Um 17.36 Uhr blieb die Uhr stehen! HSV steigt in die 2. Bundesliga ab

Hamburg - Der HSV ist trotz einer starken Leistung und eines euphorischen Publikums erstmals aus der 1. Bundesliga abgestiegen, weil der VfL Wolfsburg seine Hausaufgaben machte und den Tabellenletzten 1. FC Köln mit 4:1 besiegte.

Einer von vielen Rückschlägen für den HSV: der 1:1-Ausgleich durch den früheren Hamburger Spieler Josip Drmic für Borussia Mönchengladbach.
Einer von vielen Rückschlägen für den HSV: der 1:1-Ausgleich durch den früheren Hamburger Spieler Josip Drmic für Borussia Mönchengladbach.  © DPA

Kurz vor dem Spielende rasteten die Fans komplett aus und warfen Rauchbomben aufs Spielfeld. Dennoch war es um 17.36 Uhr so weit: Die legendäre Bundesliga-Uhr beim HSV blieb nach 54 Jahren stehen.

Der HSV hat am 34. Spieltag der 1. Bundesliga mit 2:1 (1:1) gegen Borussia Mönchengladbach im ausverkauften Volksparkstadion vor 57.000 Zuschauern gewonnen. Für den HSV trafen Aaron Hunt (11. Minute) und Lewis Holtby (63.), für Mönchengladbach Josip Drmic (28.).

Die Atmosphäre vor dem Spiel erzeugte Gänsehaut. Die Fans standen wie eine Wand hinter ihrem Team und peitschten ihre Elf auch während der Partie nach vorne.

Der erste Aufreger war gleich ein großer: Holtbys Schuss wurde von Gladbachs Denis Zakaria klar mit dem ausgestreckten Arm geblockt. Es gab wilde Proteste der HSV-Akteure. Schiedsrichter Felix Brych hielt Rücksprache mit dem Videoassistenten aus Köln, schaute sich die Szene in der Review-Area nochmal an - und entschied auf Elfmeter für den HSV!

Aaron Hunt übernahm die Verantwortung - und traf mit einem wuchtigen Schuss zum 1:0 (10.)!

Die Führung für den HSV: Aaron Hunt erzielt das 1:0 per Elfmeter!
Die Führung für den HSV: Aaron Hunt erzielt das 1:0 per Elfmeter!  © DPA

Die Elf von Trainer Christian Titz HSV blieb weiter aggressiv, zweikampfstark und demonstrierte spielerische Klasse.

Bis die erste Dummheit für einen Dämpfer sorgte. Nach einer Schwalbe von Kostic ließ sich der HSV auskontern. Ein simpler Doppelpass nahe der Mittellinie zwischen Thorgan Hazard und Josip Drmic reichte, damit der frühere Hamburger Stürmer frei durchlaufen-, einen Haken um Hunt machen- und den Ball überlegt unter die Latte zum 1:1 einschießen konnte (28.)!

Der HSV spielte nach diesem Schock unbeirrt weiter nach vorne. Douglas Santos bediente Kostic, der auf Bobby Wood zurücklegte, doch der Mittelstürmer schoss den Ball aus sieben Metern knapp neben das Tor (39.).

Da nun auch Gladbach aufgewacht war und mitspielte, entwickelte sich ab Mitte der ersten Halbzeit eine rassige, hochspannende und emotional aufwühlende Begegnung.

Der Bundesliga-Dino startete schwungvoll in die zweite Halbzeit und belagerte das Gladbacher Tor.

Tatsuya Ito tankte sich mit einem seiner Tempodribblings durch und zog ab. Der Ball wurde von Matthias Ginter abgefälscht, Sommer lenkte die Kunstlederkugel mit einem Weltklassereflex aber über die Latte (48.)!

HSV-Mittelstürmer Bobby Wood im Zweikampf mit Gladbachs Innenverteidiger Matthias Ginter.
HSV-Mittelstürmer Bobby Wood im Zweikampf mit Gladbachs Innenverteidiger Matthias Ginter.  © DPA

Der Schweizer Nationaltorwart parierte auch den Schuss von Matti Steinmann (55.), fuhr die Pranke bei Kostics Knaller aus Nahdistanz aus (58.), wehrte dessen Flatterball aus 28 Metern ab und rettete gegen den eingewechselten Bakery Jatta (85.).

Auf der anderen Seite rettete HSV-Kapitän Gotoku Sakai das Remis und wehrte den Schuss von Oscar Wendt auf der Linie mit dem angelegten Arm ab. Brych entschied in Rücksprache mit dem Videoschiedsrichter auf Ecke - und nicht auf Elfmeter (61.)!

Als Ito mit einem scharfen Rückpass Holtby bediente und der wuchtig und platziert aus zwölf Metern in die lange Ecke schoss, war auch Sommer machtlos - 2:1 für den HSV (63.)!

Kurz darauf gab es die zweite Dummheit: der bereits Geld-verwarnte Wood trat Kramer auf den Fuß und kassierte in der 70. Minute die Gelb-Rote Karte - ein Bärendienst für seine Teamkollegen!

Die zogen sich nun weiter zurück und verteidigten den knappen Vorsprung, um sich mit einem Sieg würdig aus der 1. Bundesliga zu verabschieden.

Der HSV konnte die Fehler aus den letzten Jahren am letzten Spieltag der Saison 2017/18 nicht mehr korrigieren und muss den erstmaligen, bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten. Die Leistungen in der Ära von Christian Titz machen trotz allem Mut für die Zukunft.

Der Empfang vor dem Spiel: Tausende HSV-Fans machten der Mannschaft Mut!
Der Empfang vor dem Spiel: Tausende HSV-Fans machten der Mannschaft Mut!  © DPA
Die Atmosphäre im Volksparkstadion war grandios!
Die Atmosphäre im Volksparkstadion war grandios!  © DPA

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