Viel Arbeit für zu wenig Geld – das Gastgewerbe im Umbruch

Deutschland – Wie im März 2019 die Süddeutsche Zeitung berichtete, arbeiten im Gastgewerbe in Deutschland über zwei Millionen Arbeitnehmer. Deutlich zu wenig, denn fast überall werden Kellner, Rezeptionistinnen oder Zimmermädchen dringend gesucht.

Allerdings ist das Problem hausgemacht. Während der Stundenlohn im Dienstleistungsgewerbe bei durchschnittlich 22 Euro liegt, müssen sich Servicekräfte in der Gastronomie mit rund 14 Euro zufriedengeben.

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Dazu kommen wegen des Personalmangels unbezahlte Überstunden, Doppelschichten, Wochenendarbeit, Nachtarbeit und Urlaub können die Arbeitnehmer auch nur dann nehmen, wenn keine Saison ist.

Ganz anders in den Schwellenländern, egal ob in Afrika, Asien oder Südamerika. In Ländern dort kann jeder Gastronom aus einer Heerschar von Arbeitskräften auswählen und dank sehr niedriger Löhne, auch ausreichend Personal beschäftigen.

Allerdings fehlt eine grundsolide Ausbildung, weshalb das Personal in Hotels, Resorts und Restaurants häufig wechselt.

Oft reicht schon die Beschwerde eines Gastes, der die Leistung einer Servicekraft bemängelt, damit diese fristlos gekündigt wird.

Ausbildung sichert Arbeitsplätze und sorgt für besseren Service

In der Regel ist in Schwellenländern auch das Bildungssystem erheblich verbesserungswürdig. Schulabgänger, sofern sie bis zum Ende der regulären Schulzeit durchgehalten haben, können zwar lesen, schreiben und beherrschen die Grundrechenarten in der Basis, darüber hinaus fehlt aber nahezu jede Art von höherer Bildung.

Außerdem gibt es nur in sehr wenigen Staaten ein Berufsbildungssystem. Eine Lehre, ein Facharbeiterbrief oder gar ein Befähigungsnachweis sind zumeist unbekannt. I

Im Prinzip haben Schweißer, Mauerer, Köche, Bäcker oder eben Kellner ihren Beruf dadurch gelernt, dass sie sich innerhalb weniger Tage die Fähigkeiten eines älteren Kollegen angeeignet haben, egal ob diese richtig oder falsch sind. Blockunterricht, Berufsfachschulen oder Weiterbildungsseminare gibt es einfach nicht.

Darunter leidet die Qualität des Service in diesen Ländern, weshalb im touristischen Bereich meist nur mangelhafte Ergebnisse erzielt werden. Dabei verfügen die meisten dieser Schwellenländer über einzigartige Naturattraktionen, die für Urlaubsreisende aus aller Welt überaus attraktiv wären. Nur buchen diese ihre Ferien woanders, weil ihnen dort ein exzellenter Service geboten wird.

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Hilfe zur Selbsthilfe durch Förderung der Gastronomie

Gastlichkeit ohne Grenzen lautet die Idee, die hinter der Friedrich Hospitality Foundation steckt. Diese gemeinnützige Organisation finanziert sich ausschließlich durch Spendenmittel, was auch Sach- oder Dienstleistungen sein können.

Schulungsküchen werden gebaut, Stipendien vergeben und Lehrgänge werden durchgeführt.

Ziel ist es, aktuellen und zukünftigen Arbeitnehmern im Gastgewerbe verschiedener Schwellenländer die Bildung zu vermitteln, die für einen erstklassigen Service notwendig ist.

So umfangreich ausgebildete Köche, Kellnerinnen oder Rezeptionsmitarbeiter finden erheblich leichter einen Arbeitsplatz, werden besser bezahlt und laufen kaum in Gefahr, gekündigt zu werden. Obendrein fördert dies den Tourismus des Landes, was die Gästezahlen steigen lässt und dringend benötigte Devisen ins Land spült.

Mit einer Spende in die Zukunft investieren

Durchaus denkbar ist, dass bei einer Ausweitung des Ausbildungskonzepts der Friedrich Hospitality Foundation, auch der deutsche Arbeitsmarkt davon profitiert. Ein gutes Beispiel dafür sind die Philippinen, wo gezielt Krankenschwestern und Pfleger für deutsche Krankenhäuser ausgebildet wurden. Über 500 davon erhielten eine Arbeitserlaubnis, um den Pflegenotstand in Deutschland abzumildern.

Und beide Länder profitieren, denn die in Deutschland arbeitenden Filipinos senden regelmäßig Geld zur Unterstützung ihrer Familien nach Hause.

Ein ähnliches Szenario wäre im deutschen Gastgewerbe denkbar, wo vielleicht in Zukunft gut ausgebildete Servicekräfte aus Schwellenländern auf perfekte Weise das Essen servieren, am Tisch flambieren oder einen Wein dekantieren.