Geheimnisverrat! Ein Ex-Agent vor Gericht

Michael H. (45) im Amtsgericht.
Michael H. (45) im Amtsgericht.

Von Eric Hofmann

Dresden - Waren sächsische Justizbeamte in kriminelle Machenschaften eingebunden? Unter dem Stichwort „Sachsensumpf“ kamen solche schweren Vorwürfe vor fast zehn Jahren ans Licht.

Dabei zitierte Enthüllungsjournalist Jürgen Roth (69) aus Geheimpapieren des sächsischen Verfassungsschutzes. Jetzt musste sich Ex-Agent Michael H. (45) vor dem Dresdner Amtsgericht verantworten, er soll die undichte Stelle gewesen sein.

Mitte 2008 wurde der Kriminalbeamte Michael H. verhaftet, seitdem versucht ihm die Staatsanwaltschaft den Prozess zu machen.

Der Vorwurf: Als er bis Mai 2006 als Beschatter beim Verfassungsschutz (Abteilung „Organisierte Kriminalität“) war, nahm er auch die Berichte eines Kontaktmanns in Plauen entgegen.

Aus Enttäuschung darüber, dass seine Abteilung dichtgemacht wurde, soll er dem Enthüllungsjournalisten Jürgen Roth eben diese Berichte sowie weitere Geheimpapiere gegeben haben.

Roth zitierte diese anschließend in seinem Bestseller „Anklage unerwünscht!“. Auf seiner Homepage und auch in Zeitungen tauchten die sensiblen Informationen auf.

Als die Ermittler dann Michael H. als undichte Stelle vermuteten, soll er einen fingierten Brief seines Kontaktmanns verfasst haben und diesen außerdem bedroht haben.

Doch über die Verlesung der Anklage wegen Geheimnisverrats kam der Prozess auch gestern nicht hinaus. Christian Noll, Anwalt des Ex-Agenten, forderte eine Einstellung des Prozesses, da der Grundsatz des fairen Verfahrens verletzt wäre.

Die Akten seien nicht vollständig, der Haftbefehl damals unrechtmäßig gewesen und die Tat schon neun Jahre her. Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt.

Foto: Ove Landgraf


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0