Minge und Leonhardt: Das große Doppelinterview vorm Derby

Besuchen auch gerne zusammen ein Fußballspiel, wie hier im Juli diePartie zwischen dem Chemnitzer FC und dem FSV Zwickau: Aues PräsidentHelge Leonhardt (l.) und Dynamo-Sportdirektor Ralf Minge.
Besuchen auch gerne zusammen ein Fußballspiel, wie hier im Juli diePartie zwischen dem Chemnitzer FC und dem FSV Zwickau: Aues PräsidentHelge Leonhardt (l.) und Dynamo-Sportdirektor Ralf Minge.  © Picture Point/Kerstin Kummer

Dresden/Aue - Dynamo gegen den FC Erzgebirge: Das ist auch seit Jahren das Duell zweier dicker Freunde auf Funktionärsebene. Dynamo-Sportdirektor Ralf Minge (57) trifft auf FCE-Präsident Helge Leonhardt (59).

TAG24 hat sich im Vorfeld des Derbys am Sonntag mit zwei bestens gelaunten Protagonisten unterhalten.

TAG24: Eine Freundschaft im Profi-Fußball ist recht selten. Sie pflegen miteinander seit Jahren eine. Wie kam es dazu?

Leonhardt: "Ralf war in den 90er Jahren Cheftrainer in Aue. An seiner Verpflichtung war ich damals zusammen mit meinem Bruder Uwe und Manager Lutz Lindemann beteiligt. Seitdem verbindet uns eine Männerfreundschaft und eine Freundschaft zwischen den Familien, die ich sehr schätze, obwohl wir uns relativ selten sehen."

Minge: "Das kann ich so zurückgeben, Helge. Das hatte in Aue seinen Ursprung und ist über 20 Jahre so geblieben. Das ist selten, aber umso schöner ist das, gerade weil wir in der Liga auch Gegner sind."

TAG24: Geht das so weit, dass Sie sich auch über die Gegner austauschen bzw. sich gegenseitig helfen?

Minge: "Ja, was heißt helfen. Wir tauschen uns aus. Das finde ich auch ganz normal. Wir sind alle in der Branche gut vernetzt. Das nutzen wir auch."

Leonhardt: "Wir schätzen die Ratschläge des anderen, auf Hilfe sind wir jedoch beide nicht angewiesen."

TAG24: Was schätzen Sie an Ihrem Gegenüber und am gegnerischen Verein?

Minge: "Helge ist sehr zuverlässig, immer geradeaus, und er hat seinen ganz speziellen Humor. Vor dem FCE kann ich nur den Hut ziehen. Tradition ist das eine, aber man muss sie auch am Leben halten. Das macht Aue mit einem starken Zusammenhalt. Andere Vereine haben bessere wirtschaftliche Voraussetzungen, haben von sich aus andere Ambitionen, spielen aber tiefer."

Leonhardt: "An Ralf schätze ich seine sportliche Kompetenz und seine Loyalität. Am gegnerischen Verein wie er sich positiv entwickelt hat und den Profifußball in Sachsen erfolgreich präsentiert."

Im DDV-Stadion steigt am Sonntag das Sachsen-Derby.
Im DDV-Stadion steigt am Sonntag das Sachsen-Derby.  © Lutz Hentschel

TAG24: Wenn man den bisherigen Saisonverlauf anschaut: Beide Teams dürften sich am Sonntag auf Augenhöhe begegnen. Wie bewerten Sie die derzeitige Situation in Ihren Vereinen?

Leonhardt: "Für meinen Verein ist es wichtig, dass wir ökonomisch stabil sind, einen leistungsfähigen Profikader haben und Zusammenhalt leben. Das ist die gegenwärtige Situation, die gar nicht hoch genug zu bewerten ist und Tag für Tag neu erkämpft werden muss. Trotzdem werden wir im Vergleich immer ein Underdog sein."

Minge: "Der Sieg in Düsseldorf hat uns allen gutgetan. Das ist klar. Anfang der Saison waren wir vor Aue, haben es dann aber versäumt, die nötigen Punkte zu holen. Die Gründe sind komplex, jetzt sind wir aber wieder in der Spur."

TAG24: Ein Derby ist jeweils das Salz in der Suppe für die Teams und die Fans. Wie gehen Sie persönlich mit diesem Spiel um?

Leonhardt: "Auch wenn es nur ein Drei-Punkte-Spiel ist, ist es für mich etwas Besonderes. Ein Traditionsduell, das Geschichte und historischen Bezug hat, findet auf hohem Niveau in der 2. Bundesliga statt - und hoffentlich auch in der Zukunft."

Minge: "Da schließe ich mich Helge an. Es ist etwas Besonderes, die mediale Aufmerksamkeit ist enorm, die aktiven Fanszenen machen mobil. Man spürt das Derby schon im Vorfeld."

TAG24: Was erwarten Sie am Sonntag für eine Partie?

Minge: "Eine spannende Kiste. Aber wir brauchen nicht rumeiern. Wir sahen zuletzt daheim gegen Aue nicht gut aus. Wir sind in der Pflicht, wollen für unser Umfeld und unsere Fans den Derbysieg."

Leonhardt: "Kampf und Leidenschaft bis zum Umfallen, natürlich Fairness auf dem Platz und den Rängen. Das muss den Stolz beider Vorzeige-Ost-Vereine gegenüber anderen Profivereinen ausmachen. Uns darf man nicht losbekommen."


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