Lok gegen Chemie Leipzig: Wasserwerfer und Chaos im Stadtderby

Ein Wasserwerfer fuhr zu Beginn der zweiten Halbzeit zum Lok-Block, das Spiel wurde unterbrochen.
Ein Wasserwerfer fuhr zu Beginn der zweiten Halbzeit zum Lok-Block, das Spiel wurde unterbrochen.  © Picture Point

Leipzig - Nach dem Spiel wird (wieder einmal) mehr über das Fehlverhalten der Fans gesprochen, als über das prestigeträchtige und traditionsreiche Leipziger Stadtderby. Sportlich gab es keinen Sieger, der Fußball hat am Buß- und Bettag verloren.

"Wer hergekommen ist, wollte einen Leckerbissen sehen, doch den gab's nicht", resümierte Lok-Coach Heiko Scholz das Spiel.

0:0 trennten sich Lok Leipzig und die BSG Chemie nach sage und schreibe 17 Minuten Nachspielzeit (TAG24 berichtete). Die kamen nach mehrfachen Böllerwürfen und Bengalo-Zündeln und den daraus resultierenden Unterbrechungen zustande (TAG24 berichtete).

Das Sportliche geriet tatsächlich recht schnell ins Hintertreffen. Nach den besten Chancen des Spiels, die sich lediglich über die ersten zehn Minuten erstreckten, beherrschten Fehlpässe, ruppige Zweikämpfe und Provokationen das Geschehen auf dem Platz.

Dass die favorisierten Probstheidaer, die in der Tabelle elf Punkte und auch elf Plätze vor den Leutzschern stehen, keinen konstanten Angriffsfußball abliefern konnten, wusste Scholz zu begründen: "Wir sind halt nicht Cottbus oder der BFC", sagte der 51-Jährige über den Erst- und Zweitplatzierten der Regionalliga Nordost.

Auch die Spieler (hier Loks Djamal Ziane) bereinigten den Rasen von der Pyrotechnik.
Auch die Spieler (hier Loks Djamal Ziane) bereinigten den Rasen von der Pyrotechnik.  © Picture Point

Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit erhellten erst Bengalos den BSG-Block, in dem währenddessen wohl auch Lok-Schals verbrannt wurden.

Dies erzürnte die blau-gelben Herzen im mit 6381 Zuschauern gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Bruno-Plache-Stadion so stark, dass die Lok-Anhänger Leuchtraketen in Richtung des Rivalen warfen.

Als dann auch die angerückten Polizeikräfte beworfen wurden, fuhren zwei Wasserwerfer zum Lok-Block und eine Hundestaffel betrat das Feld. Schiedsrichter Henry Müller aus Cottbus schickte die Teams in die Kabinen, um die Gemüter abzukühlen.

"Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn Spiele durch Krawall und Gewalt unterbrochen werden müssen", sagte Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz, der auch vor Ort war, im MDR. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel sagte Chemies Trainer Dietmar Demuth: "Man darf diesen Vollpfosten keine Plattform bieten."

Der war drauf und dran, die Pressekonferenz zu verlassen, nachdem ihm ein Lok-Anhänger sein Bier von wenigen Metern Entfernung ins Gesicht schüttete - ein Eklat! (TAG24 berichtete). Doch die anderen Fans ermutigten den Gästetrainer, doch zu bleiben - mit Erfolg.

Über den Bierwerfer sagte Heiko Scholz: "Ich kenne ihn, der ist eigentlich ein ruhiger Patron. Aber ich muss mich dafür natürlich bei Dietmar entschuldigen", so der Lok-Trainer. Der BSG-Bus, der bei der Anreise fälschlicherweise auf die falsche Seite des Stadions geleitet wurde, wurde bei der Abreise durch Lok-Anhänger mit Pyrotechnik angegriffen. Er blieb aber unversehrt und konnte seine Fahrt fortsetzen, teilte die Polizei Leipzig mit.

Nach dem hitzigen Stadtderby heißt es nun für beide Teams: Briefkasten checken. Dort wird wohl demnächst Post vom Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) landen. Mit Strafen für beide Seiten.

Unfreiwillige Bierdusche: BSG-Trainer Dietmar Demuth (re.) sitzt nach dem Becherwurf mit nassen Klamotten in der Pressekonferenz.
Unfreiwillige Bierdusche: BSG-Trainer Dietmar Demuth (re.) sitzt nach dem Becherwurf mit nassen Klamotten in der Pressekonferenz.  © Nico Zeißler
Sportlich lief nicht viel: Viele harte Fouls, viele Fehlpässe, viele Diskussionen.
Sportlich lief nicht viel: Viele harte Fouls, viele Fehlpässe, viele Diskussionen.  © Picture Point

Titelfoto: Picture Point


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