Genickbruch, abgetrennte Beine: Mysteriöses Vogelsterben in Dresden

Dresden - Mysteriöses Vogelsterben ausgerechnet am Stadtfest-Wochenende mitten in der Innenstadt.

Die Leiterin der Wildvogelauffangstation Saskia Keller (34) mit einer der eingelieferten Möwen.
Die Leiterin der Wildvogelauffangstation Saskia Keller (34) mit einer der eingelieferten Möwen.  © Ove Landgraf

An der Wilsdruffer Straße wurden ein Dutzend verendeter Möwen entdeckt. Dann tauchten noch weitere schwerst verletzte Vögel auf. Experten rätseln über mögliche Ursachen.

So einen Massen-Sterben ist auch für Dresdens Vogelretter neu. Die ersten Möwen-Opfer hatte die Tierrettung der Feuerwehr gegen sechs Uhr am Freitagmorgen entdeckt. "Entlang der Wilsdruffer Straße fanden sie zwölf tote Möwen", bestätigte ein Feuerwehrsprecher.

Davon seien mehrere im Bereich des Kulturpalastes entdeckt worden. Im weiteren Tagesverlauf kamen weitere hinzu, etwa am Altmarkt. Am Nachmittag wurden zwei weitere verletzte Möwen an der Wilsdruffer Straße entdeckt.

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Kameraden der Tierrettung brachten die Opfer zur Wildvogelauffangstation. "Sechs Jungtiere wurden am Vormittag eingeliefert, drei davon bereits tot. Mit Genickbruch, abgetrenntem Bein und doppeltem Flügelbruch", bedauert Stationsleiterin Saskia Keller (34). "Die anderen hatten schwere Brüche, verdrehte Flügel, verbluteten."

Sogar ein verletzter Falke wurde laut Feuerwehr gefunden (Wilsdruffer Straße), konnte aber aus eigener Kraft wegfliegen. Der sei als "Täter" aber ausgeschlossen, könne laut Expertin Keller solche Verletzungen bei Möwen nicht verursachen.

"Im Tagesverlauf bekamen wir weitere Möwen, etwa mit Schädelbruch", so Keller. "Wir vermuten eher Stahlseile von Stadtfest-Aufbauarbeiten oder -Bauten. Auch eine Drohne kommt als Verursacher in Frage."

Die Stadtfest-Organisatoren hatten zunächst keine Kenntnis von den toten Vögeln, schlossen das Riesenrad als Verursacher aber praktisch aus, da es erst Freitagnachmittag in Betrieb ging. In den Tagen vor und nach Freitag blieben Opfer aus.

Neben den bereits tot aufgefunden Möwen verstarben acht von zehn eingelieferten bis Sonntagabend in der Auffangstation.

Genickbruch, verdrehte und abgetrennte Flügel: Für diese drei Möwen kam jede Hilfe zu spät.
Genickbruch, verdrehte und abgetrennte Flügel: Für diese drei Möwen kam jede Hilfe zu spät.  © Wildvogelauffangstation Dresden
Nur zwei von zehn eingelieferten Möwen waren gestern Abend noch am Leben.
Nur zwei von zehn eingelieferten Möwen waren gestern Abend noch am Leben.  © Ove Landgraf
An der Wilsdruffer Straße wurden Freitag zwölf verendete Möwen entdeckt, weitere schwer verletzt Vögel kamen im Tagesverlauf hinzu.
An der Wilsdruffer Straße wurden Freitag zwölf verendete Möwen entdeckt, weitere schwer verletzt Vögel kamen im Tagesverlauf hinzu.  © Ove Landgraf

Titelfoto: Ove Landgraf

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