Heftige Worte von Dutt und Meyer: "Den Trainerberuf brauchst Du nicht mehr!"

Aue - Markus Anfang musste am Sonnabend nach dem 1:2 der Kölner gegen Darmstadt als 14. Trainer in dieser einen Zweitliga-Saison gehen. Als souveräner Spitzenreiter! Ein wahnsinniger, ein trauriger Wert. Auf der Pressekonferenz nach der Partie zwischen Aue und Bochum (3:2) fragte TAG24 beide Trainer, ob solch ein Fakt für sie als Übungsleiter überhaupt noch zu akzeptieren ist. VfL-Coach Robin Dutt, einst DFB-Sportdirektor, und Daniel Meyer gaben erstaunliche Statements ab, die verdammt tief blicken lassen. Hier sind sie im Wortlaut.

Shake hands zwischen zwei Trainern, an denen die Entlassungswelle vorübergegangen ist: Bochums Robin Dutt (l.) und Aues Daniel Meyer.
Shake hands zwischen zwei Trainern, an denen die Entlassungswelle vorübergegangen ist: Bochums Robin Dutt (l.) und Aues Daniel Meyer.  © dpa/Sebastian Kahnert

Daniel Meyer

"Ich finde, dass das Gegenbeispiel Heidenheim zeigt, dass Kontinuität und gemeinsames Wachsen irgendwann Früchte trägt. Das war ja letztes Jahr so, dass man auch mal gemeinsam durch eine schwere Phase gehen musste.

Es war für Heidenheim im Vorjahr lange kompliziert und eng, trotzdem gab es nie eine Diskussion. Dieses Vorgehen, wenn man grundsätzlich von der Arbeit überzeugt ist und man da einfach weiß, dass es immer wieder schwierige Phasen geben wird, das ist beispielhaft. Garantie für Ergebnisse gibt es nie. Wenn man sich bewusst für einen Trainer entscheidet, man guckt, ob er zum Klub passt und zur Mannschaft, dann muss man einfach auch gemeinsam schwierige Phasen miteinander durchleben.

Dieses Jahr ist völliger Wahnsinn. Es ist ja ganz selten, dass ich mit demselben Kollegen aus der Hinrunde auf dem Podium sitze. Das ist schon brutal. Da war die 1. Liga deutlich entspannter gewesen. Ich hoffe, dass es kein Trend wird, sondern man sich besinnt. Wir haben einige Vereine in der Liga, die zwei- oder dreimal gewechselt haben, ohne dass es eine brutal andere Entwicklung gab wie vorher.

Da müssen sich andere Leute mal fragen, wie so etwas zustande kommen kann."

Robin Dutt.
Robin Dutt.  © picture point/Sven Sonntag

Robin Dutt

"Uns bleibt nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren. Aber das hat mit Fußball nichts mehr zu tun. Da geht's aber nicht darum, Kritik zu üben in der Einzelentscheidung, ob Köln mit Anfang oder Hamburg oder oder.

Jede einzelne mag begründet sein. Ich bin jetzt gerade einmal 16 Monate da. Es gibt bloß drei Trainer, die länger da sind in der 2. Liga als ich. Die verstehen den Trainerberuf nicht mehr. Da brauchst du in Zukunft auch keinen Trainer mehr. Da machst du eine Aufstellung, wenn du gewinnst, ist es gut, wenn du verlierst, macht ein anderer die Aufstellung. Trainingsarbeit geht über zwei, drei Jahre. 17-jährige Spieler zu entwickeln wie jetzt bei uns, sie einzubauen, wie Bella Kotchap oder Kokovas.

Taktiken einzustudieren, auch mal Korrekturen vorzunehmen. Das ist eine langfristige Ausbildungsarbeit, auch mit älteren Spielern, ein Team zu formen, Teamgeist zu formen. Aber diese Fußballbranche versteht nicht mehr, was Trainer sein bedeutet. Uns braucht man im Prinzip nicht mehr. Das Geld können sie sich sparen. Für was gibst du so viel Geld aus?

Du tauschst eh ständig aus. Das kostet nur Abfindungen. Den Trainerberuf, Stand jetzt, brauchst du nicht mehr."

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