Porsche-Fahrer verurteilt: Autobahn-Schütze muss in Haft!

Kiel - Knapp ein Jahr nach einer wilden Verfolgungsjagd auf der A215 bei Kiel (TAG24 berichtete) wurde ein 39-Jähriger zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Der Angeklagte wird von einem Justizbeamten in den Gerichtssal des Landgerichts Kiel geführt.
Der Angeklagte wird von einem Justizbeamten in den Gerichtssal des Landgerichts Kiel geführt.  © DPA

Das Kieler Landgericht verurteilte den Mann am Mittwoch zu zwei Jahren und acht Monaten Haft.

Die Kammer hielt nach 13 Tagen Beweisaufnahme einen Mordversuch des Angeklagten an seinem Schwager nicht für erwiesen, sagte der Vorsitzende Richter Carsten Tepp in der mündlichen Urteilsbegründung. "Er hätte weiterschießen können, wollte es aber offenbar nicht", sagte Tepp.

Der in Beirut geborene deutsche Staatsangehörige machte sich demnach im Mai 2018 während einer Verfolgungsjagd mit seinem damals 30 Jahre alten Schwager nur wegen Verstosses gegen das Waffengesetz, Fahrens ohne Führerschein und Sachbeschädigung schuldig.

Bei voller Fahrt hatte er auf der A215 aus seinem Porsche heraus auf das andere Auto geschossen und immer wieder versucht, den Toyota Verso abzudrängen. Daraufhin verlor der 30-Jährige die Kontrolle über sein Auto, teilte die Polizei damals mit.

Die Kammer sei angesichts der Beweislage zu seinen Gunsten von einem strafbefreienden Rücktritt vom Tötungsversuch ausgegangen.

So waren laut Sachverständigem alle Schüsse nach unten gerichtet und hätten den Fahrer nicht treffen können.

Ein Beamter der Autobahnpolizei sichert eine Unfallstelle. (Symbolbild)
Ein Beamter der Autobahnpolizei sichert eine Unfallstelle. (Symbolbild)

Solche Schüsse hätten zwar ein erhebliches Risiko, stellte der Richter fest, "aber man schießt nicht nach unten, wenn man den Fahrer treffen will". Der Mann hatte demnach die Absicht, seinen Schwager "einzuschüchtern - anders ist das Verhalten nicht zu erklären".

Die Kammer habe auch bei der Kollision die Überzeugung gewonnen, dass "der Angeklagte davon ausging, dass es schon gut gehen wird."

Die Staatsanwältin hatte die Schüsse dagegen als Mordversuch gewertet und dafür sieben Jahre und fünf Monate Freiheitsstrafe gefordert. Der Verteidiger wollte eine Bewährungsstrafe.

Hintergrund der Tat soll ein Angriff des Schwagers auf den Vater des Angeklagten gewesen sein. Der Vater ist seither schwerbehindert. In dem Verfahren stand jedoch Aussage gegen Aussage.

Dass der Angeklagte erst geschossen habe, nachdem aus dem Fahrzeug seines Schwagers eine Pistole auf ihn gerichtet worden sei, hielt das Gericht für unglaubwürdig. Der Schwager leidet seit der Verfolgungsjagd und den Schüssen unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und Schlafstörungen, hieß es in dem Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist.

Die Staatsanwältin wollte sich nicht sofort nach dem Urteilsspruch festlegen, ob sie Revision einlegen werde. Sie prüfe das. Dafür hat sie sieben Tage Zeit.

Titelfoto: DPA

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