Vorm Pokal-Hit: Maulkorb für die Veilchen verhängt!

Nach der 0:4-Klatsche in Bremen musste sich Torwart Martin Männel einiges von den Fans anhören.
Nach der 0:4-Klatsche in Bremen musste sich Torwart Martin Männel einiges von den Fans anhören.

Von Thomas Nahrendorf

Aue - Schweigen ist Silber, Leistung zeigen ist Gold: Die Mannschaft hat sich einen Maulkorb auferlegt, will bis Freitag nicht mit den Medien reden. Sie ist mit der Kritik der letzten Wochen nicht einverstanden.

Liebevoll formuliert: Sie will sich vor dem heutigen Pokalknaller gegen Frankfurt voll aufs Spiel konzentrieren. „Maulkorb würde ich das nicht nennen. Ich glaube, die Mannschaft will sich einfach nur in Ruhe auf die Partien gegen Frankfurt und Wiesbaden vorbereiten, alles andere ausblenden“, sagt Sportdirektor Steffen Ziffert (51) dazu.

Trotzdem ist es auch eine Reaktion auf die Berichterstattung nach dem 0:4 in Bremen. Jetzt will und soll die Mannschaft Trotz zeigen, dem heute schier übermächtigen Gegner aus Frankfurt ab 19 Uhr die Stirn bieten.

In Bremen erklärte Männel die Niederlage noch. Nun gilt wegen der Unzufriedenheit mit der kritischen Berichterstattung eine Woche Redeverbot.
In Bremen erklärte Männel die Niederlage noch. Nun gilt wegen der Unzufriedenheit mit der kritischen Berichterstattung eine Woche Redeverbot.

„Mir kommt es darauf an, wie sich die Mannschaft präsentiert, mir geht es um die Art und Weise. Es geht um Leistung, die will ich sehen. Das ist mir wichtig.

Ein Ergebnis kann ich jetzt nicht vorhersagen, aber das Team will ein Zeichen setzen“, so Trainer Pavel Dotchev (50) kämpferisch.

Er würde sich wünschen, wenn die Partie zu einem Wendepunkt in der Saison, in der derzeit ersten kleinen Krise wird. „Wir wollen jetzt einen Neuanfang machen.“ Dafür ist Voraussetzung, dass seine Truppe mit Messern zwischen den Zähnen aufläuft und alles raushaut. Die Chancen auf ein Weiterkommen seiner Mannschaft sieht Dotchev bei 20 Prozent.

„Wir haben nur dann eine Möglichkeit, wenn wir versuchen mitzuspielen. Wir dürfen nicht zu passiv sein und nur reagieren, dann ist es eine Frage der Zeit, wann wir das Gegentor bekommen. Wir wollen frech spielen, wir wollen nach vorne spielen, wollen attackieren, schnell umschalten“, sagt Dotchev zu seinem Matchplan.

„Bei uns muss alles funktionieren. Alles. Dafür muss jeder an seine Grenzen gehen.“ Personell hat der Coach alle Mann an Bord, er hat die Qual der Wahl.

Einen Wechsel deutete er an: Sebastian Hertner (24) wird für Julian Riedel (24) in die Viererkette rutschen.

Ein Appell an Spieler und Fans

Ein Kommentar von Thomas Nahrendorf

Die Auer Spieler haben sich also einen Maulkorb verpasst, wollen eine Woche lang nicht mit der Presse reden. Was zunächst nach Kindergarten große Gruppe klingt, könnte sich positiv auf die sportliche Leistung auswirken.

Die Jungs haben Wut auf die Medien. Ich gehe davon aus, dass sie die heute auf dem Platz rauslassen, ganz nach dem Motto: „Euch zeigen wir es, ihr kritisiert uns zu unrecht.“ Wenn es so kommt, super! Was anderes bleibt den Spielern auch nicht übrig. Kämpfen, kratzen, beißen, allen Frust in dieses Spiel werfen. Ich bin überzeugt, legt Aue die alten Tugenden an den Tag, gelingt die Sensation.

Die Mannschaft will es auch den eigenen Fans zeigen. Einige holten nach dem 0:4 in Bremen brachial die verbale Keule raus. Die Anhänger haben das Recht dazu, ihre Meinung zu sagen. Aber ganz ehrlich: Die Worte, die in Bremen gefallen sind, gehörten nicht der guten Kinderstube an. Die waren genauso peinlich wie manche Kommentare in Aue-Foren- oder auf Facebook-Seiten. Das war tiefstes Gossenniveau.

Heute heißt es, Frieden zu schließen. Es geht gegen Frankfurt nur gemeinsam. Team und Fans müssen eine Einheit sein. Der Funke muss vom Rasen auf die Ränge überspringen. Die Fans müssen anfeuern, lautstark singen, aber nicht beleidigen.

Fotos: Picture Point/Sven Sonntag


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