Muss das sein? Mercedes wirbt an Gedenkstätte der Amri-Opfer für neue A-Klasse

Berlin - Am 19. Dezember 2016 fuhr Anis Amri mit einem entführten Lkw auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz. Zwölf Menschen verloren dabei ihr Leben, fast 100 wurden verletzt. Es war der bislang schwerste islamistische Anschlag in Deutschland.

Ein Bild der Verwüstung ist auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin zu sehen, nachdem Attentäter Anis Amri mit einem Lkw über den Platz gerast war.
Ein Bild der Verwüstung ist auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin zu sehen, nachdem Attentäter Anis Amri mit einem Lkw über den Platz gerast war.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Ein Jahr später wurde die Gedenkstätte an der Gedächtniskirche in Anwesenheit der Hinterbliebenen und viel politischer Prominenz eröffnet (TAG24 berichtete).

Ein goldener Riss und die Namen der Terror-Opfer auf den Stufen der Gedächtniskirche sollen diese schwere Stunde nicht vergessen lassen.

Seitdem legen immer wieder betroffene Passanten andächtig Kerzen und Blumen nieder. Das ist nun vorübergehend nun nicht mehr möglich.

Wegen Sanierungsarbeiten an der Stufenanlage und Podiumsfläche ist die Gedenkstelle derzeit eingezäunt, wie der evangelische Pfarrer Martin Germer auf TAG24-Anfrage erklärte.

Die Gedenkstätte wurde komplett eingezäunt. Blumen oder Kerzen können nicht mehr niedergelegt werden.
Die Gedenkstätte wurde komplett eingezäunt. Blumen oder Kerzen können nicht mehr niedergelegt werden.  © TAG24/Peter Kiefer

"Die jetzige, vorübergehende Absperrung vor dem Gedenkort wurde erforderlich, weil gerade oberhalb die Fläche fertiggestellt wird und hierzu Materialtransporte erforderlich sind, die sich anders nicht bewerkstelligen lassen. Vorher verlief der Bauzaun oberhalb des Gedenkortes."

Die Arbeiten wurden im vorigen Sommer an der Westseite begonnen, mussten dann wegen Weihnachtsmarkt, Fertigstellung des Gedenkortes und dem einsetzenden Winter unterbrochen werden.

Laut Pfarrer Germer wird die Baustelle im Laufe des Frühjahrs auf die Ostseite des Podiums weiterwandern.

Und was passiert mit den niedergelegten Gegenständen der Trauernden?

"Blumen und Kerzen werden regelmäßig kontrolliert, Verwelktes und Abgebranntes aussortiert. Selbstverständlich werden Erinnerungszeichen, die noch ansehnlich sind, später dann direkt auf die Stufen gelegt werden", so der Pfarrer.

Was allerdings ins Auge sticht, ist eine Werbung von Mercedes, die an dem Bauzaun angebracht wurde. Keine 15 Meter entfernt von der Gedenkstelle wirbt der Autohersteller für seine neue A-Klasse.

Wenn man bedenkt, dass die Menschen durch einen Anschlag mit einem LKW ihr Leben verloren haben, ist der Standort von Mercedes für ihre Außenwerbung sehr unglücklich gewählt und geradezu makaber.

Die Werbung erstreckt sich komplett um die Gedächtniskirche.
Die Werbung erstreckt sich komplett um die Gedächtniskirche.  © TAG24/Peter Kiefer

Titelfoto: TAG24/Peter Kiefer


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