"Gemini Man" sei "dumm"! Warum die negativen Kritiken Schwachsinn sind

Deutschland - Viel zu negativ! Die Kritiken kurz vor dem Kinostart von Blockbuster "Gemini Man" am 3. Oktober glichen Verrissen: "Dumm", "amateurhaft" und "anspruchslos" sind nur einige der drastischen Worte, mit denen der Science-Fiction-Film beschrieben wurde. Warum nur?

Der Unterschied ist im Film nur noch anhand einiger Details auszumachen: Will Smith wurde digital verjüngt und spielt sowohl einen 23-Jährigen (Junior), als auch einen 51-jährigen Killer (Henry Brogan).
Der Unterschied ist im Film nur noch anhand einiger Details auszumachen: Will Smith wurde digital verjüngt und spielt sowohl einen 23-Jährigen (Junior), als auch einen 51-jährigen Killer (Henry Brogan).  © PR/ 2019 Paramount Pictures. All Rights Reserved.

Diese Frage stellt sich nach dem Kinobesuch unweigerlich. Denn auch wenn das neue Werk von Ang Lee kein Meisterwerk wie "Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger" ist, das bei den "Oscars" eine Rolle spielen dürfte, ist dem außergewöhnlichen Regisseur dennoch ein starker Film gelungen.

Schon der Beginn zieht die Zuschauer ins Geschehen. Henry Brogan (Will Smith) demonstriert seine bemerkenswerte Kunst als Scharfschütze, indem er mit einem Meisterschuss eine Zielperson in einem fahrenden Zug tötet.

Danach macht er klar: Er will sich mit 51 Jahren zur Ruhe setzen. Doch dazu kommt es nicht. Denn er hat diesmal keinen Terroristen erschossen, sondern einen Wissenschaftler.

Nun wird Jagd auf ihn gemacht. Der skrupellose Clay Verris (Clive Owen) hetzt ihm und seinen Freunden Junior (Will Smith) auf den Hals - die 23 Jahre junge und genetisch optimierte Klon-Version von Henry!

Es entbrennt ein Kampf mit Selbstzweifeln, um die eigene Identität, Moral, Leben und Tod.

Diese interessante Ausgangslage setzt Lee klasse um und kann sich außerdem auf seinen exzellenten Cast verlassen. Gerade Smith zeigt eine vielschichtige und packende Performance, durch die das Publikum emotionale Nähe zu seinen Figuren aufbauen kann.

Will Smith und Mary Elizabeth Winstead rocken "Gemini Man"

Mary Elizabeth Winstead (r.) zeigt an der Seite von Will Smith eine starke Leistung.
Mary Elizabeth Winstead (r.) zeigt an der Seite von Will Smith eine starke Leistung.  © PR/2019 PARAMOUNT PICTURES. ALL RIGHTS RESERVED. /

Auch Marx Elizabeth Winstead ("10 Cloverfield Lane") und Benedict Wong ("Doctor Strange") demonstrieren ihr Können.

Zudem ist das Drehbuch keineswegs schlecht oder dramaturgisch lahm. Im Gegenteil: Wer genau hinschaut, wird viele kluge und aktuelle Anspielungen entdecken.

Klar kann man sagen, dass "Gemini Man" das Genre nicht neu erfindet und einige Kritiker deshalb vermutlich enttäuscht sind, weil Lee so gut Filme gedreht hat, dass die Ansprüche an ihn extrem hoch sind.

Man merkt auch an einigen Stellen, dass die erste Drehbuchfassung aus dem Jahr 1997 stammt. Doch muss das schlecht sein? Keineswegs.

Denn Lee und seine Autoren um David Benioff ("Game of Thrones") haben das Skript nämlich gepimpt und das Geschehen an die heutige Zeit angepasst.

Sie haben also einen 90er Jahre Sci-Fi-Action-Film mit modernen Anklängen erschaffen. Eine erfrischende und fesselnde Mischung, die außerdem noch eine starke, hintergründige Frauenfigur beinhaltet, einen spannenden Wettstreit zwischen zwei Personen mit derselben DNA, die immer wieder Szenen mit Tiefgang hat, sowie coole Stunts und Kämpfe.

Hochmorderne Technik von "Gemini Man" beeindruckt, ist anhand von Details aber noch zu erkennen

Will Smith jagt sich in "Gemini Man" selbst. Welcher der beiden wird am Ende die Oberhand behalten?
Will Smith jagt sich in "Gemini Man" selbst. Welcher der beiden wird am Ende die Oberhand behalten?  © PR/2019 PARAMOUNT PICTURES. ALL RIGHTS RESERVED. /

Selbst Bösewicht Verris bekommt nachvollziehbare Motive spendiert, ist also nicht austauschbar oder schablonenhaft geraten. Bedrohlich wirkt er dank Owen ("Shoot 'Em Up") ohnehin.

Besonders interessant ist aber natürlich die hochmoderne Technik. Es ist fast schon erschreckend, wie weit sich die visuellen Effekte in wenigen Jahren entwickelt haben.

Wie lebensecht eine Figur nach dieser aufwendigen digitalen Verjüngungskur mittlerweile wirkt, ist beeindruckend.

Man erkennt den Unterschied aber noch: Gerade, wenn beide Smith-Charaktere in einer Szene zu sehen sind, fällt anhand der nicht vollständig lebendigen und ausdrucksstarken Augen von Junior auf, dass er am Computer digital verjüngt/erschaffen wurde.

Doch es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis man das nicht mehr erkennt. Der nächste Film dieser Art, "The Irishman" von Martin Scorsese, darf daher mit noch größerer Spannung erwartet werden.

Doch zurück zu "Gemini Man", der auch in den Kategorien Kameraführung, Locations und Musik überzeugt - und offenbar den Zeitgeist hierzulande getroffen hat. Denn die schlechten Kritiken hielten die Menschenmassen keineswegs vom Kinobesuch ab. Bereits nach dem ersten Wochenende hatte er stolze 235.000 Zuschauer in die Lichtspielhäuser gelockt.

Gespannt sein darf man auf die ersten Ergebnisse in den USA - dort läuft "Gemini Man" nämlich erst am 11. Oktober an.

Titelfoto: PR/2019 PARAMOUNT PICTURES. ALL RIGHTS RESERVED. /

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