium zur Sprache bringen und dort ausführlich mit den Vertretern der Liga analysieren. Die bisherigen Reaktionen bleiben weit hinter dem zurück, was jetzt notwendig ist“, sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch in einer Stellungnahme.

Sogar Innenminister Thomas de Maiziere meldete sich zu Wort und nannte die Vorkommnisse „völlig inakzeptabel“.

Der Heilbronner Stimme sagte er: „Wer Ordner und Polizisten attackiert, ist in Wahrheit kein Fußballfan und gehört nicht ins Stadion, sondern hinter Schloss und Riegel.“

Er hoffe auf „eine schnelle und harte Reaktion der Justiz, damit alle wissen, was ihnen droht, wenn man sich so verhält. Die Täter schaden ihrem Verein und sie schaden dem gesamten Fußball.“

Auf diesem Plakat schickten die Dynamo-Fans ihre Kriegserklärung an 
den DFB.
Auf diesem Plakat schickten die Dynamo-Fans ihre Kriegserklärung an den DFB.  © Worbser/Mike Worbs

Dynamo entschuldigte sich in einer offiziellen Stellungnahme. „Jede verletzte Person beim Fußball ist eine zu viel. Die verletzten Polizeibeamten, Ordner, Mitarbeiter und Fans bitten wir im Namen des Vereins um Entschuldigung. Allen Betroffenen wünschen wir gute Besserung. Wir distanzieren uns als Verein klar von jeder Form von Gewalt und verurteilen auch Spruchbänder, die dazu aufrufen“, erklärte Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Minge.

„Die Ermittlung von Tätern und wirksame Prävention werden auch künftig im Zentrum unserer Bemühungen stehen. Die Vorkommnisse in Karlsruhe waren auf unserem Weg zweifelsohne ein Rückschlag“, meinte Michael Born, kaufmännischer Geschäftsführer der SGD.

Zuvor hatte der Klub bereits getwittert: „Gewalt, Kriegsrhetorik und Panzer auf Zaunfahnen? Die SGD ist stark und ruhmreich. Aber ganz gewiss nicht so.“

Dynamo wird sich vom Verband einige Fragen gefallen lassen müssen: Warum ist er nicht gegen seine eigenen Anhänger eingeschritten? Bereits im Vorfeld rief das Umfeld mit Camouflage-Fanpaketen zu einem „Marsch mit Überraschungen“ auf. Und warum wird der Zutritt ins Stadion nicht verhindert? Zudem werden Tickets für Auswärtsspiele ausschließlich an Vereinsmitglieder verkauft - die Namen sollten also durchaus bekannt sein. Mehr als befremdlich ist, dass somit eigene Mitglieder ihrem Verein nicht nur wissentlich, sondern vorsätzlich und bewusst schaden.

Dynamo hat als größter Verein im Osten (mehr als 20.000 Mitglieder) offenbar ein grundsätzliches Problem an der Basis. Und das schon seit Jahren.

Innenminister Thomas de Maizière (63, CDU) fordert harte Strafen für die Täter.
Innenminister Thomas de Maizière (63, CDU) fordert harte Strafen für die Täter.  © dpa/Michael Kappeler

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