Legende Tschertschessow: "Stark, was Dynamo leistet"

57 Mal stand Stanislaw Tschertschessow im Dresdner Tor - hier 1994 im Bundesliga-Spiel gegen Kaiserslautern mit Hans-Uwe Pilz (l.) und Markus Kranz (r.).
57 Mal stand Stanislaw Tschertschessow im Dresdner Tor - hier 1994 im Bundesliga-Spiel gegen Kaiserslautern mit Hans-Uwe Pilz (l.) und Markus Kranz (r.).

Moskau - Die Dynamo-Fans haben ihn nicht vergessen, ihren "Stani", der in leider längst vergangenen Bundesliga-Zeiten 57 Mal das Dresdner Tor gehütet hat. Mittlerweile ist Stanislaw Tschertschessow 53 Jahre, hat ein paar Kilo zugelegt, einige weitere Stationen als Spieler und Trainer hinter sich und nun eine ganz große Aufgabe vor der Brust:

Nationalcoach Tschertschessow soll mit der Auswahl Russlands bei der Heim-WM im kommenden Jahr für Furore sorgen und die - geht es nach dem Willen von Staatspräsident Wladimir Putin - möglichst zum Titel führen.

Die erste große Bewährungsprobe steht jetzt an, der Confederations Cup. Am Samstagabend bestritt Russland das Eröffnungsspiel gegen Neuseeland. "Wir wollen so gut wie möglich abschneiden, würden den Pokal schon gern gewinnen", sagt Tschertschessow: "Das ist ein großes Turnier, wir werden alles geben."

Der russische Torwart coacht nun die "Sbornaja".
Der russische Torwart coacht nun die "Sbornaja".  © DPA

Der Trainer der Sbornaja sagt aber auch: "Für mich geht es mit Blick auf die WM besonders darum, ein schlagkräftiges Team aufzubauen."

Leider könne er jetzt - wie sein deutscher Kollege Joachim Löw - nicht auf seinen kompletten Kader zurückgreifen. "Einige nehmen eine Auszeit. Regeneration und Erholung müssen sein. Aber das geht ja nicht nur uns so."

Eben auch Deutschland, doch das Wort B-Elf will Tschertschessow nicht hören: „Was heißt B-Mannschaft? Jogi Löw ist dabei, also ist die Mannschaft gut. Ich bin überzeugt, dass sich Deutschland als Weltmeister stark präsentieren wird.“

Während sich hierzulande das Interesse am Confed-Cup in Grenzen hält, sei es in Russland groß. „Die Leute freuen sich auf das Turnier, auf spannende Spiele. Die Stimmung in den Stadien wird gut sein“, glaubt "Stani". Zwar habe auch er vom schleppenden Ticketabsatz gehört, misst dem aber wenig Bedeutung bei: „Der Russe kauft seine Karte nicht Monate im Voraus, sondern auf den letzten Drücker. Jede Wette: Die Stadien werden voll sein.“

Wortkarg wird Tschertschessow beim Thema Sicherheit, den russischen Hooligans, die bei der EM 2016 negativ aufgefallen waren. Ob man das jetzt und zur WM im Griff hat? "Was fragen Sie mich das? Dazu sage ich nichts. Ich bin Trainer, kein Politiker. Die müssen sich darüber Gedanken machen. Und solche Dinge mit den Hooligans gibt es nicht nur bei uns, sondern auch in anderen Ländern. Oder haben Sie in Deutschland keine Hools?"

Mit Schlips und in feinem Zwirn: Stanislaw Tschertschessow ist als Nationaltrainer jetzt auch ein Aushängeschild seines stolzen Vaterlandes.
Mit Schlips und in feinem Zwirn: Stanislaw Tschertschessow ist als Nationaltrainer jetzt auch ein Aushängeschild seines stolzen Vaterlandes.  © DPA

Apropos Deutschland: Kontakte habe er noch. "Man sieht sich ab und zu.

Zuletzt bei unserem Länderspiel in Ungarn habe ich Andreas Möller getroffen, der dort Auswahl-Co-Trainer ist. Auch mit Florian Weichert hatte ich kürzlich Kontakt. Ich verfolge die Bundesliga, schaue auch nach wie vor nach Dresden. Stark, was Dynamos Mannschaft in der 2. Liga geleistet hat."

Zu Dresden hat Tschertschessow nicht nur dank seiner zwei Jahre bei Dynamo eine besondere Beziehung. Sein Sohn Stanislaw jun. ist hier geboren. Der spielt auch Fußball, ist wie der Vater Torwart. "Mittlerweile ist er 22 und derzeit die Nummer drei bei Dinamo Moskau. Er macht sich gut", sagt "Stani" nicht ohne Stolz und erzählt auch von Tochter Madina: "Sie ist schon 25 und mit dem Schreiben der Diplomarbeit gerade in den letzten Zügen ihres Architektur-Studiums in Innsbruck."

In der österreichischen Wintersport-Metropole hat die Familie ein Haus, wenn es die Zeit erlaubt, fährt Tschertschessow hin. Auch dort nennen sie ihn liebevoll "Stani".

Klar, schließlich war der Keeper mit dem FC Tirol Innsbruck von 2000 bis 2002 dreimal in Serie österreichischer Meister.


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