"Veilchen"-Taktik bröselt nach dem Rückstand

Da war die „Veilchen“-Taktik über den Haufen geworfen: Alexander Mühling (l.) hatte Kiel mit 1:0 in Führung geschossen. Aue war auf den Knien.
Da war die „Veilchen“-Taktik über den Haufen geworfen: Alexander Mühling (l.) hatte Kiel mit 1:0 in Führung geschossen. Aue war auf den Knien.  © picture point/Sven Sonntag

Aue - Domenico Tedesco hat im März eine Spielidee eingeführt, die erfolgreich ist. Aue schaffte so sensationell den Klassenerhalt. Aber sie hat einen Makel: Sie funktioniert solange, bis der FCE in Rückstand gerät. Danach zerfällt sie. Gut zu sehen war das am Freitag beim 0:3 gegen Kiel.

Die „Veilchen“ haben unter dem jetzigen Schalke-Trainer nie verloren, wenn sie selbst in Führung gegangen sind. Umgedreht schafften sie nur beim 2:2 daheim gegen Hannover nach einem Rückstand noch zu punkten. Alle anderen Partien gingen verloren.

So war es auch jetzt unter Hannes Drews gegen Holstein Kiel. Letztmals komplett eine Partie nach einem 0:1 gedreht hat Aue noch unter Pavel Dotchev - vor knapp einem Jahr beim 2:1 in St. Pauli.

Die Tedesco-Idee ist nicht unbedingt auf Ballbesitz ausgelegt. Frühes Pressing, beginnend schon im Sturm, die bedingungslose Arbeit gegen den Ball, gepaart mit einem blitzschnellen Umkehrspiel - das zeichnet dieses Taktik aus. Der FCE schoss in der noch jungen Saison vier seiner sieben Tore nach diesem Muster. Die anderen fielen nach Standards.

Doch wehe, es ist umgedreht. Dann hat Aue große Probleme. Und das ist nicht nur beim FCE so, auch in Schalke sieht es ähnlich aus. Jetzt beim 2:1 in Bremen schaffte es S04, den Rückstand zu drehen - was aber eher den Bremern zuzurechnen war.

„Diese Statistik war mir gar nicht so bewusst“, sagt Co-Trainer Robin Lenk darauf angesprochen. Er wiederholt einen Satz, den Tedesco nach dem 2:1 der Schalker sagte: „Über aller taktischen Ausrichtung steht die Mentalität. Du musst wollen, du musst in erster Linie bereit sein, das umzusetzen und zu kämpfen. Es geht erstmal nur um den Kampf“, sagt er und fügt an: „Das haben wir gegen Kiel nicht in ausreichendem Maße getan. Wir wollten nur spielen.“

Aber warum gelingt es nur selten, einen Rückstand zu drehen? „Das hat viel mit dem Kopf zu tun. Du liegst hinten, das Selbstvertrauen ist nicht da. Plötzlich vertraust du dir nicht mehr, suchst nach Lösungen und greifst oft nach den falschen. In der Rückrunde in der letzten Saison war es noch so, dass du unter Druck standest. Das hat noch mehr verunsichert“, findet Lenk die passende Erklärung.

Bei eigener Führung geht der Kopf genau den umgekehrten Weg. In den elf Spielen der Rückrunde unter Tedesco und den vier Partien jetzt unter Lenk/Drews holte der FCE 27 Punkte: „Dann hast du etwas zu verteidigen, wirfst dich mit allem rein, was du hast. Genau diese Beißer-Mentalität ist unsere Stärke. Aber wir müssen das eben auch schaffen, wenn wir mal hinten liegen“, sagt Lenk. Morgen in Kaiserslautern hofft er natürlich, dass sein Team wieder eine Führung ins Ziel bringen kann.


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