Dynamo Nachwuchs-Chef Seifert: "Ich habe viele Talente sprichwörtlich sterben sehen!"

Dresden - Im Jahr 2007 beendete Ex-Bundesliga-Profi Jan Seifert bei Dynamo seine Spielerkarriere, seit 2014 ist er Leiter der Nachwuchs-Akademie und fördert bei den Schwarz-Gelben die Talente von morgen. TAG24 traf sich mit dem 49-Jährigen und zog Bilanz über die Früchte seiner Arbeit.

Vasil Kusej (r.), hier im Laufduell mit Lukas Vanek vom FK Usti nad Labem, gilt als eines der größten Talente bei Dynamo. Aber auch der Tscheche ist längst noch nicht bei den "Großen" angekommen.
Vasil Kusej (r.), hier im Laufduell mit Lukas Vanek vom FK Usti nad Labem, gilt als eines der größten Talente bei Dynamo. Aber auch der Tscheche ist längst noch nicht bei den "Großen" angekommen.  © Lutz Hentschel

TAG24: Dynamos A- und B-Jugend spielen jeweils in der Junioren-Bundesliga und haben ihre Saisons im Mittelfeld beendet. Wie stolz sind Sie darauf?

Seifert: "Das ist das Produkt der letzten drei, vier Jahre und damit ein Erfolg unserer Ausbildung. Wir haben die Bundesliga mit beiden Mannschaften souverän gehalten. Eine Entwicklung, auf die wir stolz sein können."

TAG24: Wie macht sich der Erfolg bei den jüngeren Altersklassen bemerkbar?

Seifert: "Wenn wir den jungen Kickern sagen können‚ dass sie später mal in der 'U17' und 'U19' in der Bundesliga' spielen, dann ist es einfacher, auch die Toptalente im Verein zu halten."

TAG24: Es heißt: "Vom talentierten Jugendspieler bis ins Profigeschäft ist es ein großer Sprung". Wie sehen Sie das?

Seifert: "Unsere Philosophie ist es, bis zur 'U15' den Fokus voll auf die Ausbildung jedes einzelnen Spielers zu legen. Ab der 'U16' denken wir leistungsorientiert, um die Jungs auf den Männerbereich vorzubereiten. Der erste große Schritt ist der Weg in die 'U17'. Pubertät und Wachstumsschübe spielen dort eine Rolle. Der nächste Schritt ist der in die 'U19'. Dort geht es körperlich und athletisch gefühlt schon gegen Männermannschaften.

Jan Seifert leistet als Chef der Dresdner Nachwuchsakademie gute und auch erfolgreiche Arbeit.
Jan Seifert leistet als Chef der Dresdner Nachwuchsakademie gute und auch erfolgreiche Arbeit.  © Holm Helis

TAG24: Und dann kommt der Schritt zu den "Großen" ...

Seifert: "Es stimmt, dass der Schritt in den Profibereich der größte ist. Allein der Erfolgsdruck und die Präsenz in der Öffentlichkeit sind eine Riesenumstellung. Am Ende entscheidet die Persönlichkeit des Spielers, immer 100 Prozent geben zu wollen, auch wenn das beispielsweise den Umweg über eine Leihe bedeutet. Es ist uns in den letzten Jahren gelungen, Spieler zu entwickeln, die das Potenzial für die 2. Bundesliga oder sogar für die Bundesliga besitzen. Daran müssen wir anknüpfen und uns Schritt für Schritt verbessern."

TAG24: Eines dieser Talente ist Vasil Kusej. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Seifert: „Vasil hat sich bei uns sehr gut entwickelt. Er trainiert gelegentlich bei den Profis, spielt in der tschechischen ,U18'-Nationalmannschaft und hat in den letzten drei Jahren viele Tore für uns geschossen. Es freut mich, dass er bei uns so eine Entwicklung macht. Aber ein Spieler wie er ist noch nicht oben angekommen, er muss weiter an sich arbeiten. Ich habe viele Talente sprichwörtlich sterben sehen, weil sie an ihrer Persönlichkeit gescheitert sind. Es braucht ein gutes Umfeld. Wenn man an die falschen Leute gerät, die dir Flausen in den Kopf setzen, dann bleibt viel auf der Strecke.“


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