Nach 0:4-Pleite: Aue-Fans beleidigen Spieler!

Als sich die Spieler von Fans verabschiedeten, wurden sie übelst beleidigt.
Als sich die Spieler von Fans verabschiedeten, wurden sie übelst beleidigt.

Von Thomas Nahrendorf

Aue - Das Schweigen von der Weser: Wenn fast alle Spieler sofort in der Kabine verschwinden, dann ist etwas passiert. Und in der Tat: Das 0:4 bei Werder Bremen II. war kein Ergebnis, über das irgendein Auer nach Außen hin diskutieren wollte. Vielleicht auch besser so, so verbrannte sich keiner die Zunge.

Trainer Pavel Dotchev versuchte, die Niederlage an den gut spielenden Bremern festzumachen, lobte sie, erkannte aber auch eins: „Die Jungs von Bremen waren cleverer als wir.“ Eine „U23“-Truppe spielte abgezockter als die Auer - allein das spricht Bände.

Sportdirektor Steffen Ziffert schlich nach dem Abpfiff nachdenklich über den Rasen, rang lange nach Worten. Ihm missfielen gleich zwei Dinge: Die Leistung der eigenen Mannschaft und das verbale Ausrasten einiger mitgereister Fans nach Spielschluss.

Martin Männel musste in Bremen vier Mal hinter sich greifen.
Martin Männel musste in Bremen vier Mal hinter sich greifen.

"Das Spiel musst du in zwei Hälften teilen. Die erste hatten wir im Griff, hatten unsere Möglichkeiten. Aber wir haben es wieder nicht fertiggebracht, diese zu nutzen. Die Bremer wussten gar nicht, warum sie führen. Die zweite ging an Werder, da kamen wir nicht mehr rein in die Partie“, formulierte er es noch höflich.

Aue kam nur nicht mehr rein, es war gar nicht mehr da: „Das 0:4 war auch in der Höhe verdient. Die Mannschaft hat einen richtig auf den Sack bekommen. Das muss man so hinnehmen.“

Die Entgleisungen einiger Fans wollte Ziffert nicht hinnehmen, da stellte er sich schützend vor die Spieler: „Das sage ich ganz klar: Die Fans haben das Recht, ihre Meinung zu sagen. Aber wenn die Jungs zu ihnen hingehen und nach der ersten hohen Niederlage in der Saison dort aufs Gröbste beleidigt werden, finde ich das nicht in Ordnung. Das darf nicht sein.“

Dort am Zaun sind Worte gefallen, die schon nicht mal mehr was mit Fäkalien- oder Gossensprache zu tun hatten, druckreif waren sie gleich gar nicht. Es war die bitterste Note „eines völlig gebrauchten Tages“, wie Ziffert sagte.

Männel stand den Auer Anhängern nach dem Spiel ehrlich Rede und Antwort.
Männel stand den Auer Anhängern nach dem Spiel ehrlich Rede und Antwort.

Aue entwickelt sich zurück!

Ein Kommentar von Thomas Nahrendorf

Mit den Worten "passiert mal" kann Aue das 0:4 in Bremen nicht abtun. Das Desaster muss aufgearbeitet werden - mit klaren und drastischen Worten.

So darf sich eine Auer Mannschaft nie wieder präsentieren. Sie hat alles vermissen lassen, was ein Team ausmacht. Und dabei rede ich nicht von einem Spitzenteam, sondern einfach nur von einem Team.

Konnte in den vergangenen Wochen zumindest die doch stattliche Punktausbeute viele Kritikpunkte überspielen, so müssen die jetzt auf den Tisch. Die Abwehr erwischte erstmals einen schwachen Tag - geschenkt. Aber im Mittelfeld und im Sturm hapert es seit langem.

Wenn es schon nicht rund läuft, so muss wenigstens gekämpft werden. Davon war in Bremen nichts zu sehen.

Fakt ist: Aue entwickelt sich seit Wochen nicht mehr. Das ist aber nicht mal Stillstand. Das ist ein Bob-Beamon-Sprung zurück. Das ist die falsche Richtung.

Am Dienstag schon kann sich Aue im Pokal gegen Frankfurt rehabilitieren. Da erwartet keiner etwas. Aber dafür sind zwei Dinge notwendig: Kampf und Wille. Liebe Kicker, zeigt das wieder mal.

Fotos: Picture Point/S. Sonntag


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