Brennt bei der Eintracht zu Weihnachten nicht nur der Baum, sondern auch die Hütte(r)?

Ein Kommentar

Frankfurt am Main - Die 1:2-Niederlage beim Tabellenschlusslicht SC Paderborn war der vorläufige Tiefpunkt eines Hinrunden-Endspurts zum Vergessen für Bundesligist Eintracht Frankfurt. Die Stimmung unter dem Weihnachtsbaum wird bei den Hessen wohl alles andere als gut sein. Doch anstatt Mut zur Wahrheit zu beweisen und auch nach Außen offen von einer Krise zu sprechen, verlieren sich die Verantwortlichen in halbgaren Aussagen. Das muss sich dringend ändern!

Die Eintracht-Kicker waren nach der Niederlage beim SC Paderborn moralisch am Ende.
Die Eintracht-Kicker waren nach der Niederlage beim SC Paderborn moralisch am Ende.  © dpa/Friso Gentsch

Nach der Pleite beim SCP blieben die Adlerträger bei mageren 18 Punkten und stehen somit auf Rang 13 der Hinrunden-Tabelle. Darüber hinaus trennen das Team vom Stadtwald lediglich drei Zähler vom Relegationsplatz, den aktuell Fortuna Düsseldorf belegt.

Erneut zeigte sich die Eintracht zu ausrechenbar in der Vorwärtsbewegung, Neuzugang und Sturm-Hoffnung Bas Dost (30) blieb trotz seines Treffers nahezu blass - wie die meisten seiner Teamkollegen. Einzig Filip Kostic (27) zeigte sich einmal mehr zumindest in Normalform und sorgte für Akzente, die aufgrund der mangelnden Durchschlagskraft des restlichen Teams jedoch nur wenig einbrachten.

Und es machte den Eindruck, als ob Coach Adi Hütter (49) noch immer nach dem wahren Konzept seiner Mannschaft sucht. Sprach er zuvor noch davon, dass er keinesfalls beabsichtige auf eine Viererkette in der Defensive umzustellen, da diese so gut wie nie trainiert worden sei, präsentierte er in Paderborn eine komplett umgekrempelte Vierer-Abwehrreihe, die deutliche Probleme offenbarte.

Für mich schon nahezu fahrlässig ist obendrauf die Aussage von Sportvorstand Fredi Bobic (48), der keinesfalls eine Trainerdiskussion entfachen wolle. "Eine Trainer-Diskussion brauchen wir bei uns gar nicht erst zu beginnen", entgegnete er laut werdenden Stimmen, die bereits eine Rückkehr von Niko Kovac (48) auf die Trainerbank der SGE gefordert hatten.

Mehr Mut zur Wahrheit: Trainerdiskussion, Kader-Kritik und Co.

Laut TAG24-Reporter Angelo Cali sollte auch über Eintracht-Coach Adi Hütter diskutiert werden.
Laut TAG24-Reporter Angelo Cali sollte auch über Eintracht-Coach Adi Hütter diskutiert werden.  © dpa/Friso Gentsch

Doch einen Trainer - der im Fußball vor allem in Krisenzeiten nunmal stets als Hauptverantwortlicher gilt - so gar nicht in Frage zu stellen, ist meiner Ansicht nach grob fahrlässig.

Die Vermutung, dass Hütter die Mannschaft unter Umständen nicht mehr voll und ganz erreicht, ist nicht vollkommend abwegig. Und auch die Zahlen sprechen im Kalenderjahr 2019 in der Bundesliga nicht wirklich für erstklassige Ergebnisse. Fünf Siege, fünf Unentschieden und satte 14 Niederlagen sprechen hier eine klare Sprache. Stand jetzt sorgten offenbar lediglich die Highlights in der vergangenen Europa-League-Saison dafür, dass Hütter noch immer unangefochten zu sein scheint.

Doch neben dem Trainer sind vor allem die Spieler verantwortlich für den Abwärtstrend der Eintracht. Diese wirken verunsichert und - wie beim zwischenzeitlichen 0:2 durch Paderborns Bastian Schonlau (25) - unzufrieden miteinander. Außerdem müssen sich Bobic, Hütter und Co. wohl gefallen lassen, dass der Kader nicht adäquat zusammengestellt wurde.

Neuzugänge wie Djibril Sow (21), André Silva (23) oder Bas Dost (30) schlugen nicht so ein, wie man es sich unter Umständen erwartete. Aber auch qualitativ finden sich nur wenige neue Mannschafts-Bestandteile, die die schwerwiegenden Abgänge hätten kompensieren oder gar vergessen machen können. Neuzugänge im Winter - wenn auch (noch) nicht auf der Trainerbank - sind meines Erachtens unumgänglich, wenn auch nur schwer zu realisieren.

Mein Fazit: Die Eintracht MUSS sich in der kurzen Winterpause intensiv sammeln, Spieler und Verantwortliche sollten sich im Idealfall gegenseitig die Köpfe gerade rücken und sich - auch nach Außen hin - bewusster machen, das in Frankfurt nach der Europa-Euphorie der triste und anstrengende Abstiegskampf-Alltag in vollem Gange ist.

TAG24-Reporter Angelo Cali beschäftigt sich intensiv mit der Frankfurter Eintracht.
TAG24-Reporter Angelo Cali beschäftigt sich intensiv mit der Frankfurter Eintracht.  © TAG24/Angelo Cali

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