Haben zwei Frauenärzte ein Neugeborenes getötet?

Berlin – Zwei Frauenärzte, die bei einer Zwillingsgeburt nach der Entbindung eines gesunden Kindes das an einer schweren Hirnschädigung erkrankte zweite Kind mit Kaliumchlorid getötet haben sollen, kommen ab Dienstag (9.30 Uhr) vor das Berliner Landgericht.

Zwei Frauenärzte stehen vor dem Berliner Landgericht, weil sie einen Zwilling nach der Entbindung getötet haben sollen (Symbolbild).
Zwei Frauenärzte stehen vor dem Berliner Landgericht, weil sie einen Zwilling nach der Entbindung getötet haben sollen (Symbolbild).  © 123RF/katrinaelena

Die Anklage geht davon aus, dass sie bewusst nicht den in diesem Fall einer eineiigen Zwillingsschwangerschaft ärztlich angezeigten Weg einer selektiven Tötung des kranken Zwillings bereits im Mutterleib – also vor der Geburt – gegangen seien.

Zu dem Vorfall sei es 2010 in einem Klinikum gekommen. Dort hätten die Angeklagten an einer Patientin, die sich mindestens in der 32. Schwangerschaftswoche befunden habe, einen Kaiserschnitt durchgeführt.

Die Anklage lautet auf Totschlag.

Frauenärzte weisen Vorwürfe zurück

Das Neugeborene litt unter einem schweren Hirnschaden (Symbolbild).
Das Neugeborene litt unter einem schweren Hirnschaden (Symbolbild).

Update, 14.38 Uhr

Die zwei Frauenärzte haben den Vorwurf des Totschlags vor dem Berliner Landgericht nun zurückgewiesen.

"Wir hatten keine Zweifel, dass es richtig ist, was wir tun", erklärte ein 73-jähriger Angeklagter zu Prozessbeginn am Dienstag. Im Vordergrund habe "nicht das Juristische, sondern das gesunde Kind gestanden".

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der heutige Chefarzt im Ruhestand und eine 58 Jahre alte Ärztin die tödliche Injektion während der Geburt und damit zu einem Zeitpunkt vorgenommen hätten, zu dem dies rechtlich nicht mehr zulässig gewesen sei - es habe sich bereits um einen Menschen und nicht mehr um einen Fötus gehandelt.

Mit Beginn der Eröffnungswehen beziehungsweise im Fall eines Kaiserschnitts mit Eröffnung des Uterus handle es sich dem Gesetz zufolge um einen Menschen, so die Anklägerin.

Die Ärzte hätten bewusst nicht den in diesem Fall einer eineiigen Zwillingsschwangerschaft ärztlich angezeigten Weg einer selektiven Tötung des kranken Zwillings bereits im Mutterleib – also vor Beginn der Geburt – gewählt, so die Anklage.

Sie hätten als erfahrene Gynäkologen gewusst, dass sie keine Abtreibung mehr vornahmen.

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