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TAG24-Mitarbeiter erinnern sich an ihre besten Dynamo-Momente

65 Jahre Dynamo Dresden: Die besten SGD-Momente von TAG24-Reportern

65 Jahre Dynamo Dresden: TAG24-Reporter erzählen über ihre Highlights mit der SGD

Dresden - 65 Jahre Dynamo Dresden: Leidenschaft, Mut, Wut, Tränen und Glücksmomente. TAG24-Reporter berichten über ihre größten Momente mit der SGD.

Irres Spiel und große Tragödie

Von Thomas Schmitt

Mein erstes Mal mit Dynamo war ein eher unglückliches Zusammentreffen - zumindest aus Dresdner Sicht. Die Chancen auf eine eigene Kick-Karriere waren bereits ad acta gelegt, großen Fußball gab es für mich nur noch als Zuschauer im TV oder im Stadion. Vereine aus der DDR-Oberliga spielten für mich im Westen dabei kaum eine Rolle. Ausnahme Europapokal.

Dennoch war es eher Zufall, dass ich 1986 das deutsch-deutsche Viertelfinal-Match zwischen Bayer Uerdingen und Dynamo verfolgte. Uerdingen und die Grotenburg-Kampfbahn waren auch in der BRD nicht die erste Adresse.

Der Werksklub hatte das Hinspiel in Dresden 0:2 verloren, lag an jenem 19. März zur Pause mit 1:3 hinten.

Eigentlich war alles klar. Dann nahm der Wahnsinn seinen Lauf: Sechs Tore in der zweiten Halbzeit, Dynamo schied im "Wunder von der Grotenburg" mit 3:7 aus.

Das Fachmagazin "11Freunde" machte die Partie zum "größten Fußballspiel aller Zeiten" - für Dynamo war es einer der bittersten Momente.

Deutliches Plakat der Uerdinger Fans im Europapokal 1986. Mindestens ebenso deutlich endete das Rückspiel zu Ungunsten der Dresdner.
Deutliches Plakat der Uerdinger Fans im Europapokal 1986. Mindestens ebenso deutlich endete das Rückspiel zu Ungunsten der Dresdner.

Lautstark im Pokal

Von Romy Hauber

Seit fast zehn Jahren bin ich Layouterin bei der Morgenpost, mindestens genauso lange schlägt mein Herz für Schwarz-Gelb. Infiziert war ich direkt nach meinem ersten Stadionbesuch, als mich meine „dynamoverrückten“ Eltern endlich überzeugt hatten, mit ins Stadion zu kommen.

Ein ganz besonderer Dynamo-Moment war das Pokal-Auswärtsspiel (2. Runde) gegen Dortmund am 25. Oktober 2011. Es herrschte eine tolle Stimmung, natürlich geprägt durch die Gesänge der Dynamo-Anhänger.

Wir standen mittendrin in der Auswärts-Fankurve und haben kaum unser eigenes Wort verstanden. Unsere Mannschaft hat eine tolle Leistung erbracht, aber zum Sieg hat es leider nicht gereicht (Dynamo verlor 0:2). Das hat unsere Stimmung jedoch nicht getrübt, auch wenn wir zum Abpfiff mitten im Bengalorauch standen.

Es war ein super Spiel zwischen zwei Traditionsvereinen, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Zahlreiche Dynamo-Anhänger waren mit nach Dortmund gereist, sorgten für großartige Stimmung eine umstrittene Pyro-Show.
Zahlreiche Dynamo-Anhänger waren mit nach Dortmund gereist, sorgten für großartige Stimmung eine umstrittene Pyro-Show.

Wenn eine Dynamo-Choreo ganz große Oper ist

Von Heiko Nemitz

Fußball hat mich nie sonderlich interessiert. Egal, wo ich auch wohnte: Kein Verein konnte je mein Herz so erobern, dass ich mit ihm feiern oder leiden gelernt hätte - daher sieht es mit einem sportlichen Dynamo-Erlebnis bei mir eher mau aus.

Als Kultur-Redakteur führt mich mein Weg naturgemäß eher in die Semperoper als ins Stadion. Ausgerechnet dort aber, im Opernrund, fand einer jener schwarz-gelben Momente statt, der auch bei einem Fußballbanausen wie mir für Gänsehaut sorgt.

Ich meine das Fotoprojekt für die Oper "Les Huguenots/Die Hugenotten", die am 29. Juni 2019 Premiere haben wird. Für das Werbeplakat hatte man rund 1000 Dynamo-Ultras in die Semperoper gelockt, die dort für den Fotografen Andreas Mühe in voller Montur eine spezielle Choreo aufführten.

Was im K-Block eine oft raue, für Außenstehende vielleicht aggressiv anmutende Angelegenheit ist, wurde in Parkett und Rängen der Semperoper zu dem, was es auch ist: eine kreative, kraftvolle Kunstaktion. Die Plakate werden wohl erst nächstes Jahr das Stadtbild schmücken.

Schon jetzt aber vereinen sie zwei höchst unterschiedliche Facetten dieser Stadt in einem zwar unwahrscheinlichen, aber schönen und berührenden Bild. Ganz große Oper!

"Ausverkauftes" Haus: 1.200 Dynamo-Ultras in der Semperoper auf dem "Hugenotten"-Plakat.
"Ausverkauftes" Haus: 1.200 Dynamo-Ultras in der Semperoper auf dem "Hugenotten"-Plakat.

FDJ-Nachmittag geschwänzt

Von Ronny Klein

Als Stift kannte ich die glorreichen Siebziger nur aus Büchern. Denn seit ich denken konnte, hieß der Meister immer nur BFC. Doch es gab ein Spieljahr, das ich nie vergessen werde. Vor allem waren es die berauschenden Nächte im Uefa-Cup 1988/89.

Aberdeen, Waregem, Rom, Bukarest, Stuttgart. Und ich war dabei! Auswärts nur vor dem Fernsehgerät. Ich musste sogar den FDJ-Nachmittag schwänzen, um den glorreichen Sieg im Olympiastadion von Rom zu bestaunen. Anpfiff war nämlich 13 Uhr.

Ansonsten habe ich auf den Traversen gejubelt. Mein armer Onkel musste sich stundenlang für die Karten anstellen. Auch beim legendären ersten Halbfinale, das Dynamo in einem internationalen Wettbewerb erreichte. 100 .000 Ticketanfragen aus der ganzen Republik sollen angeblich vorgelegen haben.

Ich träumte von einem Finale mit Neapel und Maradona oder den Bayern und "Kobra" Wegmann. Denn eigentlich hatten meine Dynamos mit dem VfB das leichteste Los gezogen. Was hätte ich dafür gegeben, als Fan in Stuttgart dabei zu sein … Ein (Kn)Allgöwer ließ den Traum vom Endspiel platzen.

Eingeprägt hat sich diese Saison aber auch, weil Dresden endlich wieder den Titel holte. Tschüss BFC! Kirsten, Sammer, Minge, Stübner, Gütschow. Noch heute Danke dafür!

Im Europapokal erlebte die SGD unvergessliche Momente, bis der Verein gegen Roter Stern Belgrad ausschied und für europäische Wettbewerbe gesperrt wurde.
Im Europapokal erlebte die SGD unvergessliche Momente, bis der Verein gegen Roter Stern Belgrad ausschied und für europäische Wettbewerbe gesperrt wurde.

Das ewige Ticket an der Pinnwand

Von Stefan Ulmen

Oft gehe ich nicht ins Stadion. Aber an einen Ticketkauf erinnere ich mich besonders. Denn es gibt Eintrittskarten, die verschwinden nie von der Pinnwand. Bei mir ist das ein Ticket vom Dynamo-Geisterspiel am 11. März 2012 gegen den FC Ingolstadt.

Wer erinnert sich nicht? Es war das höchst umstrittene DFB-Strafurteil nach den Ausschreitungen während des Zweitrunden-Pokalspiels bei Borussia Dortmund am 25. Oktober 2011.

Die Emotionen kochten hoch, der Soli-Ticketverkauf ging ebenso steil - 41 .738 waren es am Ende. Drinnen im Stadion dann: null Zuschauer, null Tore, null Stimmung. Ich fuhr mit der Linie 13 zur Torwirtschaft und feierte draußen mit den Tausenden Fans zu Musik von "Ghostbusters".

Wieder mal ein einmaliges Erlebnis, Fußballgeschichte. Sowas geht nur bei Dynamo.

Draußen vor dem Stadiontor, Tausende Dynamofans während des Geisterspiels gegen den FC Ingolstadt.
Draußen vor dem Stadiontor, Tausende Dynamofans während des Geisterspiels gegen den FC Ingolstadt.

5 Minuten, die alles bedeuteten

Von Martin Gaitzsch

Ich bin wirklich oft im Stadion, immer im K-Block. An ein Spiel erinnere ich mich besonders gern: Vor der Saison 2008/2009 wurden zwei Drittliga-Staffeln zu einer zusammengelegt. Für die Vereine bedeutete das entweder die erfolgreiche Qualifikation oder den Absturz in die Viertklassigkeit.

Zehn Spieltage vor Saisonende kamen 7 600 Zuschauer ins Stadion - einer davon war ich. Ein Sieg gegen Tabellennachbar Kickers Emden war Pflicht. Aber die Gäste gingen in Führung. Unruhe machte sich breit - auch bei uns im K-Block. Als die letzten fünf Minuten anbrachen, rechnete kaum jemand noch mit einer Wende.

Dann wurde es dramatisch! Eine Ablage in den Rückraum fand Ulich, der den Ball in Minute 87 trocken per Flachschuss versenkte. Sofort waren wir da und trieben das Team nach vorn. Zwei Minuten später: Nach einem Freistoß von der rechten Seite flog die Kugel zum 1,72 Meter kleinen Marek Penksa, der den Ball unbedrängt ins Tor köpfte. Das Rudolf-Harbig-Stadion wurde zum Tollhaus. Der Publikumsliebling mit der Rückennummer 99 rannte jubelnd zur Eckfahne, wurde dort unter einer Traube seiner Teamkollegen begraben.

2:1! Die Schwarz-Gelben hatten die Partie gedreht, jubelten am Ende über drei Punkte und zum Saisonabschluss über die Teilnahme an der eingleisigen 3. Liga.

Marek Penksa jubelt über sein Last-Minute-Tor gegen Emden. Die Fans standen damals genau wie der Publikumsliebling Kopf.
Marek Penksa jubelt über sein Last-Minute-Tor gegen Emden. Die Fans standen damals genau wie der Publikumsliebling Kopf.

Dynamo Dresden am Arsch!

Von Marcel Domke

Ich bin Cottbuser und entsprechend auch Energie-Fan, seit ich denken kann. Für meinen Job bei der Morgenpost zog ich vor zwei Jahren nach Dresden. Entsprechend komme ich auch immer wieder in Berührung mit der SGD. Für einen Energie-Fan schon eine Herausforderung.

Das fing spätestens an, als ich meine Freundin hier kennenlernte. Denn sie steht tatsächlich schon seit Jahren im K-Block! Ihre Liebe zum Verein ging so weit, dass sie in der Dynamo-Kneipe jobbte und sich (lange vor mir) im Mittelkreis des Rudolf-Harbig-Stadions trauen ließ.

Dass das nicht gut gehen konnte, war also schon vorprogrammiert. Der eigentliche Schock für mich als FCE-Fan kam aber erst dann, als ich mit ihr das erste Mal im Bett gelandet bin, denn dann zeigte sich ihre wahre Liebe zur SGD: Sie ließ sich das Wappen des Vereins als Tattoo stechen - direkt überm Po. Interessante Aussichten! Die hielten mich übrigens nicht davon ab, mit ihr Nachwuchs zu zeugen.

Wir warten minütlich auf die Geburt. Sollte die Kleine tatsächlich heute, am 12. April, kommen, also zum großen SGD-Geburtstag, wittere ich eine Verschwörung gegen mich!

Mickael Poté schirmt den Ball vor den Cottbusern Marc-André Kruska (rechts) und Alexander Bitroff (hinten) ab. Die Schwarz-Gelben und Energie Cottbus lieferten sich oft verbissene Duelle.
Mickael Poté schirmt den Ball vor den Cottbusern Marc-André Kruska (rechts) und Alexander Bitroff (hinten) ab. Die Schwarz-Gelben und Energie Cottbus lieferten sich oft verbissene Duelle.

Die glühende Jahreskarte

Von Simone Burig

Seit zweieinhalb Jahren gehöre ich zum MOPO-Team. Mein Herz schlägt für die bunten Show-Geschichten auf den letzten Seiten - Musik, Film, Royals, beruflich fließt in meinen Adern blaues Blut. Doch privat ist es schwarz-gelb. Alle zwei Wochen glüht die Jahreskarte und die Stimmbänder werden geölt.

Kein Wunder, dass auch mein Sohn die SGD in sich trägt. Ein wenig zumindest! Er hat am selben Tag Geburtstag wie Cristian Fiél (38), absoluter Sympathieträger und Junioren-Trainer im Verein. Und mein Kleiner heißt auch Christian, wenn auch nicht mit Rufnamen. Aber immerhin! Und ich versichere hoch und heilig: alles Zufall! Dass mein Sohn seit dem Tag seiner Geburt SGD-Mitglied ist, ist dagegen kein Zufall, sondern ein Geschenk der Dynamo-verliebten Verwandtschaft.

Schwarz-Gelb die Choreos der Fans. Diese Farben tragen viele Fans auch im Herzen.
Schwarz-Gelb die Choreos der Fans. Diese Farben tragen viele Fans auch im Herzen.

Als ich "Otto den Großen" vor Gericht weinen sah

Von Gerhard Jakob

Gleich vorweg: Fußball interessiert mich nicht die Bohne. Trotzdem hatte auch ich mein großes "Dynamo-Erlebnis". Das liegt nun mehr als 22 Jahre zurück: Der Prozess gegen Rolf-Jürgen Otto (†75), den schillerndsten Präsidenten, den die Schwarz-Gelben je hatten.

Was war das für ein Typ! Neureicher Kneipier und insolvenzerfahrener "Baulöwe" mit Leidenschaft für den Fußball, so war er Anfang der 90er aus Frankfurt/Main in Dresden aufgekreuzt. Schnell drehte er das große Rad: Erst Schatzmeister des Vereins, dann Chefposten. Er zog als FDP-Stadtrat ins Rathaus, pflegte Verbindungen in die höchste (sächsische) Politik.

Das Geld schien bei ihm nur zu sprudeln. Bis zum 2. August 1995. An dem Tag wurde Otto in seiner Dresdner Hotelsuite in Schlappen und Bademantel verhaftet. Vorwurf: Untreue und Betrug in Millionenhöhe.

Als Otto nach 7 Monaten U-Haft vors Chemnitzer Schwurgericht geführt wurde, sah ich einen gebrochenen Mann. Der einstige 116-Kilo-Hüne hatte 21 Kilo verloren, faltiger Hals, dunkle Ringe unter den Augen. Dann legte die Staatsanwältin los: Von seiner Meißner Baufirma hatte Otto Millionen abgeschöpft - und dann mit vollen Händen ausgegeben: Reisen, Feste, Frauen, edle Uhren, aber auch 10. 000 Mark für die Multiple-Sklerose-Stiftung der damaligen "Landesmutter" Ingrid Biedenkopf.

Drei Stunden hielt der einstige "Otto der Große" durch - dann brach er zusammen. Unter Tränen räumte er alles ein: "Ich habe den Überblick über geschäftliche und private Ausgaben verloren." Das Urteil: Drei Jahre Haft. Damals witzelten wir bei der Berichterstattung: "Die fetten Jahre sind vorbei". Doch irgendwie tat mir der so tief Gefallene auch leid. Nach seiner Entlassung lebte Otto krank und zurückgezogen in seiner hessischen Heimat. Dort starb er vor zwei Jahren.

Rolf-Jürgen Otto, der einst mächtige Dynamo-Präsident.
Rolf-Jürgen Otto, der einst mächtige Dynamo-Präsident.

Fotos: Petra Hornig, Lutz Hentschel, Frank Dehlis, DPA, Lars-Eric Schuldt

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