Von wegen nur Flügel... so gefährlich sind Energydrinks wirklich!

Supermärkte bieten ein großes Sortiment an Energy-Drinks an. Bunt und süß locken sie so auch Kinder an.
Supermärkte bieten ein großes Sortiment an Energy-Drinks an. Bunt und süß locken sie so auch Kinder an.

Göttingen - Sie schmecken zuckersüß und versprechen einen Kick. Ganz gleich ob Red Bull, Monster oder Booster - koffeinhaltige Energydrinks sind bei Jugendlichen beliebt. Doch einige übertreiben es: Jeder vierte von ihnen überschreitet mit drei und mehr Dosen hintereinander die als unbedenklich eingestufte Menge Koffein.

Nach einer Ende Mai veröffentlichten Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa trinken bereits 68 Prozent der Teenager in der EU Energydrinks.

Die Muntermacher stehen im Verdacht, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle, Nierenversagen und sogar Todesfälle zu verursachen, warnt die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. Mindestens 700 000 Kinder in Deutschland leiden dem Arzt zufolge unter Bluthochdruck, die meisten wüssten davon gar nichts.

Bereits drei Dosen Energy-Drink gefährden die Gesundheit eines Erwachsenen,
Bereits drei Dosen Energy-Drink gefährden die Gesundheit eines Erwachsenen,

Deshalb fordert die Organisation wie auch die Gesellschaft der Europäischen Kinderkardiologen ein europaweites Verkaufsverbot der trendigen Getränke an Minderjährige. Die SPD-Fraktion im Bundestag setzt sich für ein Abgabeverbot an unter 16-Jährige ein. Nach dem Willen von Foodwatch sollen die hochkonzentrierten sogenannten Energy Shots komplett verboten werden.

Bundesernährungsminister Christian Schmidt ist anderer Meinung: «Verbote laufen hier ins Leere. Wir müssen stattdessen das Bewusstsein schärfen. Nachhaltige Erfolge erzielen wir durch Aufklärung und Bildung.»

Er werde noch in diesem Jahr eine Aufklärungskampagne zu Energydrinks und anderen koffeinhaltigen Lebensmitteln starten, kündigt der CSU-Politiker auf dpa-Anfrage an. Geplant seien unter anderem Faltblätter, Internet- und Hörfunkbeiträge sowie Materialien für den Schulunterricht.

Inzwischen gibt es sogar «Energy Sweets», koffeinhaltige Fruchtgummis in Form von Dosen. «Das ist für mich die Perversion schlechthin. Immer jüngere Kinder sollen damit angefüttert werden», kritisiert ein Mediziner. Die massiven wirtschaftlichen Interessen hätten offensichtlich ein höheres Gewicht als die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen, sagt der Kinderkardiologe.

Die Vorgaben für Energydrinks seien erst kürzlich verschärft worden, betont das Ernährungsministerium. So sei der zulässige Koffeingehalt auf maximal 320 Milligramm pro Liter beschränkt worden.

Was löst Koffein im Körper aus ?

Koffein kommt in Kaffee- und Kakaobohnen sowie in Teeblättern vor und wird wegen seiner anregenden Wirkung seit Jahrhunderten von Menschen verzehrt. Energydrinks wird es künstlich zugesetzt.

Koffein stimuliert das Herzkreislauf- und das zentrale Nervensystem. Moderat dosiert kann es wacher machen, die Konzentration erhöhen und die körperliche Leistungsfähigkeit steigern. Über einen längeren Zeitraum kann ein übermäßiger Konsum zu Herzkreislaufproblemen wie erhöhtem Blutdruck führen.

Mit drei herkömmlichen 250-Milliliter-Dosen Energydrink werden bereits 240 Milligramm Koffein aufgenommen, was gesundheitliche Risiken birgt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht gesundheitliche Risiken, wenn Energy Drinks in größeren Mengen insbesondere in Zusammenhang mit Alkohol getrunken werden. Nach einer Umfrage trinken Besucher von Discos, Musik- und Sportevents sowie Lan-Partys erhebliche Mengen von Energydrinks. Durchschnittlich waren es in Clubs ein Liter gemischt mit Alkohol.

In Einzelfällen waren es bis zu fünf Liter innerhalb von 24 Stunden.

Fotos: dpa


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