Herr Neuhaus, braucht Dynamo jetzt einen Psychologen?

Marvin Schwäbe unterlief beim 1:1 ein schwerwiegender Patzer, er kam raus, hatte den Ball aber nicht.
Marvin Schwäbe unterlief beim 1:1 ein schwerwiegender Patzer, er kam raus, hatte den Ball aber nicht.  © Lutz Hentschel

Dresden - Siebenmal hat Dynamo in dieser Saison die Punkte in den letzten Minuten verschenkt (TAG24 berichtete). Am Montagabend war das besonders bitter, weil die Schwarz-Gelben sich damit im Abstiegskampf nicht nur selbst ins Bein schossen, sondern dem Tabellenletzten 1. FC Kaiserslautern wieder Leben einhauchten.

Bis zur 85. Minute hatte Dynamo geführt, kassierte dann noch zwei Treffer. Auch, weil das Team mal wieder - wie so oft in dieser Saison - versäumte, das 2:0 nachzulegen. Langsam aber sicher dürfte sich diese Schlussminuten-Schwäche aufs Gemüt der Spieler legen, noch dazu kommen die Mechanismen im Kopf, die greifen, wenn man mitten im Abstiegskampf steckt.

Kapitän Marco Hartmann selbst ließ das Problem in einer seiner Aussagen unbewusst anklingen. Denn auf die Frage, ob nicht alle Zuschauer schon geahnt hätten, dass es vielleicht in den letzten Minuten wieder schief gehen könnte, sagte er:

"Den Eindruck hat man selber auch. Wenn du nur 1:0 führst, ist es immer so im Fußball, in unserer Situation noch mehr, dass Du immer drüber nachdenkst und das Gefühl hast, hier kann noch was passieren."

Trainer Uwe Neuhaus lehnt Psychologen nicht grundsätzlich ab, glaubt aber, dass es momentan den Eindruck von Panik erwecken würde.
Trainer Uwe Neuhaus lehnt Psychologen nicht grundsätzlich ab, glaubt aber, dass es momentan den Eindruck von Panik erwecken würde.  © Lutz Hentschel

So deutlich hat das noch keiner aus der Mannschaft ausgesprochen, auch wenn von außen sichtbar ist, dass das Team dann doch lieber einmal mehr hintenrum spielt, als den gefährlichen Pass nach von zu wagen. "Du musst es irgendwie besiegen, du musst es schaffen, das 1:0 zu halten, oder noch mehr Power auf den Platz zu bringen und das 2:0 nachzulegen, aber das fällt uns einfach schwer", analysiert der Kapitän.

Die Frage, die sich natürlich aufdrängt: Braucht Dynamo jetzt einen Psychologen? Zuletzt hatte das Amt Ex-Profi Sascha Lense inne, der aber im Sommer 2015 bei RB Leipzig anheuerte. Seitdem ist die Stelle bei den Schwarz-Gelben unbesetzt.

"Ein Psychologe ist schon sinnvoll, er kann viele Dinge mit auf den Weg bringen, aber wenn wir es jetzt machen, sieht es nach Panik aus und ich weiß auch nicht, ob es innerhalb von ein, zwei Wochen Erfolg haben kann. Aber grundsätzlich ist es schon sinnvoll, jemanden zu haben. Ist aber nicht einfach, jemanden zu finden", meint Trainer Uwe Neuhaus.

Der Coach wollte nicht ausschließen, dass die Schwäche in den Schlussminuten ein mentales Problem ist, doch er verdeutlichte auch: "In erster Linie ist es das Zweikampfverhalten. Sicherlich spielt der Kopf eine kleine Rolle, aber der Rest liegt schon an uns", glaubt der Trainer. Man habe im Spiel gegen Kaiserslautern gesehen, dass nicht jeder vor Selbstbewusstsein strotzte, aber die Mannschaft habe ihr Konzept nicht über den Haufen geworfen, teilweise sicher und nicht fehlerhaft gespielt.

Er selbst bekam schon vor der Niederlage gegen Kaiserslautern mentale Unterstützung von Ralf Minge, der klarmachte, dass unter seiner Leitung an Uwe Neuhaus nicht zu rütteln ist, egal, auf welchem Tabellenplatz Dynamo steht. "Natürlich habe ich es zur Kenntnis genommen. Es ist mir deutlich lieber, als wenn einer sagt: 'Nächste Woche sitzt er noch auf der Bank', oder die ganzen Sprüche, die da immer noch folgen. Ich konzentriere mich aber mehr auf das, was mir weiterhelfen kann."

Und das scheint im Moment eben kein gelernter Psychologe, sondern die harte Trainingsarbeit mit dem Team auf dem Platz.


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