Plötzlich ganz kleinlaut: Hells Angels vor Gericht

Lutz „Lu“ W. (46, l.) und Witali F. (41) sollen im großen Stil Kokain vertickt haben.
Lutz „Lu“ W. (46, l.) und Witali F. (41) sollen im großen Stil Kokain vertickt haben.

Von Eric Hofmann

Dresden - Jetzt wird es eng für den einstigen Dresdner Hells-Angels-Boss: Keinen einzigen Eintrag hat Lutz „Lu“ W. (46) bisher im Strafregister, doch seit Donnerstag sitzt er auf der Anklagebank im Dresdner Landgericht. Mit einem „Supporter“ des Rockerclubs soll er im großen Stil Kokain vertickt haben.

Seit dem Sommer 2011 standen Lu und Hells-Angels-Unterstützer Witali F. (41) schon im Visier des Landeskriminalamts: Ein Informant hatte den Ermittlern gesteckt, dass Witali im Auftrag des Clubs Drogen aus Tschechien holen und über die Dresdner Türsteher- Szene vertreiben sollte.

Seitdem waren verdeckte Ermittler unterwegs, Telefone und sogar Witalis Auto wurden abgehört. Doch die Ausbeute blieb mager - ein Beamter aus dem Dezernat „Organisierte Kriminalität“: „Der F. ist erfahren, weiß, wie wir arbeiten. Da war kein Herankommen.“ Tatsächlich ist der gebürtige Ukrainer bereits vorbestraft, weil er mit Waffen und Drogen handelte.

Erst als die Polizei wegen einer Vergewaltigung gegen den Mann ermittelte, kam es zur Hausdurchsuchung - als „Beifang“ fanden die Ermittler dann tatsächlich Kokain in seinem Thiendorfer Haus. Dazu einen Schießkugelschreiber, Munition für eine Kalaschnikow und Messer.

Zugriff im Sommer 2014: Drei LKA-Fahrzeuge stoppten in Döbeln den Audi von Lutz W., durchsuchten das Fahrzeug.
Zugriff im Sommer 2014: Drei LKA-Fahrzeuge stoppten in Döbeln den Audi von Lutz W., durchsuchten das Fahrzeug.

Der zweifache Familienvater blieb jedoch auf freiem Fuß und wurde auch am 15. August 2014 überwacht - dem Tag, als er nach Döbeln zum Dresdner Hells-Angels-Boss „Lu“ fuhr.

„Wir beobachteten, wie er in W.s Werkstatt hineinging und später mit seinem Audi wieder wegfuhr“, so ein Ermittler. Aus taktischen Gründen wartete man mit dem Zugriff: Erst in der Washingtonstraße in Dresden schnappten sich die Ermittler Witali, griffen dann auch in „Lus“ Werkstatt durch: Dort fanden sie 81,8 Gramm Kokain, 6,1 Gramm Haschisch und zwei Einhandmesser.

Witali hatte reichlich neun Gramm Kokain bei sich. Im Gericht schweigen beide, der Prozess gegen sie wird fortgesetzt.

Dresdner Rocker-Club ist offiziell Geschichte

Fünf Jahre lang gab es auch in Dresden ein Charter der Hells Angels.
Fünf Jahre lang gab es auch in Dresden ein Charter der Hells Angels.

Offiziell gibt es in Dresden keinen Ableger der „Hells Angels“ mehr: Nach fünfjährigem Bestehen löste sich das Dresdner Charter am 10. November 2014 auf.

Hintergrund war wohl das Verfahren gegen den Dresdner Präsidenten Lutz „Lu“ W. Ein Insider berichtete damals der MOPO, dass die Dresdner Höllenengel damit einem Verbot zuvorkommen.

Denn ein solches wäre die Rocker teuer zu stehen gekommen: Die Harleys der Angels gehörten nämlich offiziell dem Verein und wären dann mit einem Verbot beschlagnahmt gewesen.

Dass Innenminister Markus Ulbig (50, CDU) bereits im Sommer vergangenen Jahres den Hells Angels die Kutten nahm, werteten die Rocker auch als Anzeichen für ein nahendes Verbot.

Fotos: Ove Landgraf


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