Gericht entscheidet: Airline muss bei Flugausfall Champagner zahlen

Düsseldorf - Wenn diese Geschichte nicht richterlich untermauert worden wäre, würde man sie sicher nicht glauben: Fluggäste können sich bei Annullierungen von Flügen ihrer Airline Champagner und Wein bezahlen lassen. Kein Scherz!

Das Amtsgericht Düsseldorf hatte einen ungewöhnlichen Fall zu entscheiden - und traf eine ungewöhnliche Entscheidung.
Das Amtsgericht Düsseldorf hatte einen ungewöhnlichen Fall zu entscheiden - und traf eine ungewöhnliche Entscheidung.  © Marcel Kusch/dpa

Der Kläger wollte am 29. Mai 2018 vom schwedischen Göteborg nach Düsseldorf fliegen. Gegen 18.45 Uhr wurde der für 20.45 Uhr geplante Flug von der Airline ersatzlos gestrichen.

Da sich diese anschließend nicht um die Unterkunft und Verpflegung der liegen gebliebenen Passagiere kümmerte - obwohl sie dazu verpflichtet wäre - suchten sich die Fluggäste auf eigene Kosten ein Hotel, aßen und tranken in einem Restaurant.

Am Ende stand eine Rechnung in Höhe von 286,50 Euro für die Übernachtung sowie insgesamt 243,09 Euro für Essen und Getränke im Restaurant zu Buche. Und diese Kosten wollten die Passagiere nicht auf sich sitzen lassen.

Mithilfe eines Anwalts wollten sie die Summe bei der Fluggesellschaft geltend machen - ohne Erfolg. Der Fall landete beim Amtsgericht Düsseldorf. Dort bekamen die Kläger tatsächlich Recht.

Airline wollte nicht einmal die laut EU-Richtlinie vorgeschriebene Entschädigung zahlen

Selbst für Champagner und Weine musste die Airline aufkommen, da diese sich nicht um Verpflegung und Unterkunft für gestrandete Fluggäste kümmerte.
Selbst für Champagner und Weine musste die Airline aufkommen, da diese sich nicht um Verpflegung und Unterkunft für gestrandete Fluggäste kümmerte.  © 123RF/belchonock

Im Richterspruch heißt es, dass neben der pauschalen Entschädigung in Höhe von 250 Euro pro Person auch die Hotel- und Verpflegungkosten (264,79 Euro) sowie die Rechtsanwaltskosten (201,71 Euro) des Klägers erstattungsfähig sind.

Und die Posten auf der Restaurantrechnung lassen durchaus aufhorchen. Denn neben Speisen waren auch Wein, Champagnercocktails und Dessertwein aufgeführt. All das muss die Airline zahlen.

Die Begründung: "Es ist für das Amtsgericht Düsseldorf allgemein bekannt, dass zu einem gelungenen Essen nicht nur der Verzehr begleitender Biere und/oder Weine gehört, sondern darüber hinaus auch der Genuss von Champagner und Dessertwein, so dass sich auch diese Kosten als angemessen erweisen. Bei der Beurteilung der Angemessenheit ist insoweit insbesondere zu berücksichtigen, dass gerade im Champagnersegment auch deutlich hochpreisigere Produkte angeboten werden."

Die namentlich nicht genannte Airline wollte übrigens den Beklagten zunächst überhaupt nicht entschädigen. Nicht einmal die pauschalen 250 Euro, die laut EU-Richtlinie bei ersatzlos gestrichenen Flugausfällen Passagieren zustehen, waren zur Auszahlung angedacht. Dies wurde mit "außergewöhnlichen Umständen" aufgrund vorherrschender Wetterbedingungen mit Gewitter und Hagel begründet. Dies schmetterte das Gericht ab.


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