Gegen Trockenheit: Dresden buddelt alte Bäche wieder aus

Aktuell wird der Gorbitzer Weidigtbach renaturiert.
Aktuell wird der Gorbitzer Weidigtbach renaturiert.

Von Dirk Hein

Dresden - Seit etwa 30 Jahren werden Winter, Frühling und Sommer in Dresden Jahr für Jahr wärmer. Hitze und Unwetter nehmen zu. Die Experten im Umweltamt wollen gegensteuern - unter anderem, indem längst vergessene Bäche wieder frei gelegt werden.

Die sollen sich als Kaltluftschneisen stärker als bisher wie kleine Klimaanlagen durch Dresden ziehen. Zusammen mit Stadtparks mit reichlich alten Bäumen soll so das Klima im Sommer trotz Hitzerekorden erträglich bleiben. Umweltamtschef Christian Korndörfer (60): „Wir brauchen solche grüne Inseln und grüne Netze in unserer immer dichter bebauten Stadt.“

Der Effekt kurz erklärt: Große Bäume verdunsten auch im Sommer Wasser, kühlen somit ihre direkte Umgebung. Entlang kleinster Bäche kommt kühle Luft durch im Sommer brütend heiße Wohngebiete. Ein kleines „Klimanalagennetz“ entsteht.

Die Prießnitz ist die ökologische Klimaanlage für die Dresdner Neustadt.
Die Prießnitz ist die ökologische Klimaanlage für die Dresdner Neustadt.

Das Potenzial ist riesig: „Durch Dresden fließen 460 Kilometer Flüsse und Bäche, 80 Kilometer davon sind noch verrohrt“, sagt der Gewässerchef im Umweltamt, Harald Kroll (54)

Wo immer möglich, werden die gerade geöffnet. Beim Kaitzbach in der Innenstadt (Nahe der Synagoge wird der unterirdische Verlauf durch nachts leuchtende Glaselemente angezeigt) ist das nicht möglich.

Aktuell werden aber der Flössertgraben in Klotzsche und der Weidigtbach direkt im Gorbitzer Wohngebiet renaturiert. Auch in Schönfeld-Weißig und Schönborn werden Bäche offen gelegt. Wichtiger Effekt hier: Wasser wird nicht mehr durch Drainagen und Rohre schnell von den Feldern gebracht, sondern dort gespeichert. Das verhindert ein immer häufigeres Austrocknen der Böden.

Auch bei Baumpflanzungen fordert Korndörfer ein Umdenken: „Wir müssen die Bäume pflanzen, die aktuell gut mit dem Klima klarkommen, auch wenn das heißt, dass wir keine Sommerlinden nehmen dürfen“, sagt Korndörfer.

Seit 2010 kämpft Franziska Reinfried (35) als Dresdner Stadtklima-Expertin rathausintern und bei Investoren für ein ökologisches Dresden.
Seit 2010 kämpft Franziska Reinfried (35) als Dresdner Stadtklima-Expertin rathausintern und bei Investoren für ein ökologisches Dresden.
Tüfteln zusammen am Stadtklima: Meteorologin Franziska Reinfried (35) und Umweltamtschef Christian Korndörfer (60).
Tüfteln zusammen am Stadtklima: Meteorologin Franziska Reinfried (35) und Umweltamtschef Christian Korndörfer (60).

Fotos: Petra Hornig


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0