Ganze Siedlung im Funkloch! Alles nur, weil ihn die Antennen störten

Radebeul - Unternehmer Ralf K. (51) kaufte ein Wohnhaus in Radebeul. Einziger Haken: Auf dem Dach des Zweigeschossers steht ein formschöner Funkmast. Kurzerhand nahm der Immobilienmann die Antenne vom Strom. Und plötzlich war eine ganze Siedlung im Funkloch.

Ralf K. auf dem Weg zum Gerichtssaal.
Ralf K. auf dem Weg zum Gerichtssaal.  © Peter Schulze

Am 1. Juli 2017 ging eine Störmeldung bei dem spanischen Netzbetreiber "Telefónica" (Muttergesellschaft von "O2") ein:

"Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, warum", gab ein Techniker vor Gericht an. Nachgucken konnte er nicht: Der neue Hauseigentümer hatte alle Schlösser ausgetauscht.

Der Telekommunikationsanbieter erwirkte anschließend eine einstweilige Verfügung gegen die Immobilienfirma von Ralf K. - trotzdem tat sich nichts.

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Bis der Sendemast am 31. Juli plötzlich wieder ans Netz ging - einen Tag vor der angeordneten Schlüsselübergabe an den Techniker.

Vor dem Amtsgericht Meißen beteuerte Ralf K. zunächst seine Unschuld. Über seinen Anwalt ließ er erklären: "Ich habe nichts gekappt, wusste gar nicht, dass der Mast in Betrieb ist." "Telefónica"-Mitarbeiter Frank A. (61) zeichnete ein anderes Bild: Ralf K. habe ihm am Telefon gesagt: "Der Strom bleibt abgeschaltet, bis 2000 Euro Vorauszahlung auf meinem Konto sind!"

Das Gericht verurteilte Ralf K. wegen "Störung von Telekommunikationsanlagen" zu einer Geldstrafe. Seltsam: Wie hoch die ausfiel, wollte das Gericht in der öffentlichen Verhandlung nicht verraten.

Im März 2017 kaufte Ralf K. (51) mit seiner Immobilienfirma dieses Wohnhaus in der Thomas-Mann-Straße. Der Mobilfunkanbieter "Telefónica" hatte mit der Vorbesitzerin einen Mietvertrag abgeschlossen.
Im März 2017 kaufte Ralf K. (51) mit seiner Immobilienfirma dieses Wohnhaus in der Thomas-Mann-Straße. Der Mobilfunkanbieter "Telefónica" hatte mit der Vorbesitzerin einen Mietvertrag abgeschlossen.  © Peter Schulze
Der Funkmast auf dem Dach war vier Wochen lang ohne Strom.
Der Funkmast auf dem Dach war vier Wochen lang ohne Strom.  © Peter Schulze

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