Freispruch: Lautstarke Punker störten stilles Gedenken

Jedes Jahr versammeln sich am 13. Februar zahlreiche Menschen in Dresden, um den Opfern der Bombardierung 1945 zu gedenken.
Jedes Jahr versammeln sich am 13. Februar zahlreiche Menschen in Dresden, um den Opfern der Bombardierung 1945 zu gedenken.

Von Hermann Tydecks

Dresden - Der Neumarkt am 13. Februar diesen Jahres: Rund 300 Menschen haben sich am Abend zum stillen Gedenken versammelt. Alle Dresdner Kirchenglocken läuten.

Plötzlich wird die Ruhe unterbrochen: „Oma, Opa und Hans-Peter, keine Opfer, sondern Täter!“, ruft eine Personengruppe. Muss das bestraft werden?

Punker Martin T. (25) aus Dresden erschien im „FCK NZS“-Shirt zum Verfahren am Amtsgericht. Nach dem lautstarken Protest auf dem Neumarkt wurde der gelernte Mechatroniker mit drei Mitrufern von Mitarbeitern des Ordnungsamtes abgeführt, erhielt einen Platzverweis.

Außerdem sollte er wegen „Belästigung der Allgemeinheit“ 300 Euro Bußgeld an die Stadt zahlen, was Martin T. aber ablehnte.

Martin T. steht zu seiner Meinung, tut sie auch im Gerichtssaal mittels seines T-Shirts kund.
Martin T. steht zu seiner Meinung, tut sie auch im Gerichtssaal mittels seines T-Shirts kund.

„Ich stehe voll und ganz hinter dieser Aussage, welche einen politischen Protest darstellen soll“, verlas der Beschuldigte T. auf der Anklagebank.

„Der Spruch stellt für mich eine legitime Kritik am einseitigen, kollektiven Gedenken an die Dresdner Opfer dar.“

Der 13. Februar 1945 sei ein „guter“ Tag für Dresden, da er das Ende des Krieges und der NS-Zeit einläutet habe, so der Beschuldigte weiter.

Störend sei die Aktion schon gewesen, sagte Staatsanwältin Claudia Heinze. „Doch Sie wollten ihre Meinung äußern, nicht andere Menschen belästigen.“

Das sah Richter Jochen Meißner ähnlich, sprach den Angeklagten frei: „Einer will gedenken, ein anderer sagt, es ist ein falsches Gedenken. Wer demonstriert muss in einer Demokratie damit leben, dass gegendemonstriert wird.

Martin T. durfte sich äußern.“

Fotos: Christian Suhrbier, dpa/Kay Nietfeld


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