Geheime Papiere aufgetaucht: Hat die Bundeswehr schwule Soldaten bewusst diskriminiert? 

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (58, CDU).
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (58, CDU).

Berlin (dpa) - Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (58, CDU) hat ihre Amtsvorgänger nach Spiegel-Informationen wegen der langjährigen Diskriminierung von Homosexuellen durch die Bundeswehr kritisiert. 

Schwule Soldaten seien jahrzehntelang "erheblich" benachteiligt worden, heißt es in einem vertraulichen Papier, aus dem das Nachrichtenmagazin zitiert. 

Die Streitkräfte hätten ihnen Berufswege verstellt und Karrieren verhindert. Diskriminierung sei im Personalmanagement der Bundeswehr Realität gewesen.

Sexuelle Handlungen unter Männern waren in der Bundesrepublik bis 1969 strafbar. In der Bundeswehr galten Schwule laut einer "Zentralen Dienstvorschrift" aus der Zeit von Helmut Schmidt (SPD, Verteidigungsminister von 1969 bis 1972) auch danach als "Sicherheitsrisiken". 

Bis 1984 wurden sie ausgemustert oder entlassen.

Erliten Schwule Soldaten lange erhebliche Nachteile bei der Bundeswehr?
Erliten Schwule Soldaten lange erhebliche Nachteile bei der Bundeswehr?

Noch bis zum Jahr 2000 durften sie dem Bericht zufolge nicht Berufssoldaten werden und weder als Vorgesetzte noch als Ausbilder tätig sein.

Justizminister Heiko Maas (SPD) will verurteilte Homosexuelle rehabilitieren und hat alle Ressorts um Stellungnahme gebeten. 

Das Verteidigungsministerium äußerte sich laut "Spiegel" nicht dazu, ob es die Kritik am eigenen Haus an Maas geschickt hat. 

Es habe aber bestätigt, dass "homosexuelle Angehörige der Bundeswehr bis in die späten Neunzigerjahre zum Teil erhebliche Laufbahn- und Verwendungsnachteile erlitten". 

Die Rechtsprechung insbesondere des Bundesverwaltungsgerichts habe das Vorgehen bestätigt.


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