Jetzt gehen Aue-Fans auf Präsident Leonhardt los

"Vorstand! Folgt nach euch die Sintflut?"
"Vorstand! Folgt nach euch die Sintflut?"

Aue - Letzter in der 2. Liga, noch kein neuer Trainer und jetzt noch ein Nebenkriegsschauplatz, der in der jetzigen Situation wenig förderlich für den FC Erzgebirge sein dürfte. Aue zerfleischt sich selbst. In der Nacht zum Montag wurde ganz Aue zugepflastert mit Plakaten gegen die Vereinsführung, besonders gegen Präsident Helge Leonhardt. Selbst Brücken wurden „verziert".

"Schweigend in die Insolvenz? Nicht mit uns!!“ hing an der Roten Kirche in Aue. "Vorstand! Folgt nach euch die Sintflut?!" stand es anderer Stelle. An einer Brücke in Richtung A72 hieß es "Leo wir danken dir - mit euch geht’s Richtung Liga 4!" Insgesamt wurden acht solcher Plakate in der Stadt gezählt.

Wer gedacht hat, der schmutzige Kampf in Aue hat mit der völlig missglückten Mitgliederversammlung im November und dem Frontalangriff auf die Leonhardt-Familie seinen Höhepunkt erreicht, der sieht sich im Moment getäuscht.

Der Verein ist in einer bedrohlichen Schieflage. Und nun mischen sich noch vereinzelte Fan-Gruppierungen ein.

Robin Lenk (neuer Auer-Coach und Schwiegersohn Leonhardts) wurde auch mit einem Spruchband bedacht.
Robin Lenk (neuer Auer-Coach und Schwiegersohn Leonhardts) wurde auch mit einem Spruchband bedacht.  © Picture Point

Diese geballte Aktion ging schon am Sonntag beim Spiel in Bielefeld los. Kann man das Banner "Robin makes Aue great again" in Anspielung auf Interims-Trainer und Leonhardts Schwiegersohn Robin Lenk noch interpretieren wie man will, so waren andere Aktionen deutlich wie grenzwertig:

Am Zaun der Gästefans hing ein T-Shirt mit den Konterfeis von Geschäftsführer Michael Voigt und Leonhardt, darunter war zu lesen „Geschäftsstellenmuschis #Korruptionsproblem" und es gab ein Banner mit dem Wortlaut: "Auer Kommando-Zentrale - keiner weiß, wo sie ist, aber jeder weiß, wo es lang geht."

Über Sinn und Unsinn einer solcher Aktion lässt sich streiten, die Wortwahl hat Geschmäckle. Es geht mal wieder unter die Gürtellinie.

Und sie wirft viele Fragen auf: Warum und vor allem warum jetzt? Der Verein steckt im Abstiegskampf, steht ohnehin schon am sportlichen Abgrund, ist diese Unruhe bewusst gesteuert? Wollen die Initiatoren nur plumpe Verleumdungen streuen?

"Schweigend in die Insolvenz? Nicht mit uns!!"
"Schweigend in die Insolvenz? Nicht mit uns!!"

Oder haben sie einfach nur Angst um den Verein?

Ist es berechtigte Kritik, auch wenn die Art und Weise fast schon diffamierend und kaum zu ertragen ist? Wie sieht es wirklich finanziell beim FCE aus?

Präsident Helge Leonhardt hat die Aktion natürlich mitbekommen. Er teilte das Brückenbanner auf Facebook und fügte einen Spruch von Hans Meyer dazu: "Im Fußball baut man dir schnell ein Denkmal, aber genauso schnell pinkelt es man an." Heißt: Nach dem Aufstieg im Mai des Vorjahres lagen ihm alle zu Füßen, jetzt wird er mit selbigen getreten.

Fest steht: Alles Übel hat eine Wurzel und diese blüht seit dem Rausschmiss von Sportdirektor Steffen Ziffert Ende Juni 2016. Seither herrschen Grabenkämpfe, die ihresgleichen suchen.

So schnell werden sich diese Gräben innerhalb des Vereins nicht zu schütten lassen. Da hilft nur eins: Die Vereinsführung muss auf die Initiatoren, die ihnen bekannt sein dürften, zu gehen und alles offen klären. In dieser Situation hilft nur Transparenz von allen Seiten.

Ein Machtkampf mit versteckten Heckenschützen ist wenig förderlich und bringt den Verein dort hin, wo ihn keiner haben will - in den Abgrund.

"Leo, wir danken dir, mit Euch geht's Richtung Liga 4!"
"Leo, wir danken dir, mit Euch geht's Richtung Liga 4!"
Aue-Präsident Helge Loenhardt war gegen Bielefeld auch im Stadion.
Aue-Präsident Helge Loenhardt war gegen Bielefeld auch im Stadion.  © Picture Point
Dieses T-Shirt gegen den FCE-Vorstand hing in Bielefeld am Gästezaun.
Dieses T-Shirt gegen den FCE-Vorstand hing in Bielefeld am Gästezaun.