Mitten in der Hochsaison haben Hotels und Restaurants riesiges Problem

Sylt - An Nord- und Ostsee hat die Hochsaison begonnen. Das Geschäft brummt - doch den Betrieben fehlt das Personal.

Zwei Frauen arbeiten als Kellnerinnen in einem Restaurant. Doch solch Personal zu finden, ist schwierig.
Zwei Frauen arbeiten als Kellnerinnen in einem Restaurant. Doch solch Personal zu finden, ist schwierig.  © 123RF

Ruhetage in Restaurants und ein dünneres Angebot auf den Speisekarten: In der Tourismusbranche fehlen Fachpersonal und Saisonkräfte.

Das zeigen die Ergebnisse einer dpa-Umfrage in Ferienorten an der Küste von Nord- und Ostsee.

"Mitarbeiter gesucht" heißt es auf Schaufenster-Aushängen vieler Betriebe.

Die Ursachen für das Ausbleiben der Saisonkräfte sind vielschichtig.

Ein Grund könnten steigende Gehälter in Ländern wie Polen und Rumänien sein.

Gastronomen und Hotelbetreiber versuchen gegenzusteuern.

"Auf der Insel ist es noch schlimmer als auf dem Festland", sagt Gastwirt Ralf Deeling vom Restaurant In't Dörp auf Langeoog: "Das ist eine Vollkatastrophe. Die Hafenkneipe macht zwei Ruhetage. Einem Restaurant-Kollegen fehlt ein Koch, da wird jetzt auch an einem Tag geschlossen."

In der gesamten Branche fehlt es an Kräften, sagt er - besonders in den vom Tourismus geprägten Gebieten.

An der Bezahlung könne es nicht liegen: "Ohne Mindestlohn geht gar nichts, denn sonst käme erst recht niemand. Eher wird noch was draufgelegt."

Austausch-Programm als Lösung?

Mit Stellenanzeigen vor Gaststätten suchen die Betreiber nach neuen Angestellten.
Mit Stellenanzeigen vor Gaststätten suchen die Betreiber nach neuen Angestellten.  © dpa/Stefan Sauer

Auch an der Elbmündung ist die Lage angespannt. "Es ist nicht ganz einfach, über die Saison zu kommen", sagt Bernhard Dohne, der das Hotel Strandperle in Cuxhaven-Duhnen betreibt.

Inzwischen vergibt er deshalb nur noch dauerhafte Arbeitsverträge. "Das treibt zwar die Personalkosten nach oben, aber auf Saisonkräfte zu setzen, ist zu riskant geworden", sagt er.

Lediglich zwei Saisonkräfte aus Bosnien beschäftigt er für zwei Monate. Mit dieser Strategie könne er den gewohnten Standard im Hotel halten.

Im Grand Hotel Heiligendamm an der Ostsee würde General Manager Thies Bruhn im Servicebereich gerne noch Mitarbeiter einstellen, um gut über den Sommer zu kommen.

Der Mitarbeitermangel sei aber nicht so gravierend, dass einzelne Leistungen nicht mehr angeboten werden könnten. Künftig plant das Hotel einen Austausch mit Kempinski-Hotel in St. Moritz (Schweiz): "Wir haben im Sommer viel zu tun, dann ist dort nicht so viel los", sagt Bruhn.

Im Gegenzug sollen seine Mitarbeiter im Winter in der Schweiz arbeiten können. Eine andere Möglichkeit seien Aushilfskräfte, etwa aus österreichischen Hotelfachschulen.

"Dort studieren viele junge Menschen auch aus Slowenien, die gerne bereit sind, für drei Monate in einem Hotel zu arbeiten", sagt Bruhn.

Tourismus boomt, doch Angestellte fehlen

Touristen baden am Strand der Nordsee-Insel Norderney.
Touristen baden am Strand der Nordsee-Insel Norderney.  © dpa/Hauke-Christian Dittrich

Auf Sylt ist das Thema Saisonarbeitskräfte ein Dauerbrenner. "Das ist bei sehr vielen Kollegen ein Knackpunkt", sagte der Vorsitzende von Dehoga Sylt, Claas-Erik Johannsen.

Er selbst habe in seinem Hotel aktuell zwar keine Probleme, vor allem im Service und in der Küche könnten viele Betriebe auf der Insel jedoch mehr Leute gebrauchen.

Aber: "Es gibt nicht genügend Leute." Zudem sei die Unterbringung auf Sylt oftmals schwierig. Wegen der schwierigen Situation gebe es vereinzelt auch Betriebe, die in der Hauptsaison einen Ruhetag einplanen, den sie sonst nicht gemacht hätten.

Im Hafenstädtchen Büsum an der schleswig-holsteinischen Westküste weiß Karl-Heinz Kolle, Vorsitzende des Dehoga-Ortsverbandes und Inhaber des Traditionshauses Kolles Alter Muschelsaal, wie hart es ist, Personal zu finden.

"Es ist schwierig", sagt er. Hinzu kommt, dass der Tourismus in Büsum boomt und neue Hotels hinzukommen, die ebenfalls Personal brauchen. Kolle hat in seinem Betrieb neben dem Montag als Ruhetag derzeit auch dienstagmittags geschlossen, obwohl er eine gute Stammbelegschaft hat und auch ausbildet. Aber: "Wir kommen sonst mit den Stunden nicht hin."

"Viele Menschen sind nicht mehr bereit, längere Zeit fernab von ihrer Heimat zu arbeiten oder umzuziehen», sagt Birgit Kolb-Binder vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Ostfriesland. Zudem werde es im Gastronomiebereich immer schwieriger, Deutsch sprechende Servicekräfte zu finden, die aber für den direkten Kontakt mit den Gästen nötig seien.

"Der Markt scheint an seine Grenzen zu stoßen", so Kolb-Binder.

Titelfoto: 123RF


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