Geglückte OP nach Genitalverstümmelung: Das ist für die Frauen jetzt wieder möglich

Leipzig - Im April ist in Leipzig die erste Anlaufstelle für Frauen und Mädchen mit Genitalverstümmelungen eröffnet worden. Jetzt wurden die Geschlechtsorgane zweier Patientinnen vollständig rekonstruiert.

Im Leipziger Klinikum St. Georg wurden die Eingriffe vorgenommen.
Im Leipziger Klinikum St. Georg wurden die Eingriffe vorgenommen.  © Klinikum St. Georg

Wie das behandelnde Leipziger Klinikum St. Georg am Montag mitteilte, können die Frauen jetzt wieder schmerzfrei Wasser lassen, menstruieren, Geschlechtsverkehr haben und auch Kinder bekommen.

"Wir sind stolz, als einziges Kompetenzzentrum in Mitteldeutschland einen wichtigen Beitrag gegen weibliche Genitalverstümmelung zu leisten", betont die Geschäftsführerin des Klinikums, Dr. Iris Minde.

Trotz der schwierigen Ausgangslage seien die Eingriffe sehr gut und ohne Komplikationen verlaufen, sagte der Leitende Klinik-Chefarzt Prof. Dr. Amir Hamza, der die beiden Frauen gemeinsam mit seiner Kollegin Maha Saida Ullmann operiert hat.

"Die beiden Patientinnen werden schnell eine deutlich bessere Lebensqualität spüren und haben nun die Chance auf ein erfülltes Sexualleben." Nun werden sie vom SAIDA Kompetenzzentrum sexualpädagogisch begleitet.

Das geschah mit den Frauen in ihren Heimatländern

Operierte die Frauen: Prof. Dr. Amir Hamza, Chefarzt der Klinik für Urologie und Andrologie sowie Leitender Chefarzt des Klinikums
Operierte die Frauen: Prof. Dr. Amir Hamza, Chefarzt der Klinik für Urologie und Andrologie sowie Leitender Chefarzt des Klinikums  © Klinikum St. Georg

Nach Angaben des Klinikums wurden die Frauen in ihrem Herkunftsland schon als Kinder verstümmelt. "Ihnen wurden die großen und kleinen Schamlippen sowie der sichtbare Teil der Klitoris entfernt und der Vaginaleingang bis auf eine minimale Öffnung verschlossen", heißt es.

Im ersten OP-Schritt erfolgte die Öffnung der vernähten Schamlippenreste, danach wurde die komplexe und daher schwer wiederherstellbare Klitoris rekonstruiert. "Nach Aufsuchen des Klitorisstumpfes wird dieser mobilisiert, dann folgt die Hervorhebung des Klitorisrests und anschließend die Fixation an der Haut."

Im nächsten Schritt werde aus der Genitofemoral-Falte ein Lappen gewonnen und mit der ursprünglichen Gefäßversorgung belassen. Dieser werde dann unter der Haut an die Stelle der fehlenden großen Schamlippen gesetzt, so die Mediziner. Danach wird die Stelle des Lappens vernäht, die Narbe verschwindet in der Falte.

Trotz ihrer schlimmen Erinnerungen aus der Kindheit und dem bisherigen Leben mit einer Genitalverstümmelung ist es den Ärzten nun gelungen, das Leben der beiden Frauen nachhaltig zu verändern.

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