Ein letztes Mal "Game of Thrones"! Wurde die Serie würdig zu Ende gebracht?

Dresden - ACHTUNG, SPOILER! Würdiger Abschied! Mit "Game of Thrones" ist die bislang wohl größte Serie aller Zeiten zu Ende gegangen. Nach der polarisierenden fünften Episode "Die Glocken" haben die Macher - sofern das nach dieser Folge möglich war - glücklicherweise noch die Kurve bekommen.

Tyrion Lennister (Peter Dinklage) hadert mit seinen Entscheidungen.
Tyrion Lennister (Peter Dinklage) hadert mit seinen Entscheidungen.  © PR/HBO
Denn sie haben in der letzten Episode mit dem Titel "Der Eiserne Thron" nicht den Fehler gemacht, den Fans besonders in dieser finalen Staffel teilweise scharf kritisiert haben (TAG24 berichtete).

Die Rede ist natürlich vom sprunghaften Erzähltempo, das für eine oberflächliche Charakterentwicklung sorgte, wodurch einige Wendungen (freundlich formuliert) nicht überzeugen konnten, weil sie schlichtweg nicht nachzuvollziehen waren.

Das ist in der allerletzten Folge nun anders. Zu Beginn herrscht nämlich gespenstische Stille in den Trümmern von Königsmund. Tyrion Lennister (Peter Dinklage) geht unter Schock und mit eingefallenem Gesicht durch die Straßen, die früher einmal seine Heimat waren. Sie erinnern nur noch entfernt an ihre einstige Pracht.

Mit etwas Abstand folgen ihm Aegon Targaryen alias Jon Schnee (Kit Harington) und Ser Davos Seewert (Liam Cunningham), denen das Entsetzen ebenfalls ins Gesicht geschrieben steht.

Tyrion geht anschließend entgegen Jons Ratschlag alleine weiter und findet kurz darauf seine toten Geschwister in den eingestürzten Katakomben der Roten Bergfrieds, bricht vor allem wegen des Hinscheidens von Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) weinend zusammen.

Ein Plan, der alles verändern wird

Der von Rachedurst getriebene Grauer Wurm (Jacob Anderson) muss einen weiteren Schicksalsschlag hinnehmen.
Der von Rachedurst getriebene Grauer Wurm (Jacob Anderson) muss einen weiteren Schicksalsschlag hinnehmen.  © PR/HBO

Jon und Ser Davos treffen in den Gassen derweil auf Grauer Wurm (Jacob Anderson) und seine Unbefleckten, die einige Soldaten der früheren Königsgarde gefangen genommen haben und die hilflosen Männer auf Geheiß von Königin Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) hinrichten wollen. Jon versucht vergeblich, sie davon abhalten.

Um diesem grausamen Morden endlich ein Ende zu setzen, läuft er an den jubelnden Dothraki und den in Formation stehenden Unbefleckten vorbei zur Königin, die von ihrem imposanten Drachen Drogon abgesetzt wird und erstmal keine Augen für Jon hat. Denn sie konzentriert sich auf eine flammende Rede, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Denn Königsmund war erst der Anfang! Sie will die ganze Welt "befreien".

Tyrion tritt deshalb als ihre Hand zurück und wird für seinen Verrat festgenommen. Jon besucht ihn kurz darauf.

Gemeinsam schmieden sie einen gefährlichen Plan, der das Schicksal aller Figuren für immer verändern wird...

Zum Glück: Serienabschluss ist nicht das befürchtete Desaster

Aegon Targaryen alias Jon Schnee (r., Kit Harington) und Ser Davos Seewert (l., Liam Cunningham) haben in dieser allerletzten "GoT"-Folge noch einiges zu überstehen.
Aegon Targaryen alias Jon Schnee (r., Kit Harington) und Ser Davos Seewert (l., Liam Cunningham) haben in dieser allerletzten "GoT"-Folge noch einiges zu überstehen.  © PR/HBO

Mit großer Erleichterung lässt sich festhalten, dass das Finale von "Game of Thrones" insgesamt sehenswert geworden ist.

Die Macher haben eine in sich stimmige Episode kreiert, die emotional aufwühlt, obwohl sie hinsichtlich der großen Entscheidungen vorhersehbar ist und das, was viele Fans bereits vermutet haben, hier letztlich eintritt.

In diesem Fall lässt sich darüber allerdings leichter als in den vergangenen Wochen hinwegsehen, weil diese Sequenzen ganz im Gegensatz dazu innerhalb der Geschichte und Hinleitung authentisch sind.

So ist "Der Eiserne Thron" zwar keine perfekte Episode geworden, aber definitiv eine der stärksten Folgen der achten Staffel.

Dabei ist die Feststellung, wie viel ruhiger die letzte Episode nach den gehetzt wirkenden Folgen drei bis fünf erzählt ist, beinahe surreal.

Doch genau diese Schizophrenie erklärt, warum aus der lange vorherrschenden Liebe für die Serie, ihre eigene Welt, ihre spannenden Protagonisten und ihre eigenen Regeln in der achten Staffel eine Art Hassliebe geworden ist.

Charakterentwicklung und Dialogszenen statt Gemetzel

Brandon Stark (l., Isaac Hempstead-Wright) und Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) spielen in den letzten 75 Minuten der Serie tragende Rollen. (Bildmontage)
Brandon Stark (l., Isaac Hempstead-Wright) und Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) spielen in den letzten 75 Minuten der Serie tragende Rollen. (Bildmontage)  © PR/HBO

Denn warum die Macher sich für ein solch unterschiedliches Tempo innerhalb dieser letzten Staffel entschieden haben, bleibt weiterhin rätselhaft.

In der neuen Folge stehen die Figuren und ihre Entscheidungsfindung auf einmal wieder im Fokus. Um diese glaubwürdig wirken zu lassen, gibt es endlich wieder die genial ausgeschriebenen Dialogszenen, welche die Serie so stark und hintergründig gemacht haben.

Dadurch ist auch die tiefe emotionale Bindung zu den Charakteren wieder in besonderem Maße da, was zu mehreren großartigen Momenten führt.

Allerdings ist die Argumentation, warum Daenerys in "Die Glocken" so handelte wie sie es tat, auch weiterhin nicht schlüssig. Denn wo bitteschön standen die Zivilisten ihrer Herrschaft im Weg?

Auch ihre starken Dialogszenen können den Fehler der Macher, ihre Entwicklung zu schnell vorangetrieben zu haben, nicht kaschieren.

Obwohl die 75 Minuten nicht komplett ausgewogen sind, ist die Spannung, wie die Serie endet, durchgehend da. So lässt sich auch über die ein oder andere kleinere Länge hinwegsehen.

Deutscher "GoT"-Komponist sorgt für Gänsehaut

Der Deutsch-Iraner Ramin Djawadi komponierte die Musik für alle acht Staffeln von "Game of Thrones".
Der Deutsch-Iraner Ramin Djawadi komponierte die Musik für alle acht Staffeln von "Game of Thrones".  © DPA

Wer aufmerksam bleibt, wird nämlich mit fantastischen Momenten belohnt, in denen die grandiosen cineastischen Bilder, die herausragende Kameraführung, die wunderschönen Kostüme, die auffällige Detailverliebtheit und die melancholisch-hoffnungsvolle Musikuntermalung vom deutsch-iranischen Komponisten Ramin Djawadi (Pacific Rim) Hand in Hand arbeiten.

Trotz oder gerade wegen dieser Gänsehaut-Momente fällt es nach den letzten Wochen besonders schwer, Abschied von einer Serie zu nehmen, die in der achten Staffel erkennbar nachgelassen hat und deshalb nicht mit dem ganz großen Knall zu Ende gegangen ist.

Aber immerhin würdig und das ist mehr, als man vor einer Woche gedacht hätte. Schade ist aus deutscher Sicht allerdings, dass Jaqen H'ghar, gespielt vom gebürtigen Dohnaer Tom Wlaschiha, nicht noch ein letztes Mal in Erscheinung treten durfte.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass einen "Der Eiserne Thron" schlussendlich mit einem emotionalen Gefühlschaos zurücklässt, aus dem Erleichterung und innere Leere herausstechen.

Doch eines ist sicher: "Game of Thrones" ist eine Serie für die Ewigkeit.

Die Beziehung von Aegon Targaryen alias Jon Schnee (r., Kit Harington) und Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) endet auf grausame Weise.
Die Beziehung von Aegon Targaryen alias Jon Schnee (r., Kit Harington) und Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) endet auf grausame Weise.  © PR/HBO

Titelfoto: PR/HBO

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