Dynamo zerlegt Aue und feiert ersten Sieg nach 21 Jahren im Schacht

Jannik Müller (Nummer 18) feiert seinen Treffer zum 1:0.
Jannik Müller (Nummer 18) feiert seinen Treffer zum 1:0.  © picture point/Sven Sonntag

Aue – Schwarz-Gelber Feiertag im Erzgebirge: Was viele nach einer Siegdurststrecke von 21 Jahren nicht mehr zu träumen gewagt haben, hat Dynamo am Sonntag wahr gemacht: Das Team von Trainer Uwe Neuhaus demontierte den mitten im Abstiegsstrudel steckenden FC Erzgebirge vor 10.000 Zuschauern im Erzgebirgsstadion in einer Art und Weise, dass die "Veilchen" eine Weile brauchen dürften, um sich davon zu erholen.

Mit dem klaren 4:1 (4:0)-Sieg bleibt Aue auf dem letzten Tabellenplatz hängen, Dynamo gelingt nach zwei Niederlagen der Befreiungsschlag. Bereits nach 45 Minuten plus Nachspielzeit hatte Dynamo das Spiel mit 4:0 für sich entschieden. Jannik Müller (16. Minute), Niklas Kreuzer (21.) und ein Doppelpack von Stefan Kutschke (39./45+2) sorgten für eine richtige Depression im Erzgebirge. Der verwandelte Elfmeter von Dimitrij Nazarov (60.) war da nur noch Ergebniskosmetik.

Nach zwei Pleiten auf St. Pauli und daheim gegen Hannover 96 krallten sich die Schwarz-Gelben drei Punkte und das zum ersten Mal seit dem 30. März 1996, als Dynamo das letzte Mal im "Schacht" siegte.

Niklas Kreuzer netzt zum 2:0 ein.
Niklas Kreuzer netzt zum 2:0 ein.  © picture point/Sven Sonntag

Umziehen in der Turnhalle, am Bus vorbei über die Baustelle auf den Rasen: Auf all diese Dinge schien Dynamo mental perfekt vorbereitet zu sein. Neuhaus hatte völlig zurecht mit einer offensiven Ausrichtung des Gegners gerechnet, der mit Köpke, Bunjaku und Nazarov tatsächlich die Angriffsreihe aufrüstete. Der Coach der Schwarz-Gelben setzte dem mit Andreas "Lumpi" Lambertz für Erich Berko zunächst mehr defensive Stabilität entgegen.

Doch Aue war erschreckend weit davon entfernt, ein Offensivfeuerwerk abzubrennen. Nach einer Viertelstunde Abtasten hatte Dynamo die Partie im Griff, behauptete im Mittelfeld die Bälle, schaltete blitzschnell um und war eiskalt vor dem Tor.

Die Fans trauten ihren Augen nicht, als es nach der Halbzeit mit einer 4:0-Führung in die Pause ging. Dabei war ein stark aufgelegter Kutschke an drei von vier Toren beteiligt. Vor dem 1:0 köpfte er Martin Männel an, Müller staubte ab. Die "Veilchen" erholten sich davon nicht, sie lieferten einen spielerischen Offenbarungseid ab. Mit welcher Leichtigkeit Dynamo durch das Mittelfeld spazierte, das war aus Auer Sicht mit Hinblick auf den Klassenerhalt schon sehr beängstigend.

Stefan Kutschke und Jannik Müller feiern ihre Treffer.
Stefan Kutschke und Jannik Müller feiern ihre Treffer.  © Eibner-Pressefoto

Kreuzer rundete nach Startelf-Comeback gegen Hannover, Geburtstag und Vertragsverlängerung tatsächlich seine Runde ab und netzte zum 2:0 ein.

Nach zwei Ecken von Philipp Heise und Marvin Stefaniak erhöhte Kutschke dann auf 3:0 und 4:0 per Kopf. Die schwarz-gelbe Fankurve feierte, im Auer Heimbereich pfiffen die Zuschauer, skandierten: "Wir ham die Schnauze voll" und verließen weit vor der Pause ihre Plätze.

Die zweite Hälfte begann aber gar nicht nach dem Geschmack von Neuhaus, denn nachdem Lambertz den Ball zwei, drei Mal verloren hatte und die gesamte Mannschaft nicht mehr mit der letzten Aggressivität ranging, tigerte der Coach an der Seitenlinie auf und ab und schüttelte immer wieder den Kopf. In der 57. Minute brachte er dann Berko für Lambertz.

Aue bemühte sich und zeigte nun wenigstens eine Körpersprache, Kampfgeist und ein wenig Offensivdrang. Das brachte ihnen zumindest den Elfmeter, bei dem Hartmann zwar den Ball spielte, aber Mario Kvesic von hinten heranstürmend im Sechzehner stoppte.

Nazarov verwandelte den Strafstoß souverän, doch am Ende war das nur Ergebniskosmetik und konnte den Dynamo-Sieg nicht mehr gefährden.

In der 78. Minute kam dann für den Mann des Tages, Kutschke, Pascal Testroet. Er vergab in der 90. Minute noch eine Großchance zum 5:1. Somit blieb es beim 4:1. Für Aue brechen im Abstiegskampf mit nur 18 Zählern auf dem letzten Tabellenplatz nun noch härtere Zeiten an.